Anneliese Fischer im Alter von 94 Jahren verstorben

BAYREUTH. Im Alter von 94 Jahren ist am vergangenen Sonntag Anneliese Fischer, die „Grande Dame“ der Bayreuther Politik, verstorben.

Von 1984 bis 1998 gehörte die Bayreuther Ehrenbürgerin Anneliese Fischer für die CSU dem Bayerischen Landtag an und war von 1994 bis 1998 Landtagsvizepräsidentin. 1998 legte sie ihre politischen Ämter nieder.
Anneliese Fischer ging es in ihrem Wirken stets vor allem um gesellschaftlichen Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit. Den Grundstein für die spätere politische Laufbahn legte die vierfache Mutter bereits 1968 mit der Wahl zum Elternbeiratsmitglied im Graf-Münster-Gymnasium. Damals war die frühere Lehrerin, wie so oft in ihrer späteren Karriere, die einzige Frau in diesem Gremium. Gegen sämtliche Widerstände arbeitete sie sich mit viel Hartnäckigkeit an die Spitze des Bundeselternrates.

„Ich habe für die Rechte der Frauen gekämpft, in einer Zeit, als den Frauen kaum Rechte zugestanden wurden. Irgendwann habe ich jedoch festgestellt, dass es ohne Politik im Rücken wenig Gestaltungsmöglichkeiten gibt“, erklärte Anneliese Fischer vor gut einem Jahr im Vorfeld ihrer Ernennung zur Bayreuther Ehrenbürgerin im Gespräch mit der Sonntagszeitung.
Mit 52 Jahren trat sie in die CSU ein und rückte 1980 für den in den Bundestag gewählten Ortwin Lowack in den Bayreuther Stadtrat nach. Nur vier Jahre später zog sie als Abgeordnete in den Bayerischen Landtag ein. „Unter uns neun Frauen in der CSU-Fraktion bestand ein wundervoller Zusammenhalt. Wir wussten, nur gemeinsam konnten wir uns behaupten“, erinnerte sich Anneliese Fischer.

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Doch Zähigkeit war eine ihrer herausragenden Eigenschaften. 1987 wurde Anneliese Fischer Frauenpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion. Drei Jahre später setzt sie sich gegen zehn männliche Mitbewerber durch und wurde stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtags-CSU. Ihren politischen Höhepunkt hatte die Politikerin 1994 mit der Wahl zur Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags. „Mir wurde dieses Amt zunächst nicht zugetraut und ich habe es auch nie angestrebt“, so Anneliese Fischer, „schließlich habe ich es stellvertretend für all die engagierten Frauen angenommen“.
„Durch die strenge Erziehung meiner Mutter, die liebevolle und sehr fortschrittliche Art meines Vaters mir und meinen beiden Schwestern gegenüber und dem kriegsbedingten abrupten Ende meiner Kindheit, bin ich das geworden, was ich heute bin“, sagte sie.

Für ihre Leistungen in der Politik und in vielen Ehrenämtern, darunter auch besonders beim VdK, bei dem sie Ehren-Kreisvorsitzende ist, wurde Anneliese Fischer unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, dem Bayerischen Verdienstorden und dem Goldenen Ehrenring der Stadt ausgezeichnet. Als eine besondere Ehre bezeichnet sie die Ernennung zur Ehrensenatorin der Universität – als bisher einzige Frau.
„Frauen sind die Hälfte der Zukunft“, war ihr Motto. Von Querschlägen oder schlechten Startpositionen hat sich Anneliese Fischer nie beeindrucken lassen. Nach der Verleihung der Ehrenbürgerinnenwürde und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt bezeichnete Anneliese Fischer vor gut einem Jahr die erhaltene höchstmögliche kommunale Ehrung als „Riesengeschenk“, auf das sie „sogar ein bisschen stolz“ sei.
rs