Veröffentlicht am 01.10.2026 14:23

Hüftgelenkersatz – was erwartet mich?

Foto: red
Foto: red
Foto: red
Foto: red
Foto: red

Ein künstliches Hüftgelenk kann Menschen mit starken Hüftbeschwerden wieder mehr Beweglichkeit und Lebensqualität ermöglichen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation? Welche modernen Verfahren gibt es? Und wie sieht das Leben mit einer Hüftprothese anschließend aus? Antworten auf diese und weitere Fragen geben Prof. Dr. med. Michael Müller und PD Dr. med. Rupert Schupfner, beide Hauptoperateure im Endoprothetikzentrum am Klinikum Bayreuth, beim nächsten „Forum Gesundheit“ der Klinikum Bayreuth GmbH am Mittwoch, 07. Oktober, ab 18 Uhr im Speisesaal der Klinik Hohe Warte. Wir haben vorab mit den beiden Referenten gesprochen:

Woran merke ich, dass meine Hüfte ernsthaft erkrankt ist?
Prof. Dr. Müller: Typisch sind Schmerzen und zunehmende Einschränkungen im Alltag. Wenn Beschwerden das Gehen, Treppensteigen oder andere alltägliche Aktivitäten zunehmend erschweren, sollten sie ärztlich abgeklärt werden. Nicht jeder Hüftschmerz bedeutet allerdings, dass sofort ein künstliches Gelenk notwendig ist.

Welche Alternativen zum Gelenkersatz gibt es?
PD Dr. Schupfner: Es geht weniger darum, eine Alternative zum Gelenkersatz zu finden, als vielmehr darum, ihn hinauszuzögern. Je nachdem, wie stark die Schmerzen und Beschwerden sind, kommen zunächst nichtoperative Behandlungsmöglichkeiten wie Krankengymnastik, Medikamente, Einlagen, die Unterstützung durch einen Gehstock, Elektrotherapie oder Spritzenbehandlungen infrage.

Wann ist es Zeit für ein künstliches Hüftgelenk?
Prof. Dr. Müller: Entscheidend ist nicht allein das Röntgenbild, sondern vor allem, wie stark die individuellen Beschwerden sind. Wenn konservative Behandlungsmöglichkeiten keine zufriedenstellende Linderung mehr bringen, sollte über einen Gelenkersatz gesprochen werden. Ein Gelenkersatz kann Schmerzen deutlich reduzieren und den Patientinnen und Patienten Lebensqualität und Beweglichkeit zurückgeben.

Ist Prothese gleich Prothese?
PD Dr. Schupfner: Nein, nicht jedes Implantat passt zu jedem Menschen. Die Klinikum Bayreuth GmbH ist als Endoprothetikzentrum zertifiziert. Wir führen pro Jahr rund 400 dieser Operationen durch. Die Auswahl erfolgt immer individuell. Dabei berücksichtigen wir unter anderem Alter, Geschlecht, Knochenqualität, Anatomie, Diagnose, Alltagsbelastung und persönliche Anforderungen. Dank moderner Operationstechniken sowie einer Vielzahl an Materialien und Prothesenvarianten können wir die Behandlung heute sehr individuell gestalten. Je nach Situation kommen unterschiedliche Prothesenformen und -größen sowie zementierte oder zementfreie Systeme infrage. Das Klinikum bietet außerdem Teil- und Individualprothesen an. Über die jeweiligen Möglichkeiten beraten wir ausführlich und wägen gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten die Vor- und Nachteile ab.

Wie läuft die Behandlung im zertifizierten Endoprothetikzentrum ab?
Prof. Dr. Müller: Nach einer ausführlichen Untersuchung klären wir gemeinsam, ob ein künstliches Gelenk notwendig ist. Entscheidet sich der Patient für die Operation, werden Prothesenmodell und Größe anhand von Röntgenbildern bereits vor dem Eingriff geplant. Dabei lassen sich auch mögliche Beinlängendifferenzen berücksichtigen, die während der Operation ausgeglichen werden können. Mithilfe moderner Verfahren können wir heute überwiegend minimalinvasiv operieren. Der Vorteil: Muskeln und Bänder werden weitestgehend geschont und bleiben intakt. Dadurch können wir bereits kurz nach der Operation mit der Mobilisation beginnen – im Klinikum Bayreuth nach einer Röntgenkontrolle und unter krankengymnastischer Anleitung sogar schon am Operationstag. Dank der engen Anbindung an das MVZ MedCenter, begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten durch die gesamte Behandlung – ambulant und stationär. Vom ersten Gespräch, über konservative Therapieansätze und die Prothesenberatung, bis hin zu Operation und Nachsorge bleibt alles in einer Hand.

Wie geht es nach dem Krankenhaus weiter?
PD Dr. Schupfner: Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel sieben bis zehn Tage. Anschließend folgt meist eine zwei- bis dreiwöchige stationäre Rehabilitation in einer spezialisierten orthopädischen Rehaklinik. Für besonders junge und aktive Patientinnen und Patienten kann auch eine ambulante Rehabilitation infrage kommen.

Kann ich mit einer Hüftprothese wieder ein beschwerdefreies Leben führen?
Prof. Dr. Müller: Eine moderne Hüftprothese kann zu einer deutlichen Schmerzminderung und damit zu mehr Lebensqualität führen. Wie lange sie hält, hängt unter anderem vom Körpergewicht und der sportlichen Aktivität ab. Nach 15 Jahren sind nach den vorliegenden Angaben noch rund 93 Prozent der Prothesen fest verankert. Dank moderner Operationsverfahren und Materialien gehen wir heute überwiegend von einer Haltbarkeit von mehr als 25 Jahren aus. Sollte später dennoch einmal ein Prothesenwechsel erforderlich werden, bestehen dafür heute gute Möglichkeiten.


Von red
north