Veröffentlicht am 11.06.2026 18:05

Wer rechnet hier mit Grün?

Diesen Ort passieren täglich zahlreichen Menschen, ohne dass sie ihn bewusst wahrnehmen? (Foto: W. Munzert)
Diesen Ort passieren täglich zahlreichen Menschen, ohne dass sie ihn bewusst wahrnehmen? (Foto: W. Munzert)
Diesen Ort passieren täglich zahlreichen Menschen, ohne dass sie ihn bewusst wahrnehmen? (Foto: W. Munzert)
Diesen Ort passieren täglich zahlreichen Menschen, ohne dass sie ihn bewusst wahrnehmen? (Foto: W. Munzert)
Diesen Ort passieren täglich zahlreichen Menschen, ohne dass sie ihn bewusst wahrnehmen? (Foto: W. Munzert)

BAYREUTH.Ein Blumenbeet mit Rankhilfen, dahinter alte Bäume, davor ein kleiner Bistrotisch mit zwei Stühlen. Das Motiv wirkt unspektakulär. Der Standort dagegen überrascht.
Denn die Szene befindet sich mitten in einem Bereich, der vor allem von Verkehr geprägt ist. Zwischen Hohenzollernring und Bahnhof-/ Kolpingstraße hat das Stadtgartenamt ein quadratisches Beet angelegt. Wenn die Pflanzen wachsen, wird daraus eine grüne Pyramide entstehen.

Die Maßnahme reiht sich wohl in verschiedene Versuche ein, diesen Teil der Innenstadt gestalterisch aufzuwerten. Das neue Beet ist dabei nur ein kleiner Baustein. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Dennoch verändert es den Blick auf den Ort.
Dabei war dieser Bereich nicht immer eine Verkehrsfläche. Bis in die 1960er Jahre floss hier der Rote Main offen durch die Stadt. Die Ludwigsbrücke verband beide Ufer und prägte das Stadtbild. Mit dem Ausbau des Stadtkernrings wurde der Fluss auf diesem Abschnitt überdeckt, die Brücke verschwand. Was damals als moderne Verkehrslösung galt, prägt den Ort bis heute.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Bereich zu einem wichtigen Knotenpunkt im innerstädtischen Verkehr. Aufenthaltsqualität spielte dabei naturgemäß eine untergeordnete Rolle.

Ganz verschwunden sind die Spuren der früheren Zeit jedoch nicht. Die alten Bäume am Rand des Parkplatzes beim ehemaligen Kolpinghaus und nahe des Stadtbads stammen noch aus einer anderen Epoche. Sie bilden heute einen deutlichen Kontrast zu Asphalt, Fahrbahnen und Verkehr auf dem Stadtkernring.

Genau dieser Gegensatz macht das aktuelle Bild interessant. Das neue Blumenbeet verwandelt den Ort nicht grundlegend. Es lenkt aber den Blick auf Qualitäten, die im Alltag oft übersehen werden.

Wer die Beschreibung bis hierher verfolgt hat, dürfte den Ort längst erkannt haben: den Annecyplatz. Benannt nach Bayreuths französischer Partnerstadt, gehört er sicher nicht zu den bekanntesten Aufenthaltsorten der Stadt. Das neue Grün zeigt jedoch, dass selbst an einem stark vom Verkehr geprägten Platz, kleine Veränderungen Wirkung entfalten können.


Von Gabriele Munzert
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