Wie können nicht-medikamentöse Verfahren die Genesung unterstützen? Welche Rolle spielen Düfte, Licht oder Akupunktur in der modernen Patientenversorgung? Antworten auf diese Fragen gibt ein Infonachmittag am Sonntag, 29. März. Zwischen 14 und 17 Uhr stellt das Team des Zentrums für Integrative Medizin im Speisesaal des Therapiegebäudes an der Klinik Hohe Warte sein Behandlungsspektrum vor. Der Eintritt ist frei.
Integrative Medizin verbindet bewährte Schulmedizin mit ausgewählten naturheilkundlichen Verfahren – etwa Aromapflege, Akupressur oder Entspannungs- und Atemtechniken. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Selbstheilungskräfte zu stärken. „Wir sehen den Patienten oder die Patientin als Ganzes, nicht nur die Erkrankung“, sagt Stefan Scharnagel, Leiter des Akutschmerzdienstes der Klinikum Bayreuth GmbH und Teil des Leitungsteams des Zentrums für Integrative Medizin. „Wohlbefinden ist ein wesentlicher Faktor, durch den sich Schmerzempfinden und Heilung beeinflussen lassen. Das machen wir uns zunutze.“
Scharnagels beruflicher Weg begann klassisch: als examinierter Krankenpfleger, viele Jahre auf der Intensivstation. Dort lernte er die Möglichkeiten – aber auch die Grenzen – der modernen Medizin kennen. „Medikamente und technische Verfahren retten Leben und lindern Leid“, sagt er. „Doch manchmal braucht es zusätzlich andere Wege.“ Sein Ansatz: Schulmedizin und Naturheilverfahren nicht gegeneinanderzustellen, sondern sinnvoll zu kombinieren: „Das eine tun und das andere nicht lassen.“ Das gibt er auch weiter. Die Klinikum Bayreuth GmbH ist eines von bisher nur 30 Akutkrankenhäusern in Deutschland, die eine eigene Abteilung für Integrative Medizin haben – von etwa 1.800 Kliniken insgesamt. „Wir haben regelmäßig Hospitanten im Haus und bilden Pflegekräfte aus anderen Häuern aus – darauf sind wir sehr stolz“, sagt Scharnagel.
Beim Infonachmittag können Besucherinnen und Besucher genau das kennenlernen. Neben einem einführenden Vortrag laden Informationsstände ein, Methoden der integrativen Medizin zu entdecken und auszuprobieren. Mini-Workshops vermitteln praktische Einblicke – etwa in Möglichkeiten der nicht-medikamentösen Schmerztherapie, die Anwendung ätherischer Öle oder die Wirkung von Licht und Farben. Auch die Ohrakupunktur wird vorgestellt. Sie basiert auf der Vorstellung, dass die Ohrmuschel den gesamten menschlichen Organismus widerspiegelt. Durch gezielte Reize können Prozesse im Nervensystem beeinflusst werden – etwa bei Schmerzen, Unruhe oder Schlafstörungen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aromapflege. Ätherische Öle werden gezielt eingesetzt, um Symptome zu lindern oder das Wohlbefinden zu steigern. Manche Mischungen können etwa Übelkeit reduzieren oder schleimlösend wirken, andere unterstützen die Hautpflege bei Patientinnen und Patienten, die lange im Bett liegen müssen. Die meisten Rezepturen stellt das Team selbst nach festen Standards her.
Auch Licht und Farben werden therapeutisch genutzt. Unterschiedliche Farbtöne wirken auf Körper und Psyche: Blaues Licht kann etwa muskulär entspannen, violettes Licht den Schlaf fördern, während warme Farbtöne wie Orange stimmungsaufhellend wirken können. In der Kinderklinik wird beispielsweise rotes Licht eingesetzt, das Frühgeborenen Geborgenheit vermittelt. „Auch auf Intensivstationen wird zunehmend mit Licht gearbeitet“, sagt Scharnagel.
Ein besonderes Highlight ist die Besichtigung des neuen Snoezelenraums der Klinik Hohe Warte. In diesem speziell gestalteten Raum werden Musik, Licht, Düfte und Entspannung kombiniert. Vor allem chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten hilft das Angebot, um aus der Schmerzspirale herauszufinden. „Die Rückmeldungen sind sehr positiv“, sagt Scharnagel. „Viele berichten, dass sie hier zur Ruhe kommen und ihre Schmerzen besser bewältigen können.“
Der Infonachmittag bietet allen Interessierten Gelegenheit, das Konzept der Integrativen Medizin kennenzulernen. Besucherinnen und Besucher können Fragen stellen, Erfahrungen sammeln und erleben, wie integrative Medizin in der Praxis aussieht – ganz im Sinne des Mottos: informieren, ausprobieren und verstehen.
Rundum Gepflegt – Infonachmittag
Sonntag, 29. März – 14 bis 17 Uhr
Der Patient im Fokus der Natur – Ganzheitliche Symptombehandlung am Zentrum für Integrative Medizin
Vortrag und Infostände zum Informieren, Erleben und Mitmachen
Speisesaal, Therapiezentrum Klinik Hohe Warte
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich