BAYREUTH.Autofahrer in Deutschland müssen derzeit wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Preise für Benzin und Diesel sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Teilweise kostet ein Liter Super E10 wieder über zwei Euro. Vor allem Pendler und Familien spüren die Entwicklung sofort im Alltag.
Der wichtigste Grund liegt auf dem Weltmarkt. Der Krieg im Iran sorgt für große Unsicherheit beim Ölhandel. Ein Teil des weltweiten Öltransports läuft durch die Straße von Hormus. Wenn dort Spannungen entstehen, reagieren die Märkte sofort. Der Ölpreis steigt – und kurze Zeit später auch die Preise an den Tankstellen.
Seit Beginn der Eskalation sind die Kraftstoffpreise spürbar gestiegen. Benzin ist im Durchschnitt mehr als 20 Cent pro Liter teurer als zuvor, Diesel sogar deutlich stärker.
Viele Faktoren bestimmen den Preis
Der Preis an der Zapfsäule setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Ein großer Teil sind Steuern. In Deutschland machen Energiesteuer, Mehrwertsteuer und weitere Abgaben einen erheblichen Anteil aus. Bei Benzin sind es rund zwei Drittel des Endpreises.
Daneben spielen der Rohölpreis, Transportkosten, Raffineriepreise und der Wechselkurs des Dollars eine Rolle. Steigt der Ölpreis, reagieren die Tankstellenpreise meist schnell. Sinkt er wieder, dauert es oft länger, bis Autofahrer etwas davon merken – ein Umstand, der seit Jahren kritisiert wird.
Auch politisch wird inzwischen diskutiert, wie man die Preisschwankungen begrenzen kann. Die Bundesregierung prüft unter anderem strengere Regeln für Preisänderungen und eine stärkere Kontrolle der Mineralölkonzerne.
Tankstellenpächter: „Wir machen die Preise nicht“
Vor Ort trifft der Ärger der Autofahrer häufig zuerst die Tankstellen. Doch die Betreiber selbst haben kaum Einfluss auf die Preise. Ein Tankstellenpächter aus Bayreuth, der anonym bleiben möchte, schildert die Situation deutlich : „Wir sind nur diejenigen, die das Benzin an die Kunden ausgeben. Die Preise werden von den Mineralölgesellschaften gemacht.“
Die Versorgung der Tankstelle, der Einkauf des Benzins und auch der Verkaufspreis seien automatisch gesteuert. Die Kunden wüssten das meistens auch. „Sie schimpfen zwar, aber nicht über uns. Da zeigen viele Verständnis.“
Der Pächter beschäftigt rund 40 Mitarbeiter. Viele von ihnen fahren täglich etwa 20 Kilometer zur Arbeit. „Wir haben gerade erst eine Gehaltserhöhung weitergegeben. Aber durch die höheren Spritpreise wird ein Teil davon gleich wieder aufgefressen. Besonders ärgert ihn, dass die Preise in Deutschland oft schneller steigen als im benachbarten Ausland. „Von den Preissteigerungen profitieren am Ende vor allem die Mineralölgesellschaften und der Staat über die Steuern.“ Für Tankstellenbetreiber selbst ändere sich wenig. „Wir bekommen pro verkauftem Liter eine feste Vergütung. Die bleibt gleich, egal ob der Liter 1,80 Euro oder über zwei Euro kostet.“
Folgen für Verbraucher und Wirtschaft
Noch ist nicht zu beobachten, dass deutlich weniger getankt wird. Viele Menschen seien auf ihr Auto angewiesen, sagt der Bayreuther Pächter. Gerade auf dem Land gebe es oft keine Alternative zum Auto. Langfristig könnten die hohen Preise jedoch weitere Auswirkungen haben. Höhere Spritkosten verteuern auch den Transport von Waren. Viele Lebensmittel und Alltagsprodukte werden per Lkw geliefert – und die fahren ebenfalls mit Diesel.
„Am Ende zahlt immer der kleine Konsument“, sagt der Tankstellenpächter.
Solange der Konflikt im Iran anhält, rechnen Experten nicht mit dauerhaft sinkenden Preisen. Im Gegenteil: Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnte das Tanken in Deutschland noch teurer werden.