Veröffentlicht am 03.04.2026 10:26

Hochwertige Kunst, trotz finanzieller Grenzen


OB Thomas Ebersberger und Festspielleiterin Katharina Wagner.  (Foto: gmu)
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OB Thomas Ebersberger und Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: gmu)

Zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele setzen Festspiele und Stadt Bayreuth in diesem Jahr auf ein breit angelegtes Programm. Festspielleiterin Katharina Wagner, Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense und Pressesprecher Hubertus Herrmann stellten die Jubiläumssaison im Festspielhaus gemeinsam mit den Verantwortlichen der einzelnen Bereiche vor – mit Anspruch: hohe künstlerische Qualität, trotz knapper Mittel. Interims-Geschäftsführer für den kaufmännischen Bereich Heinz-Dieter Sense sagte, er habe die Aufgabe im Vorfeld weniger herausfordernd eingeschätzt.

Das städtische Begleitprogramm präsentierten Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, Kulturreferentin Eva Christina Bär und Projektleiter Florian André Unterburger.

Dass „Rienzi“ für Bayreuth grundlegend neu erarbeitet werden musste, machte Dramaturg Markus Kiesel bei der Programmvorstellung deutlich. Über diese Oper werde viel abgeschrieben, sagte er – oft voneinander ab, selten auf Grundlage gesicherter Quellen. „Jeder kennt den Titel, aber fast niemand kennt das zugrunde liegende Werk“, so Markus Kiesel. Es gebe keine final autorisierte Werkgestalt Richard Wagners, kein vollständiges Autograph, kein Uraufführungsmaterial in geschlossener Form. Stattdessen habe man es mit unterschiedlichen Überlieferungsschichten und Bearbeitungen zu tun. Gerade deshalb sei die Arbeit an „Rienzi“ eine musikwissenschaftliche wie praktische Herausforderung gewesen.

Es dauerte zweieinhalb Jahre, um zu forschen und zu entscheiden, was original, was authentisch und was spätere Überarbeitung sei. Die nun entstehende Fassung greife, wo immer möglich, auf authentisches Wagner-Material zurück. Das Ergebnis werde ein ungewöhnlich opulenter „Rienzi“ sein – musikalisch üppig, groß besetzt und in einer Ausführlichkeit, wie man sie auf der Bühne bislang kaum erlebt habe. Auch bei notwendigen Kürzungen habe man sich nicht willkürlich verhalten, sondern an historisch Überliefertem orientiert, unter anderem an einer von Cosima Wagner verantworteten Karlsruher Produktion. Hinter dem Projekt stehe ein enormer organisatorischer Aufwand: Während Bayreuth seit 150 Jahren mit eingespielten Materialien der bekannten zehn Werke arbeiten könne, habe man für „Rienzi“ das komplette Aufführungsmaterial neu einrichten müssen. Insgesamt wird „Rienzi“ neunmal aufgeführt – „das ist wirklich viel“, betonte Festspielchefin Katharina Wagner im Interview.

Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der<br> „Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-<br>wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner.  (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)
Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der
„Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-
wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)
Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der
„Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-
wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)
Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der
„Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-
wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)
Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der
„Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-
wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)
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Der Festspielchor als lebensgroße Ratten verkleidet mit Startenor Klaus Florian Vogt als Lohengrin. Der
„Ratten-Lohengrin“ hat sich seit der umstrittenen Premiere 2010, vom Skandalstück bis 2015 zum Kult ent-
wickelt. Beim Straßenfest dürfen Besucher selbst in die markanten Kostüme schlüpfen. „Der Schnitt ist bewusst zwanglos – fast jeder passt hinein“, sagt Festspielleiterin Katharina Wagner. (Foto: Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath)

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Education-Programm von Victor Seraphin Feuchte. Im eigens errichteten „Kleinen Festspielhaus“ im Festspielpark soll ein umfangreiches Angebot für Kinder und Jugendliche entstehen – von der Kinderoper, über Workshops, bis zu Mitmachformaten für Schulen und Familien. Katharina Wagner bezeichnete das Projekt als besonderes Anliegen.

Auch künstlerische Sonderformate sind Teil des Jubiläumsjahres. Regisseur Hendrik Arns bringt sein Projekt „Venus hämmert ihn ab“ in das Parkhaus an der Oberfrankenhalle auf die Bühne. Der MäzenatenvereinTaff beteiligt sich unter anderem mit einem Pilotprojekt für Brillen, die den Operntext direkt ins Blickfeld einblenden sollen, ohne andere Zuschauer zu stören.

Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense sprach offen über die finanziellen Herausforderungen. Nicht alle Vorhaben seien in der gewünschten Form umsetzbar. Die Uraufführung der Auftragsarbeit „Brünnhilde brennt“ im Friedrichsforum werde deshalb aus Kostengründen nur konzertant aufgeführt.

Die Stadt Bayreuth begleitet das Jubiläum mit einem ganzjährigen Programm. Geplant sind unter anderem das Richard-Wagner-Straßenfest am Pfingstsamstag, 23. Mai. Eine Festmeile zum Auftakt der Festspiele im Juli am Luitpoldplatz und eine „Lange Nacht der Kultur“ in der Innenstadt im September. Kulturreferentin Eva Christina Bär verwies auf die breite Förderung: Insgesamt stehen 1,5 Millionen Euro von der Oberfrankenstiftung zur Verfügung, dazu kommen Eigenmittel der Stadt. So soll das Jubiläum, weit über den Grünen Hügel hinaus, in die Stadt hineinwirken.


Von Gabriele Munzert
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