Veröffentlicht am 22.05.2026 10:39

Wenn das Funktionieren zur Belastung wird

Maria Tokar-Philipp, Psychologische Psychotherapeutin (Foto: red )
Maria Tokar-Philipp, Psychologische Psychotherapeutin (Foto: red )
Maria Tokar-Philipp, Psychologische Psychotherapeutin (Foto: red )
Maria Tokar-Philipp, Psychologische Psychotherapeutin (Foto: red )
Maria Tokar-Philipp, Psychologische Psychotherapeutin (Foto: red )

Menschen funktionieren im Alltag relativ lange – auch wenn eine innere Erschöpfung vorhanden ist. Sie gehen zur Arbeit, kümmern sich um die Familie und um Verpflichtungen, erledigen Aufgaben und wirken nach außen belastbar. Gleichzeitig fühlen sie sich innerlich leer, vielleicht freudlos, angespannt oder dauerhaft müde und erschöpft. Nicht selten höre ich in meiner Praxis Sätze wie: „Eigentlich müsste ich dankbar sein“ oder „Andere schaffen das doch auch“. Damit treiben sie sich immer weiter an.

Wir leben in einer Zeit, in der Leistungsfähigkeit einen hohen Stellenwert hat. Wer viel schafft, gilt als engagiert und stark. Für Pausen gibt es kaum Zeit. Viele Menschen haben deshalb gelernt, ihre eigenen Grenzen zu übergehen. Sie funktionieren weiter, obwohl Körper und Psyche längst Signale senden.

Diese Signale zeigen sich oft schleichend. Betroffene schlafen schlechter, fühlen sich schneller gereizt oder können sich kaum noch entspannen. Gedanken kreisen ständig um Aufgaben, Erwartungen oder Sorgen. Selbst ruhige Momente bringen keine echte Erholung mehr. Manche Menschen ziehen sich zurück, andere versuchen noch mehr zu leisten, um das unangenehme Gefühl der Überforderung zu kontrollieren. Langfristig entsteht so ein Zustand dauerhafter Anspannung.

Aus verhaltenstherapeutischer Sicht geht es dabei nicht nur um Stress, sondern auch um erlernte Muster. Viele Menschen verbinden ihren Selbstwert mit Leistung. Sie haben früh gelernt, stark zu sein, keine Umstände zu machen oder die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Diese Strategien waren oft sinnvoll und hilfreich. Problematisch wird es, wenn sie dauerhaft dazu führen, dass eigene Bedürfnisse ignoriert werden.

Erschöpfung ist häufig ein ernst zu nehmendes Signal dafür, dass das innere Gleichgewicht verloren gegangen ist. Der Körper und die Psyche versuchen aufmerksam zu machen, bevor nichts mehr geht.

In der Verhaltenstherapie schauen wir gemeinsam darauf, welche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen die Belastung aufrechterhalten. Das Ziel ist die eigenen Grenzen rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen zu treffen, um ein ausgewogenes Leben zu führen. Dazu gehört zum Beispiel, Warnsignale früher wahrzunehmen, realistischere Ansprüche zu entwickeln und Pausen nicht erst dann zuzulassen, wenn völlige Erschöpfung eingetreten ist.

Veränderung beginnt oft mit kleinen Schritten. Ein bewusster Feierabend, weniger Selbstkritik oder die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, können bereits entlastend wirken. Wichtig ist vor allem, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen, statt sie ständig wegzudrücken.

Nicht jeder erschöpfte Mensch braucht sofort eine Therapie. Aber jeder Mensch sollte sich die Frage stellen dürfen: Wie lange funktioniere ich eigentlich schon gegen mich selbst?

Ihre Ansprechpartnerin

Maria Tokar-Philipp
Psychologische Psychotherapeutin

Erlanger Straße 44-46
95444 Bayreuth
0921 / 9900 8687


Von red
north