Veröffentlicht am 15.10.2026 12:23

Neues aus der Herzchirurgie: Moderne Verfahren, neue Möglichkeiten

Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )

Herzkrank – und jetzt eine Operation? Für viele Patientinnen und Patienten ist dieser Gedanke zunächst beunruhigend. Doch die moderne Herzmedizin – und insbesondere Herzchirurgie – bietet heute zunehmend schonende Behandlungsverfahren. Welche Möglichkeiten es gibt und was sich dadurch für Betroffene verändert, erklärt Prof. Dr. med. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH, im Rahmen eines Vortrags beim nächsten Forum Gesundheit am Mittwoch, 21. Oktober, um 18 Uhr in der Klinik Hohe Warte.

Herr Prof. Heim, was hat sich bei der Behandlung von Herzklappenerkrankungen in den vergangenen Jahren verändert?
Prof. Dr. Heim: Nicht jede erkrankte Herzklappe muss heute noch durch eine komplette Eröffnung des Brustkorbes am offenen Herzen behandelt werden. Bei den meisten Patientinnen und Patienten können wir heutzutage minimalinvasive Verfahren über Zwischenrippenräume von der Seite oder Teileröffnungen des Brustbeines anbieten. Außerdem können wir bei geeigneten Patientinnen und Patienten, gemeinsam mit den Kollegen der Kardiologie, beispielsweise eine neue Aortenklappe über einen Katheter einsetzen – die sogenannte TAVI. Auch für den Ersatz oder die Reparatur einer Mitralklappe gibt es katheter-gestützte Verfahren. Inzwischen erreichen diese Entwicklungen auch die Trikuspidalklappe: Am Klinikum Bayreuth wurde kürzlich erstmals in eine solche erkrankte rechte Herzklappe per Katheter eine biologische Klappe eingesetzt – ohne großen Schnitt.

Bedeutet das, dass die klassische Herzoperation am offenen Herzen in der Zukunft unnötig wird?
Nein. Meinen Job darf ich behalten. Moderne Herzmedizin bedeutet nicht „Katheter statt Operation“. Aber unsere Möglichkeiten werden immer größer, sodass wir die Behandlung immer besser auf den einzelnen Menschen abstimmen können. Entscheidend ist dabei immer die individuelle Situation: Anatomie, Erkrankung, Alter und Begleiterkrankungen spielen eine wichtige Rolle. All das beziehen wir im interdisziplinären Heart-Team bei der Wahl der Behandlungsalternative in unsere Überlegungen ein, um das Risiko möglichst gering und den Erfolg möglichst vielversprechend zu gestalten.

Was geschieht, wenn nicht die Herzklappe, sondern der Herzmuskel selbst zu schwach ist?
Bei einer sehr schweren Herzschwäche (Herzinsuffizienz) können Herzunterstützungssysteme helfen. Umgangssprachlich sprechen wir häufig vom „Kunstherzen“. Eine Pumpe unterstützt dabei das geschwächte Herz und übernimmt einen Teil seiner Pumparbeit. Die Betroffenen können mit so einer Pumpe nicht nur länger leben, sondern erreichen auch wieder eine Lebensqualität, die sie oft über mehrere Monate oder Jahre verloren haben. Für manche Patientinnen und Patienten kann dies eine Überbrückung bis zu einer Herztransplantation sein. Für andere kann ein solches System aber auch eine längerfristige Dauertherapie darstellen, wenn eine Transplantation beispielsweise nicht möglich oder nicht gewünscht ist.

Wie verändern diese Entwicklungen Ihre Arbeit als Herzchirurg?
Die Herzchirurgie ist heute stärker denn je Teil eines interdisziplinären Teams. Wir behandeln nicht mehr ausschließlich mit dem Skalpell, sondern arbeiten auch eng mit den interventionellen Kardiologen zusammen. Am Klinikum Bayreuth sind beide Abteilungen enge Partner in einem interdisziplinären Herzzentrum. Das erweitert unser therapeutisches Spektrum und ermöglicht es uns, gemeinsam die jeweils sinnvollste und möglichst schonende Behandlung zu finden.

Wie profitieren Patientinnen und Patienten konkret von dieser Zusammenarbeit?
Im Herzzentrum beraten Kardiologen und Herzchirurgen komplexe Fälle gemeinsam. Dabei betrachten wir alle Möglichkeiten – von konservativer Therapie, über Kathetereingriffe bis zur klassischen Operation – und wägen Nutzen und Risiken ab. Für die Patienten bedeutet das: Nicht eine bestimmte Methode steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Behandlung für sie persönlich die beste ist. Und in Bayreuth können wir das gesamte Spektrum der modernen Herzmedizin im Erwachsenenalter anbieten. Patientinnen und Patienten finden in unserem Herzzentrum auf jeden Fall die richtigen Ansprechpartner – sie müssen nicht vorab zwischen Kardiologie und Herzchirurgie wählen.

Was möchten Sie Menschen mit einer Herzerkrankung – oder angehenden Herzerkrankung mitgeben?
Moderne Herzmedizin bietet heute viele Möglichkeiten. Auch wenn die Erkrankung ernst ist – eine Herzklappenerkrankung oder Herzschwäche bedeutet nicht automatisch eine große Operation und wochenlangen Krankenhausaufenthalt. Wichtig ist, sich frühzeitig beraten zu lassen. Je genauer wir die Erkrankung kennen, desto individueller können wir behandeln. Und je eher wir behandeln, desto länger lassen sich unter Umständen Lebensqualität erhalten und schwere Eingriffe in die Zukunft verschieben.

Sie wollen mehr über moderne Behandlungsverfahren der Herz-chirurgie erfahren?

Forum Gesundheit
Neues aus der Herzchirurgie
Mittwoch, 21. Oktober, 18 Uhr
Speisesaal, Therapiegebäude der Klinik Hohe Warte
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich


Von red
north