Die extracorporale Stoßwellentherapie (ESWT) wurde vor über 30 Jahren entwickelt, um Nierensteine zu zertrümmern. Damals stand der mechanische Ansatz der Stoßwellentherapie im Vordergrund. Bei weiteren Versuchen fand man heraus, dass sich mit der ESWT auch die Kalkschulter erfolgreich behandeln ließ. Der nächste Gedanke war dann auch den Fersensporn mittels Stoßwellentherapie „zu zertrümmern“. Zum damaligen Zeitpunkt war man noch der Meinung, durch Stoßwellentherapie verkalktes Gewebe zerstören zu müssen, um eine Heilung zu erzielen. Dieser mechanische Gedanke war völlig falsch!
Im GWZ Gelenk und Wirbelsäulentherapiezentrum. Bayreuth wird die hoch energetische fokussierte Stoßwellentherapie mit dem modernsten Gerät der Firma Storz durchgeführt. Professor Stefan Gycha erklärt Forschungsergebnisse und Wirkprinzip.
Heute erklärt man die Wirkungsweise der Stoßwellen-therapie mit dem Begriff der Mechanotransduktion. Dies bedeutet, dass ein mechanischer Impuls bzw. tausende von mechanischen Impulsen (Stoßwellen) zu einer biologischen Antwort auf Zell-ebene führen. Der mechanische Reiz wird in biochemische Signale übersetzt und befähigt so die Zellen, respektive das Gewebe, zu regenerieren:
- der Stoffwechsel der einzelnen Zelle erhöht sich
- die Mitochondrien (die Kraftwerke der einzelnen Zelle) werden aktiviert
- die Interaktion der Zellen untereinander steigert sich
- viele verschiedene Wachstumshormone werden frei-gesetzt
- Heilsubstanzen reichern sich an
- von entscheidender Bedeutung ist auch, dass Stammzellen mobilisiert werden und durch Migration in das behandelnde Gewebe kommen und sich dort differenzieren
- neue Gefäße entstehen am Ort der ESWT-Behandlung und führen zu einer besseren Durchblutung
- neue Lymphgefäße entstehen.
Zusammenfassend bedeutet dies, dass das degenerativ veränderte, geschädigte Gewebe wieder die Fähigkeit bekommt, sich zu regenerieren, zu heilen. Auch wenn die Stoßwellentherapie öfters in dem behandelten Gewebe akut schmerzstillend ist, ist dies nicht die eigentliche Wirkungsweise. Der biologische Prozess dauert mindestens sechs, eher sogar zwölf Wochen, manchmal sogar noch etwas länger.
Am Beispiel der Kalkschulter bedeutet dies zum Beispiel, dass man nicht den Kalk zertrümmert, sondern man behandelt das kranke Gewebe direkt um den Kalk herum. Dieses kranke Gewebe war der Grund, dass sich im Laufe der chronischen Entzündung der Kalk gebildet hat. Heilt dieses Gewebe, wird es mit seinen Fresszellen den Kalk abbauen. So sieht man den Erfolg der ESWT-Therapie bei der Kalkschulter am Röntgenbild auch nicht sofort nach Beendigung der Stoßwellenbehandlung, sondern es dauert mehrere Monate, bis der Kalk dann endgültig verschwunden ist.
Während Muskeln und vor allem Dingen Muskelfaszien sehr gut auf die radiale Stoßwellentherapie ansprechen, soll hier vor allem Wert auf die fokussierte hochenergetische ESWT gelegt werden. So gehören heute zu den anerkannten Standardindikationen der Stoßwellentherapie:
1. die chronischen Tendopathien (Sehnenerkrankungen)
- die Kalkschulter
- der Fersensporn mit oder ohne Entzündung der Plantarfaszie
- Achillessehnenentzündung/-schädigung
- Tennis- und Golfer-Ellbogen
Entzündungen der Patellarsehne
Trochanterschmerz-Syndrom (Außenseite Hüfte)
2. Ungenügende Knochenheilung
- Pseudarthrose, nicht verheilter Knochenbruch
- Verzögerte Knochenbruchheilung
- Streßfrakturen des Knochens
- das frühe Stadium der Knochennekrose (z.B. Hüftkopfnekrose).
Die Forschungen gehen intensiv weiter! Insbesondere das Zusammenwirken von fokussierter, hochenergetischer ESWT in Verbindung mit autologem conditioniertem Plasma (ACP bzw. PRP), verspricht noch eine deutliche Verbesserung der Therapie. So findet man zum Beispiel bei Fersensporn fast immer eine Schädigung der ansetzenden Sehne, der Plantarfaszie oder bei der Kalkschulter eine Schädigung der Rotatorenmanschette. Hier hat sich die gemeinsame Behandlung mit fokussierter Stoßwellentherapie und ACP bestens bewährt, um das geschädigte Gewebe langfristig zum Ausheilen zu bringen und so Operationen vermeiden zu können.