Veröffentlicht am 19.02.2026 14:13

Alzheimer: Neue Therapien und Frühdiagnose

Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )

Es ist eine echte Chance. Mit Lecanemab wurde erstmals ein Wirkstoff gegen Alzheimer zugelassen, der im frühen Stadium die Erkrankung verlangsamen kann. Es ist kein Heilmittel, aber viele Betroffene dürfen jetzt dennoch auf etwas hoffen: auf mehr Zeit. Am Mittwoch, 25. Februar, informiert Prof. Dr. Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH, im Rahmen eines Medizinischen Vortrags um 18 Uhr im Speisesaal des Therapiezentrums an der Klinik Hohe Warte über die neuen Möglichkeiten der Alzheimer-Therapie.

Prof. Oschmann engagiert sich stark in der Alzheimerforschung; seine Klinik beteiligt sich seit zehn Jahren regelmäßig an aktuellen Medikamentenstudien. Für ihn ist die Zulassung ein Durchbruch. Denn erstmals wurde in Europa ein Wirkstoff als Medikament zugelassen, der nicht nur die Symptome behandelt, sondern auch den Krankheitsverlauf tatsächlich verlangsamen kann. Lecanemab wirkt, indem es gezielt an Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn anknüpft und diese abtransportiert.

Warum es dennoch keine Heilung ist? „Die Beta-Amyloid-Ablagerungen sind nur ein Aspekt der Alzheimer-Erkrankung“, erklärt der Neurologe. Sie begünstigen wiederum die Bildung eines weiteren Proteins im Gehirn, das die Erkrankung vorantreibt: Tau. Tau ist grundsätzlich in den Nervenzellen vorhanden, verändert und vermehrt sich jedoch im Krankheitsverlauf zunehmend. Das führt dazu, dass Nervenzellen ihre Struktur verlieren und nach und nach absterben. „Ist dieser Prozess erst einmal angelaufen, lässt er sich nach dem aktuellen Wissensstand auch mit dem neuen Medikament nicht mehr aufhalten.“

Bei Verdacht auf Alzheimer frühzeitig zum Arzt
Wirksam ist das Medikament daher nur in einem sehr frühen Stadium. „Je früher die Therapie ansetzt, desto größer ist die zu erwartende Wirkung“, sagt Prof. Oschmann. „Studien haben gezeigt, dass das Medikament in der Lage ist, in einem sehr frühen Stadium diese Ablagerungen vollständig aus dem Gehirn zu entfernen. Patientinnen und Patienten gewinnen damit im Durchschnitt etwa sechs Monate.“ Wenn die Voraussetzungen günstig sind und die Therapie bereits bei minimalen Störungen beginnt, könne das Fortschreiten der Erkrankung wahrscheinlich mehrere Jahre hinausgezögert werden. Zeit, die auch der Forschung zugutekommt – um weitere Therapieoptionen zu entwickeln.

Deshalb möchte er Mut machen, schon bei ersten Anzeichen medizinischen Rat einzuholen und frühzeitig abklären zu lassen, ob Gedächtnislücken tatsächlich auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen. Dies auch, da nach eigenen Daten nur jeder Vierte, der sich in der Klinik vorstellt, an einer Alzheimer-Erkrankung leidet.

Sein Appell:
„Scheuen Sie sich nicht vor dem Arztbesuch. Sollte es sich um eine Alzheimer-Erkrankung handeln, haben wir mit dem neuen Medikament erstmals die Chance, Ihnen Zeit zu verschaffen. Und sollte sich herausstellen, dass die Sorgen unbegründet waren: umso besser. Sie können nur gewinnen.“

Umfassende Diagnostik
Er weiß, dass damit künftig deutlich mehr Patientinnen und Patienten eine umfassende Diagnostik benötigen werden. „Wir stehen nun vor der Herausforderung, Menschen bereits in einem frühen Stadium fachgerecht zu diagnostizieren, um herauszufinden, ob sie für eine Behandlung infrage kommen.“ Die Klinikum Bayreuth GmbH ist dafür gut aufgestellt. Die Klinik für Neurologie arbeitet eng mit der Klinik für Nuklearmedizin, unter Leitung von Prof. Stefan Förster, zusammen. „Im PET-CT lassen sich Ablagerungen im Gehirn bereits deutlich darstellen – lange bevor für die Betroffenen Einschränkungen spürbar werden“, erklärt Prof. Oschmann. Und das sei der ideale Zeitpunkt für den Therapiebeginn.

Der Faktor Zeit ist aus Sicht von Prof. Oschmann auf beiden Seiten entscheidend: „Das neue Medikament ist nicht nur eine Chance für die Betroffenen, es ist auch ein Türöffner für die Forschung.“ Die Entwicklung weiterer Wirkstoffe gewinne dadurch an Dynamik. Mit Lecanemab ist ein wesentlicher Baustein gefunden. Nur wenige Wochen nach seiner Zulassung folgte bereits ein weiteres Medikament mit dem Wirkstoff Donanemab, das in ähnlicher Weise wirkt. „Auf dieser Basis geht die Forschung jetzt weiter, und ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald weitere Alternativen zur Behandlung haben werden“, sagt Oschmann.

Die Erkrankung entwickelt sich schleichend über viele Jahre. Erste Anzeichen sind Gedächtnislücken, Verwirrtheit und Orientierungsschwierigkeiten. Im Verlauf werden auch Sprache, Denken und Alltagsfähigkeiten beeinträchtigt.


Von red
north