Manfred Thümmler, Jahrgang 1946, prägte über Jahrzehnte die kommunale und wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Von 1982 bis 2012 stand er als Erster Bürgermeister an der Spitze der Stadt Pegnitz. Der Ehrenbürger der Stadt gilt als Initiator des Wirtschaftsbandes A9 Fränkische Schweiz und führt seit 1988 den Zweckverband Juragruppe Wasserversorgung. Mit seinem Engagement in Kommunalpolitik, Wirtschaftsförderung und Infrastruktur hat er zahlreiche Entwicklungen in der Region mitgestaltet.
Anlässlich seines 80. Geburtstags, am 02. Juli, hat unsere Redaktion im Vorfeld mit dem Jubilar über prägende Entscheidungen, die politische Kultur und seine Sicht auf die Zukunft der Region gesprochen.
Herr Thümmler, 80 Jahre – fühlt sich dieses Alter für Sie besonders an?
Eigentlich nicht. Nur wenn ich mir die Zahl bewusst vor Augen führe und darüber nachdenke, komme ich ins Grübeln.
Was hat Sie Ihr Leben in Politik und Ehrenamt über Menschen gelehrt?
Dass alles in Politik und Ehrenamt im Grunde auf der persönlichen Befindlichkeit der Menschen beruht.
Gibt es eine Entscheidung in Ihrer Amtszeit als Bürgermeister, die umstritten war, sich aber im Nachhinein als richtig erwiesen hat?
Gleich in meinem ersten Jahr im Amt musste ich eine Entscheidung treffen, die damals viel Staub aufwirbelte. Mit juristischer Begleitung und einer großen Mehrheit im Stadtrat, gelang es, das damalige städtische Krankenhaus wieder in ruhige Bahnen zu lenken. Eine Personalangelegenheit beschäftigte anschließend sogar die Gerichte, bis hin zum Bundesgerichtshof. Für mich stand dabei jedoch weniger die juristische als die menschliche Verantwortung im Vordergrund. Ich habe damals klar gesagt: Wenn die Rechtslage anders bewertet wird, dann muss ich das akzeptieren. Aber ich konnte nicht verantworten, dass die Sicherheit der Patienten gefährdet wird. Es war für mich unvorstellbar, nach einer Operation das Risiko einzugehen, dass Menschen zu Schaden kommen. Deshalb habe ich diese Entscheidung getroffen und sie auch gegen erhebliche Widerstände vertreten.
Sie gelten als einer der Väter des Wirtschaftsbandes A9. Wie entstand die Idee damals und welche Bedeutung hat die Achse entlang der Autobahn heute?
Am Anfang stand die agrarstrukturelle Entwicklungsplanung ab dem Jahr 2001 in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ländliche Entwicklung. Am 06. Januar 2006, an Hochneujahr, traf ich mich mit einem Hochschulprofessor und einigen Freunden zum traditionellen „Stärkeantrinken“ in einem Gasthaus in Leups. In diesen Gesprächen entstand die Idee einer integrierten ländlichen Entwicklungskonzeption. Der entscheidende Schritt bestand jedoch darin, immer wieder das Gespräch mit den Beteiligten zu suchen. Wir haben uns zusammengesetzt, diskutiert und gefragt: „Wie schaut es aus? Können wir das gemeinsam auf den Weg bringen?“ Daraus entwickelten sich viele intensive Gespräche und nicht selten auch nächte-lange Sitzungen. So wuchs nach und nach das Vertrauen, das für eine erfolgreiche interkommunale Zusammenarbeit notwendig war. Die daraus entstandene Zusammenarbeit der Kommunen, hat sich für alle beteiligten Gemeinden bewährt und wird hoffentlich noch lange fortgeführt.
Was waren die wichtigsten Meilensteine des Zweckverbandes der Juragruppe während Ihrer fast vier Jahrzehnte langen Zeit als Vorsitzender?
Schon vor meiner Zeit im Stadtrat, habe ich mich als Vorsitzender der Jungen Union für eine sichere Wasserversorgung in der Region starkgemacht. Bis zur Gründung der Juragruppe im Jahr 1978 gab es große Widerstände – nicht nur im Stadtrat, sondern auch in der Bevölkerung. In meiner langen Zeit als Vorsitzender gab es viele wichtige Entwicklungen. Die Technik wurde stetig verbessert, immer mehr Ortschaften schlossen sich an. Ein bedeutender Schritt war die Selbstständigkeit des Zweckverbandes zum 01. Januar 1992 mit eigener Beitrags- und Gebührenabrechnung sowie eigenem Personal. Zudem wurde die Juragruppe Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die personelle Neuaufstellung der Geschäftsführung im Jahr 2005. Die Juragruppe wird seither wirtschaftlich und technisch erfolgreich geführt. Heute verfügt sie über einen hoch qualifizierten Mitarbeiterstab, der in der Lage ist, nahezu alle Schadensszenarien innerhalb kurzer Zeit zu beheben. Sie ist auf einem guten Weg, künftig auch die Stadt Bayreuth mit hochwertigem Trinkwasser zu versorgen. Das Investitionsvolumen seit 1982 beträgt mehr als 110 Millionen Euro.
Was hat sich in der politischen Kultur verändert – zum Guten und zum Schlechten?
Zum Schlechten hat sich verändert, dass der Umgang miteinander häufig ungeduldiger geworden ist und der Ton oft an Niveau verloren hat.
Zum Guten gilt: Solange die Menschen noch anständig miteinander reden, besteht weiterhin Grund zur Hoffnung.
Fehlt Ihnen manchmal die Zeit im Rathaus?
Es war eine gute und produktive Zeit im Rathaus. Aber vermissen? Nein. Der Abschied liegt inzwischen schon einige Zeit zurück. Ende Oktober werden es 14 Jahre sein. Der Schnitt ist also längst gemacht. Mir wird auch ohne Rathaus keine Minute langweilig. Es gibt nach wie vor viele Aufgaben, Interessen und Begegnungen, die meinen Alltag ausfüllen.
Welche Chancen sehen Sie für die Region in den kommenden Jahren?
Die Franken waren schon immer fleißige und tüchtige Menschen. Jammern liegt ihnen nicht. Das gilt ebenso für das Gewerbe und die Industrie in unserer Region. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage mit Unterstützung von Kammern, Hochschulen, Universitäten und Berufsschulen, weiterhin Stabilität im Erwerbsleben erreichen lässt.
Wenn Sie Ihr Lebenswerk in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde dieser lauten?
Ich bin dankbar für meine Familie, die mich durch die Höhen und Tiefen des Lebens begleitet hat. Und wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, würde ich viele Entscheidungen wieder genauso treffen. Dazu gehört auch der Schritt in die Politik. Trotz aller Herausforderungen und Belastungen war es eine erfüllende Aufgabe, Verantwortung für die Menschen und die Entwicklung der Region zu übernehmen. Glück auf!