BAYREUTH. Bayreuth steht vor einer spannenden Stichwahl. Am Sonntag, 22. März, entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, ob der amtierende Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) weitere sechs Jahre im Rathaus bleibt oder ob Andreas Zippel (SPD) den Wechsel an der Stadtspitze schafft.
Im ersten Wahlgang lag Andreas Zippel mit rund 35 Prozent vorne. Amtsinhaber Ebersberger kam auf gut 28 Prozent. Damit waren die Karten für die Stichwahl gemischt. Ein großer Teil der Stimmen entfiel auf andere Kandidaten – ihre Wähler könnten nun entscheiden, wer künftig die Geschicke der Stadt lenkt.
Thomas Ebersberger setzt im Wahlkampf vor allem auf Erfahrung. Der 68-Jährige ist seit 2020 Oberbürgermeister und kennt die kommunalpolitischen Strukturen seit Jahrzehnten. Er verweist auf laufende Großprojekte und argumentiert, Bayreuth brauche gerade jetzt Kontinuität. Die Stadt investiert stark – etwa in Schulen, Infrastruktur, Wohnungsbau und das Klinikum. In finanziell schwierigen Zeiten sei Verwaltungserfahrung besonders wichtig, so der Amtsinhaber.
Kritiker werfen ihm vor, große Projekte seien zu teuer geworden oder kämen nur langsam voran. Besonders das Friedrichsforum gilt vielen als Symbol für diese Debatten. Auch der politische Stil des Oberbürgermeisters wird immer wieder hinterfragt. Er muss sich an allem messen lassen, was in den vergangenen sechs Jahren schiefgelaufen ist oder zumindest so wahrgenommen wird. Vor allem das Friedrichsforum, dessen Sanierung vor seiner Amtszeit begonnen wurde, steht sinnbildlich für diese Kritik. Das Projekt ist seit Jahren ein Reizthema, die Kosten sind massiv gestiegen. Auch bei anderen Großvorhaben ist in der Stadt oft der Eindruck hängen geblieben, dass vieles zu langsam, zu teuer oder zu schwer durchschaubar läuft. Selbst wenn Ebersberger darauf verweist, dass manche Probleme aus früheren Entscheidungen stammen, bleibt politische Verantwortung am Ende beim Oberbürgermeister hängen.
Andreas Zippel setzt genau dort an. Der 34-jährige Verwaltungsjurist ist seit 2020 Zweiter Bürgermeister, sitzt im Stadtrat und im Bezirkstag und tritt als Kandidat des Wechsels an.
Führung ist für ihn transparenter, moderierender, moderner. Er wirft Ebersberger seit längerem mangelnde Transparenz vor und sagt, die Verwaltung müsse offener arbeiten und die Anliegen aus dem Stadtrat und aus der Bürgerschaft ernster nehmen. Sein Leitmotiv ist: Bayreuth braucht neue Impulse statt eines bloßen „Weiter so“. Seine Unterstützer sehen in ihm einen Kandidaten, der sich mit frischen Ideen einbringt. Kritiker hingegen bezweifeln, ob seine politische Erfahrung ausreicht, um eine Stadt mit großen Investitionen und komplexen Projekten zu führen.
Die Stichwahl wird auch deshalb spannend, weil die politische Landschaft in Bayreuth vielfältiger geworden ist. Neben CSU und SPD haben im Stadtrat auch Grüne, Freie Wähler, Linke, AfD und weitere Wählergemeinschaften Gewicht. Wähler aus dem ersten Wahlgang müssen sich nun neu entscheiden.
Im Wahlkampf wurde der Ton bereits schärfer. Die CSU stellt die Entscheidung als Richtungswahl zwischen Schwarz und Rot dar. Zippel wiederum versucht, den Wunsch nach Veränderung in den Mittelpunkt zu stellen.
Am Sonntag, 22. März, wird sich zeigen, welche Botschaft die Bayreuther überzeugt: Kontinuität und Erfahrung – oder ein neuer Stil im Rathaus.