BAYREUTH.Vor der Stichwahl um das Bayreuther Rathaus richtet sich der Blick nicht nur auf die beiden Kandidaten Thomas Ebersberger (CSU) und Dr. Andreas Zippel (SPD). Eiiner von ihnen wird am Sonntag, 22. März, Oberbürgermeister. Ein Nachrücker übernimmt dann das Stadtratsmandat: Bei der CSU wäre das Manuel Brinkmann, bei der SPD Susan Gilster. Deshalb wird für sie der Wahlabend spannend. Wir haben mit beiden gesprochen:
Der Wahlabend am 08. März war für Manuel Brinkmann vor allem eines: spannend. Lange habe er die Auszählung verfolgt, in vielen Stimmbezirken sei das Ergebnis knapp gewesen. Persönlich zeigt sich Manuel Brinkmann zufrieden. Sein Ergebnis sei auch deshalb bemerkenswert, weil er in Bayreuth im Vergleich zu anderen Kandidaten noch weniger bekannt gewesen sei. Entsprechend groß sei die Freude am Tag danach. Sollte er in den Stadtrat nachrücken, reizt ihn vor allem die Möglichkeit, kommunalpolitische Arbeit unmittelbar mitzugestalten. Als Ortsvorsitzender der CSU Bayreuth-Mitte sei er es gewohnt, Themen zu organisieren und politische Initiativen anzustoßen.
Im Stadtrat könne er diese Arbeit noch direkter einbringen. Ein zentrales Anliegen ist für ihn die Weiterentwicklung der Innenstadt. Bayreuth solle ein Ort bleiben, an dem Menschen gerne wohnen – mit hoher Aufenthaltsqualität, lebendigen Plätzen und Veranstaltungen wie dem Bürgerfest. Auch beim Thema Mobilität sieht er Handlungsbedarf. Brinkmann spricht sich für eine bessere Radinfrastruktur aus, etwa durch einen Fahrradring über Nebenstraßen rund um die Innenstadt. Gleichzeitig müsse auch der Autoverkehr sinnvoll eingebunden bleiben. Ein weiteres Anliegen ist für ihn die Barrierefreiheit. Bei den Wahllokalen habe er erneut festgestellt, dass noch längst nicht alle Einrichtungen barrierefrei erreichbar sind. Darüber hinaus möchte Brinkmann die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Universität stärken. Als Mitarbeiter der Universität Bayreuth bringe er dafür eigene Erfahrungen mit. Wichtig sei zudem, bei kommunalen Projekten stärker Fördermittel zu nutzen, um den städtischen Haushalt zu entlasten. Den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern möchte Brinkmann aktiv pflegen – über soziale Medien, Veranstaltungen der CSU und Gespräche vor Ort.
Auch für Susann Gilster war der Wahlabend emotional. Enttäuschung habe sie kaum empfunden, sagt die SPD-Kandidatin. Vielmehr habe der Stolz überwogen – vor allem über das Abschneiden ihrer Partei. Besonders gefreut habe sie sich darüber, dass mehrere neue SPD-Mitglieder in den Stadtrat eingezogen sind. An sich selbst habe sie an diesem Abend zunächst kaum gedacht. Dass sie nun möglicherweise nachrücken könnte, erfülle sie jedoch mit großer Freude. Die Chance, kommunalpolitisch mitzuarbeiten, habe sie bereits zur Kandidatur motiviert.
Als Hebamme sieht Gilster ihre Stärke im direkten Kontakt mit Familien. Durch ihre Arbeit kenne sie die Lebenssituationen vieler junger Eltern – oft über mehrere Jahre hinweg. Dadurch bekomme sie Einblick in die Bedürfnisse unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, auch von Familien mit Migrationshintergrund.
Zu ihren wichtigsten Themen zählt der Ausbau von Kita-Plätzen. Viele Familien seien darauf angewiesen, das Elternteile bald wieder in den Beruf zurück-kehren. Dafür brauche es ausreichend Betreuungsangebote.
Susan Gilster kann sich auch neue Modelle vorstellen. So könnten größere Arbeitgeber stärker eingebunden werden, etwa durch eine Beteiligung an Betreuungsangeboten. In anderen Städten gebe es solche Kooperationen bereits. Ein weiteres Thema ist für sie die medizinische Versorgung, besonders bei Facharztterminen. Gerade Frauen müssten teilweise weite Wege auf sich nehmen, um einen Termin zu bekommen.
Zudem setzt sie sich für ein „digitales Rathaus“ ein. Verwaltungsprozesse müssten schneller und einfacher werden, damit Familien Anträge unkompliziert erledigen können. Ein besonderes Anliegen ist ihr außerdem das Konzept der „Stillfreundlichen Kommune“. Ziel ist es, öffentliche Räume stärker auf die Bedürfnisse von Familien mit kleinen Kindern auszurichten. Den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern sieht Gilster als zentrale Aufgabe kommunaler Politik. Durch ihre Arbeit sei sie ohnehin oft in der Stadt unterwegs und kommt mit Menschen ins Gespräch. Diese Nähe wolle sie auch politisch beibehalten.
Am Sonntag entscheidet sich damit nicht nur, wer künftig im Chefsessel des Rathauses sitzt. Für Manuel Brinkmann und Susann Gilster könnte der Wahlabend zugleich der Beginn ihrer Arbeit im Bayreuther Stadtrat sein.