Veröffentlicht am 15.05.2026 08:36

Kinderschutz ist Teamarbeit: Und manchmal eine Gratwanderung - Ein multiprofessionelles Team am Klinikum Bayreuth schaut hin

Prof. Dr. Patrick Morhart<br>Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Morhart
Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Morhart
Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Morhart
Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Morhart
Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )

„Kinderschutz ist kein Randthema, sondern Teil unseres täglichen Handelns“, sagt Prof. Dr. Patrick Morhart, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Klinikum Bayreuth GmbH. Gemeinsam mit seinem Team, zu dem unter anderem Oberärztin Olga Kravtsova (Mitglied der Kinderschutzgruppe) und Barbara Koch vom Sozialdienst der Kinderklinik gehören, blickt er dabei nicht nur auf Krankheiten – sondern immer auch auf das Umfeld, in dem Kinder aufwachsen. Neben Diagnostik und Therapie gehört der Schutz von Kindern zu den zentralen Aufgaben – leise, oft im Hintergrund, aber von enormer Bedeutung.

Wenn Fürsorge an Grenzen stößt
Kindeswohlgefährdung beginnt selten spektakulär. Häufig ist es keine sichtbare Gewalt, sondern schleichende Vernachlässigung – ausgelöst durch Überforderung, psychische Belastungen oder schwierige Lebensumstände. Eltern, die ihre Kinder lieben, aber im Alltag an ihre Grenzen geraten. Hier setzt die Arbeit der Kinderklinik der Klinikum Bayreuth GmbH früh an.

Manchmal schon während der Schwangerschaft oder unmittelbar nach der Geburt. Familien werden begleitet, beraten und vernetzt – mit Hebammen, Beratungsstellen oder Angeboten der Frühen Hilfen. Ziel ist es, Unsicherheiten aufzufangen, bevor sie zu Problemen werden.

Viele Perspektiven – eine Verantwortung
Wenn sich jedoch zeigt, dass Hilfe allein nicht ausreicht, braucht es klare Strukturen. In solchen Fällen kommt die Kinderschutzgruppe zusammen – ein Team aus verschiedenen Fachdisziplinen, das jeden Fall gemeinsam betrachtet. Medizin, Pflege, Psychologie und Sozialpädagogik bringen ihre Perspektiven ein. Es wird diskutiert, abgewogen, manchmal auch gerungen. Immer mit dem Ziel, die bestmögliche Entscheidung für das Kind und möglichst auch seine Eltern zu treffen.

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Eltern werden einbezogen, auch wenn Eltern Nachfragen mitunter als Vorwurf verstehen. „Wir arbeiten nicht gegen sie, sondern mit ihnen“, sagt Barbara Koch. Doch wenn Kooperation nicht gelingt oder das Risiko zu groß ist, muss der Schutz des Kindes an erster Stelle stehen.

Entscheidungen, die niemand leicht trifft
Kinderschutz bedeutet oft, Spannungen auszuhalten. Kinder haben ein Recht auf ihre Familie – und gleichzeitig ein Recht auf Sicherheit. Zwischen diesen Polen die richtige Entscheidung zu treffen, ist eine der größten Herausforderungen. In vielen Fällen, das zeigt die Erfahrung des multiprofessionellen Teams am Klinikum Bayreuth, gelingt es, Familien mit Unterstützung zu stabilisieren. Umso wichtiger ist ein enges Netzwerk: Kinderklinik, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, das Amt für Kinder, Jugend und Familie, Beratungsstellen und passgenaue Nachsorgeangebote. Sie alle sorgen gemeinsam dafür, dass Kinder nicht aus dem Blick geraten.

Kleine Signale, große Bedeutung
Oft sind es unscheinbare Hinweise, die den Unterschied machen: Verletzungen, die nicht recht erklärt werden können. Kinder, die auffällig still oder unruhig sind. Eltern, die erschöpft wirken oder unsicher im Umgang mit ihrem Kind. Hinsehen, nachfragen, ernst nehmen – das ist der erste Schritt. Nicht nur in der Klinik, sondern auch in Kitas, Schulen und im Alltag. Kinderschutz ist keine Aufgabe einzelner Institutionen. Er beginnt dort, wo Menschen aufmerksam sind.

Wenn Hilfe ankommt
Wie viel frühzeitige Unterstützung bewirken kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kind, das kaum zunahm, viel schrie, die Eltern erschöpft und ratlos. Medizinisch ließ sich keine Ursache finden – doch die Interaktion zwischen Eltern und Kind war aus dem Gleichgewicht geraten. Mit gezielter Begleitung, praktischer Unterstützung und neuen Impulsen veränderte sich die Situation. Das Kind entwickelte sich stabil, wurde ruhiger, die Eltern gewannen Sicherheit zurück. Aus Überforderung wurde wieder Nähe. Solche Geschichten bleiben. Weil sie zeigen, was möglich ist.

Mehr als eine Pflicht
Kinderschutz in der Kinderklinik ist komplex, zeitaufwändig und die Kosten dafür sind häufig nicht gedeckt. Kinderschutz ist gesetzlicher Auftrag – aber vor allem eine menschliche Aufgabe. Sie erfordert Zeit, Erfahrung und Zusammenarbeit. Und sie zeigt, wie eng medizinische Versorgung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Oder, wie Prof. Dr. Morhart es formuliert: „Kinderschutz gelingt nur gemeinsam – im Team, im Netzwerk und mit einem wachen Blick für die Kinder.“


Von red
north