Peter Engelbrecht Buchvorstellung Agentenkrieg im Grenzland Foto Roland Schmidt

Agentenkrieg im Grenzland

Buch: Peter Engelbrecht thematisiert Kalten Krieg und Mauerfall

BAYREUTH. Bücher mit spannenden regionalen Themen aus der Zeitgeschichte, an die sich kaum jemand wirklich heran wagt – dies ist das Spezialgebiet des Bayreuther Journalisten und Hobbyhistorikers Peter Engelbrecht. Sein neuestes Werk befasst sich mit dem „Agentenkrieg im Grenzland“ und bietet „Enthüllungen zum Mauerfall“.

Auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer gibt es noch zahlreiche unbekannte Geschehnisse dies- und jenseits der früheren innerdeutschen Grenze. Peter Engelbrecht deckt auf, dass das Ministerium für Staatssicherheit der DDR den Funk von Polizei, Bundeswehr und US-Streitkräften in der Grenzregion und darüber hinaus abgehört hat.

Vom 790 Meter hohen Wetzstein bei Lehesten im Thüringer Wald aus hörte die Staatssicherheit Autotelefone, Telefongespräche von Bundes- und Länderpolizei sowie der US-Armee ab. Der Radius reichte bis München, Stuttgart, Karlsruhe und Koblenz. So wurden auch Telefongespräche der Bundeswehr in Bayreuth, des Verteidigungsbezirkskommandos, der Standortverwaltung und des Kreiswehrersatzamtes belauscht.

 

Auch Bundeswehreinheiten in Naila, Hof und Wunsiedel sowie auf den Großen Kornberg standen auf der Zielliste. Die Stasi hatte auch Zugriff auf das Fahndungssystem der westdeutschen Sicherheitsbehörden und belauschte entsprechende Abfragen im Interzonenzug in Ludwigsstadt.
Für seine Forschungen war Peter Engelbrecht einige Male in der Stasiunterlagen-Behörde in Gera sowie wegen der Akten des Bundesgrenzschutz im Staatsarchiv in Coburg.
Interne Ermittlungsakten bundesdeutscher Strafverfolgungsbehörden aus dem Jahr 1991 zeigen, dass das frühere Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in allen Grenzübergängen innerhalb Berlins sowie zwischen der Bundesrepublik und der DDR die Fahrzeuge der Ausreisenden mit radioaktiven Strahlen durchleuchtet hatte – auch Schwangere und Kinder. Auf diese Weise sollten Flüchtlinge in den Fahrzeugen ausfindig gemacht werden. Seit 1988 war dies auch im Grenzübergang Hirschberg bei Hof der Fall.

 

Zudem erforschte der Autor, wie das MfS regelmäßig Agenten in die Bundesrepublik schickte, um dort sicherheitsrelevante Einrichtungen auszukundschaften. Zielorte waren zum Beispiel Nürnberg, München, Würzburg, Bamberg und Erlangen. Die Agenten trugen Tarnnamen und wurden in den Westen geschickt, um dort Geld zu übergeben oder operatives Material zu übernehmen. Auch „tote Briefkästen“ sollten mit Beträgen von 500 D-Mark bestückt werden – ein Lohn für Spione, die im Westen lebten.
Schließlich beleuchtet das Buch auch die guten Kontakte zwischen DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski und dem früheren Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Dabei legt Peter Engelbrecht auch dar, dass die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze nicht in Folge des von Strauß ausgehandelten Milliardenkredits an die DDR im Jahr 1983 abgebaut wurden, sondern wegen Abmachungen, die 1982 in Folge von Gesprächen zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und DDR-Staatschef Erich Honnecker getroffen wurden. rs

Peter Engelbrecht: „Agentenkrieg im Grenzland“ ,ISBN 978-3-942668-53-8, Verlag Späthling, Weißenstadt, 14,95 Euro.

rs.