Veröffentlicht am 22.10.2026 11:41

Sportverletzung der Schulter: Warum der Gang zum Orthopäden nicht warten sollte

Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. (Foto: red)
Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. (Foto: red)
Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. (Foto: red)
Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. (Foto: red)
Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. (Foto: red)

Verletzungen der Schulterkapsel, der Bänder und der Sehnen zählen zu den klinisch relevanten sportorthopädischen Erkrankungen. Die hohe Beweglichkeit der Schulter beruht auf einer vergleichsweise kleinen knöchernen Gelenkfläche und einer komplexen dynamischen sowie statischen Stabilisierung. Die Gelenkkapsel, die Gelenklippe, die Bänder und die Rotatorenmanschette als besondere Muskel-Sehnen-Struktur der Schulter gewährleisten gemeinsam die Zentrierung des Oberarmkopfes. Besonders treten Verletzungen bei Sportarten mit Körperkontakt, Stürzen, und Wurfbewegungen, wie beispielsweise Handball, Volleyball, Schwimmen und Kontaktsportarten auf, aber auch beim Kraftsport im Fitnessstudio.

Auch wiederholte Überkopfbelastungen können Strukturen der Schulter akut schädigen oder chronisch überbeanspruchen. Bei älteren Menschen sind Schulterverletzungen häufig mit degenerativen Veränderungen verbunden. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Erkrankungshäufigkeit entsprechend nach Verletzungstyp, Alter, Sportart und beruflicher Belastung.

Zu den häufigsten Verletzungen gehören u.a. die traumatische Schulterluxation (Ausrenkung) mit Schädigung des weichteiligen Halte-Komplexes, Verletzungen am Schultereckgelenk (ACG; Acromioklavikular-Gelenk) und Sehnenverletzungen der Rotatorenmanschette. Darüber hinaus sind die lange Bizepssehne sowie bei Überkopfsportlern belastungsbedingte Tendinopathien (nicht strukturelle Sehnenerkrankungen) klinisch bedeutsam. Die Beschwerden reichen von belastungsabhängigen Schmerzen und Kraftverlust bis zu Instabilitätsgefühl, Bewegungseinschränkungen und wiederkehrenden Luxationen.

Bei der Diagnostik ist grundsätzlich eine genaue Erhebung des Verletzungsgeschehens, die klinische Untersuchung und ein ergänzendes bildgebendes Verfahren erforderlich. Röntgenaufnahmen dienen v.a. dem Nachweis knöcherner Begleitverletzungen, während die Sonographie beim Orthopäden und die Magnetresonanztomographie (MRT) insbesondere bei Sehnen- und Weichteilläsionen eingesetzt werden. Nach Kenntnis des Verletzungsmusters und des Ausmaßes der strukturellen Schädigung, kann unter Abwägung des individuellen sportlichen Leistungsanspruchs und möglicher Risikofaktoren die angezeigte Therapie eingeleitet werden.

Eine konservative Behandlung verfolgt das Ziel, Schmerzen zu reduzieren, die Beweglichkeit wiederherzustellen und die dynamische Schulterstabilität zu verbessern. Bei unkomplizierten Kapselzerrungen, niedriggradigen Bandverletzungen und ausgewählten partiellen Sehnenläsionen stehen eine vorübergehende Belastungsreduktion, bedarfsgerechte Kühlung und eine zeitlich begrenzte medikamentöse Schmerztherapie im Vordergrund. Eine längere Immobilisation sollte vermieden werden, da sie das Risiko einer Schultersteife erhöht.

Eine wesentliche Rolle spielt die Bewegungstherapie. Mit ihrer Hilfe sollen die aktive Beweglichkeit, die neuromuskuläre Kontrolle und ein stufenweiser Kraftaufbau erreicht werden. Sportorthopädisch kann eine Infiltration mit bioregenerativem Potential wie z.B. PRP (plättchenreiches Plasma) oder die extrakorporale fokussierte Stoßwellentherapie eingesetzt werden. Zunächst sollte stets ein ausreichender konservativer Therapieversuch unternommen werden.

Erst bei ausbleibendem Therapieerfolg oder bei ausgeprägten strukturellen, funktionseinschränkenden Schädigungen sind operative Therapien zu prüfen.

Hier haben v.a. arthroskopische - sog. Schlüsselloch-Operationen - einen hohen Stellenwert.

Die Schulterarthroskopie ermöglicht einerseits als „Goldstandard der Diagnostik“ die exakte Beurteilung von Verletzungen, andererseits können während des Eingriffs sofort rekonstruierende Maßnahmen ergriffen werden. Hier können z.B. mithilfe von Fadenankern Sehnen und Bänder refixiert werden oder knöcherne Defekte unterstützend rekonstruiert werden.

Arthroskopisch können v.a. die häufigen Verletzungen der Gelenklippe, der Rotatorenmanschette, als auch der Bizepssehne therapiert werden. Hier reichen die Möglichkeiten von einer einfachen Dekompression (Platzerweiterung), Entfernung chronisch entzündeter Schleimbeutel und der Wiederherstellung der Sehnen bis hin zur Therapie von knöchernen Verletzungen am Oberarmkopf. Im Rahmen der arthroskopischen Operation können Schädigungen im eigentlichen Schultergelenk, genauso wie in Bereichen außerhalb des Gelenkes als auch Erkrankungen an knöchernen Strukturen wie dem Schultereckgelenk behandelt werden. Schulterarthroskopien sind vorwiegend ambulante Eingriffe, werden in Allgemeinnarkose durchgeführt und zeigen gute Ergebnisse. Eine Analyse junger Sportler ergab eine Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten bei rund 88 % der untersuchten Patienten nach arthroskopischer Rotatorenmanschettenrekonstruktion. 63 % erreichten das vollständige vorherige Leistungsniveau.

Von großer Bedeutung ist allerdings eine geschützte Heilungsphase nach dem Eingriff, bevor die aktive Kräftigung stufenweise gesteigert wird. Die mittlere Zeit bis zur Rückkehr zu vollständigen sportlichen Aktivitäten betrug etwa 6,6 Monate. Diese Ergebnisse beziehen sich auf alle Patientinnen und Patienten, nicht ausschließlich auf Leistungssportler.

Zusammenfassend hängt die Prognose von der Art und Schwere der Verletzung, dem Zeitpunkt der Behandlung und der konsequenten Rehabilitation ab. Leichte Kapsel- und Bandverletzungen können innerhalb weniger Wochen abheilen; nach operativen Sehnenrekonstruktionen oder Schulterstabilisierungen ist dagegen häufig mit mehreren Monaten bis zur uneingeschränkten sportlichen Belastbarkeit zu rechnen. Die Rückkehr zum Sport sollte nicht ausschließlich anhand der verstrichenen Zeit erfolgen, sondern eine schmerzfreie Beweglichkeit, ausreichende Kraft, stabile Gelenkführung und die erfolgreiche Durchführung sportartspezifischer Belastungstests voraussetzen.

Ihr Ansprechpartner für orthopädische Erkrankungen

Dr. med. Ingo Schilasky, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, zertifizierter Fußchirurg nach D.A.F., Endoprothetik Hüfte und Knie


Von red
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