Veröffentlicht am 30.04.2026 15:18

Beschäftigtenplus in Bayreuth trotz schwächelnder Industrie

IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, Jörg Lichtenegger (Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth)
IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, Jörg Lichtenegger (Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth)
IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, Jörg Lichtenegger (Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth)
IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, Jörg Lichtenegger (Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth)
IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth, Jörg Lichtenegger (Foto: IHK für Oberfranken Bayreuth)

Während die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der kreisfreien Stadt Bayreuth seit dem Vor-Corona Jahr 2019 um 3.603 auf 51.627 Beschäftigte zugenommen hat, ist die Zahl im Landkreis Bayreuth relativ konstant geblieben (+91 auf 24.340 Beschäftigte), so das Ergebnis einer regionalisierten Analyse der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Damit setzt sich der Raum Bayreuth von der oberfränkischen Entwicklung ab. Den stärksten Beschäftigtenzuwachs haben in der Stadt Bayreuth die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+542) sowie der Bereich „Erziehung und Unterricht” (+478) und die Öffentliche Verwaltung (+472). Im Minus sind das Verarbeitende Gewerbe (-242) sowie die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (-116). Das zeigt die IHK für Oberfranken Bayreuth anhand von Analysen der Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Im Landkreis Bayreuth ist der Beschäftigtenrückgang im Verarbeitenden Gewerbe stärker ausgeprägt (-745). Mit Abstand folgt das Baugewerbe mit einem Rückgang von 109 Beschäftigten. Im Landkreis Bayreuth befinden sich das Gesundheits- und Sozialwesen (+194) sowie die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen auf Wachstumskurs (+281).

Dass der Beschäftigtenrückgang in der Industrie vor allem in der Stadt nicht so stark ausfällt, ist auf die geringere Abhängigkeit von einzelnen Branchen zurückzuführen. „Unsere Industrie ist einfach breiter aufgestellt, die Abhängigkeit etwa von Automobilindustrie ist nicht so stark ausgeprägt”, macht Jörg Lichtenegger deutlich, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth. „Besonders freut mich der Zuwachs von insgesamt 823 Beschäftigten bei den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, wovon der gesamte Standort Bayreuth profitiert.”

Apell für mehr Effizienz und Digitalisierung in der Verwaltung

Der stetige Beschäftigtenaufbau in der öffentlichen Verwaltung sei aus Lichteneggers Sicht kritisch zu hinterfragen: „Während die wertschöpfende Industrie gezwungen ist, Stellen abzubauen und effizienter zu werden, wächst der öffentliche Sektor ungebremst weiter. Das kann so nicht weitergehen! Gerade im öffentlichen Dienst müssen dringend die notwendigen Hausaufgaben gemacht werden: Prozesse müssen modernisiert und die Chancen der Digitalisierung endlich voll ausgeschöpft werden. Es kann nicht sein, dass die Privatwirtschaft mit immer weniger Personal auskommen muss, während auf Seiten der Verwaltung ständig neue Stellen geschaffen werden. Hier erwarten wir eine konsequente und mutige Neuordnung - für mehr Effizienz und weniger Bürokratie.

„Sorgen macht mir der spürbare Beschäftigtenabbau in der Industrie”, so Lichtenegger. Da die Entwicklung in anderen Ländern durch die Bank weg schlechter ausfällt, lässt sich die negative Entwicklung nicht mit den geopolitischen Unsicherheiten begründen. „Die Ursachen stecken viel tiefer und sie sind hausgemacht. Wir haben uns in Deutschland zu sehr auf den Erfolgen vergangener Jahre ausgeruht und gar nicht gemerkt, dass wir wieder einmal zum kranken Mann Europas geworden sind.” Der Standort Deutschland habe in vielen Bereichen höchsten Nachholbedarf, richtet sich Lichtenegger an die Politik. Das Spektrum reiche vom dringend gebotenen Abbau der Bürokratie über die hohen Unternehmenssteuern und Energiepreise bis hin zur antiquierten Infrastruktur. Lichtenegger: „Wo sonst gibt es ein Oberzentrum, das monatelang nicht per Bahn, sondern praktisch nur per Schienenersatzverkehr erreichbar ist?”

Oberfranken: Seit 2019 Verlust von 15.252 Industriearbeitsplätzen

In Gesamtoberfranken verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe einen sehr deutlichen Beschäftigtenabbau mit einem Minus von 15.252 Beschäftigten seit 2019 (-11,1 Prozent). Zudem ist bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen eine nennenswerte Abnahme zu verzeichnen (-1.406 Beschäftigte). Dies lässt sich durch deren enge Verknüpfung mit dem Verarbeitenden Gewerbe erklären. Es gibt allerdings auch Wirtschaftsabschnitte, welche sich im Wachstum befinden, etwa die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung (+5.741 seit 2019), das Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), Verkehr und Lagerei (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134).

Während in der Summe seit 2019 oberfrankenweit 4.224 neue Arbeitsplätze entstanden sind, ist die Entwicklung zuletzt spürbar gekippt. Gegenüber 2024 verzeichnet Oberfranken einen Rückgang von 1.858 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, verursacht vor allem durch den Abbau im Verarbeitenden Gewerbe (-3.764), aber auch im Handel und den wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Neue Arbeitsplätze sind im vergangenen Jahr vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden (+1.524).

Hinweis: Die Berechnungen basieren auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Stichtag 30.06 des jeweiligen Jahres.


Von Onlineredaktion
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