Die Frühlingszeit lockt jedes Jahr viele Ausdauersportler nach draußen. Egal ob auf dem Rad oder in den Laufschuhen, sobald die Temperaturen steigen, herrscht auf den Wegen und Straßen Hochbetrieb. Mit den Temperaturen steigen oft auch die Trainingsumfänge deutlich an. Kein Wunder, denn das Frühjahr ist die Zeit der ersten Laufveranstaltungen sowie der Start in die Rad- und Triathlonsaison.
Diplom-Sportökonom Steffen Conrad und die Bayreuther Sport- und Ernährungsmedizinerin Beate Zunner betreuen jedes Jahr zahlreiche Hobby- und Profisportler. Sie wissen, worauf es ankommt, damit man gesund und gut vorbereitet an der Startlinie steht.
Vor dem Training: ärztlich durchchecken lassen
Für Profisportler gehört der jährliche medizinische Check-up längst zum Standard, häufig kombiniert mit einer Leistungsdiagnostik. Doch gerade auch Hobby-Sportler und Einsteiger sollten sich vor Trainingsbeginn und anschließend in regelmäßigen Abständen untersuchen lassen.
Im Fokus steht dabei vor allem die Herzgesundheit. Unentdeckte Probleme können im Training schnell ernsthafte Folgen haben. „In einer sportmedizinischen Untersuchung werden nicht nur Herz und Lunge überprüft, sondern auch der gesamte Bewegungsapparat“, erklärt Beate Zunner. „Wichtig ist außerdem eine ausführliche Anamnese mit Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahmen. Der Blutdruck darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Erhöhte Werte sind zu Beginn oft symptomlos, können jedoch die Leistung limitieren und langfristig gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Es kann auch sein, dass wir im Gespräch die sportlichen Ziele anpassen. Bisher haben wir aber für jeden die passende Form der Bewegung gefunden.“
Mit Struktur zum persönlichen Erfolg: viel hilft nicht immer viel
Eine gezielte Vorbereitung ist der beste Schutz vor Verletzungen im Training und Wettkampf. Die Devise lautet deshalb nicht Vollgas, sondern mit Köpfchen. Besonders, wenn bereits im medizinischen Check Auffälligkeiten festgestellt wurden, ist eine strukturierte Begleitung entscheidend, um langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.
„Nach der sportmedizinischen Freigabe starten wir im Sportsfreund mit einem ausführlichen Assessment, abgestimmt auf die individuellen Problemfelder“, erklärt Steffen Conrad. „So erkennen wir frühzeitig muskuläre Dysbalancen, die in der Laufvorbereitung zu Problemen führen können. Denn bei einem 10-Kilometer-Lauf macht man rund 5.000 Schritte pro Seite. Wenn dabei zum Beispiel die Hüfte nicht sauber arbeitet oder die Sprunggelenke sich in Stabilität und Mobilität unterscheiden, führt das langfristig zu Überlastungen im Bewegungsapparat. Ein klassisches Beispiel ist hier das sogenannte Runners Knee.“
„Um nicht nur verletzungsfrei zu bleiben, sondern auch schneller zu werden, ist gezieltes Athletiktraining unerlässlich. Eine reine Umfangssteigerung im Laufen bringt ab einem gewissen Punkt kaum noch Fortschritt. Im Gegenteil: Der Körper braucht gezielte Reize und vor allem auch Pausen, um sich anpassen zu können.“
Pause ist Pflicht: wann Durchbeißen schadet
Trotz guter Planung lassen sich Rückschläge nicht immer vermeiden. Gerade im Frühjahr, wenn die Temperaturen schwanken und die Belastung steigt, sind Infekte keine Seltenheit.
„Sport mit Fieber ist ein absolutes No-Go“, betont Zunner. „Auch bei starken Halsschmerzen, Glieder- oder Atembeschwerden sollte unbedingt pausiert werden.“
„Die Form ist nicht sofort weg, wenn man ein paar Tage aussetzt“, ergänzt Conrad. „Im Gegenteil: Wer sich konsequent auskuriert, kommt schneller wieder zurück ins Training und schützt gleichzeitig sein Umfeld.“
Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg? „Das hängt stark vom Infekt ab“, so Zunner. „Eine leichte Erkältung ist meist nach wenigen Tagen überstanden. Nach schwereren Infekten wie einer Grippe oder Lungenentzündung kann es mehrere Wochen dauern.“
Entscheidend ist, die ärztlichen Vorgaben einzuhalten. Ein verschleppter Infekt kann im schlimmsten Fall das Herz betreffen oder andere schwere Komplikationen nach sich ziehen. „Genau das wollen wir vermeiden.“
Zurück ins Training: mit Geduld statt Risiko
Vor der Rückkehr ins Training sollte immer ärztliches grünes Licht eingeholt werden. „Dann können unsere Athleten wieder mit einem guten Gefühl starten“, erklärt Conrad. „Je nach Dauer und Schwere der Erkrankung passen wir das Training an. Es bringt nichts, nach mehreren Wochen Pause direkt auf das alte Niveau zurückzugehen. Das Risiko für die nächste Verletzung ist dann sehr hoch.“
Wer strukturiert und in enger Abstimmung trainiert, hat die besten Chancen, gesund an der Startlinie zu stehen.
Und wenn doch einmal alles anders läuft? „Dann planen wir gemeinsam neu“, so Conrad und Zunner. „Wettkämpfe gibt es viele. Gesundheit nur eine.“
Red Flags im Training: Wann muss ich zum Arzt?
• Fieber oder deutliche Infektsymptome
• Kurzatmigkeit oder ungewohnte Atemprobleme
• Schmerzen in der Brust oder Druckgefühl
• Schwindel oder Kreislaufprobleme unter Belastung
•Anhaltende Schmerzen im Bewegungsapparat, die sich nicht innerhalb weniger Tage bessern
•Deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit ohne erkennbaren Grund
•Beschwerden, die sich trotz Trainingspause nicht verbessern
Wichtig: Im Zweifel gilt immer, lieber einmal mehr ärztlich abklären lassen als zu früh wieder ins Training einsteigen.
Green Flags: Grünes Licht für zielorientiertes Krafttraining
•Zur Verletzungsprophylaxe, sowohl im Hobby-als auch im Profibereich
•Zur Vorbeugung von Ermüdung im Wettkampf
•Zur Leistungssteigerung
•Bei Dysbalancen im Bewegungsapparat
•Nach Verletzungen und langen Trainingspausen
•Bei Technikfehlern zur Ursachensuche/Behebung
Kontakt:
Sportsfreund Bayreuth
Schulstraße 23 • 95444 Bayreuth • www.sports-freund.de
Praxis am Main
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