Der Umzug ist abgeschlossen: Rund 3.800 Umzugskartons mit Akten, Dokumenten, Fotos und weiteren historischen Unterlagen haben ihren Platz im neuen Stadtarchiv in der Seestraße 1 gefunden. Bevor am 16. Juni der reguläre Betrieb beginnt, konnten Bürgerinnen und Bürger das neue Gebäude bereits bei einem Tag der offenen Tür am 13. Juni kennenlernen.
Der Termin ist bewusst gewählt. Am 12. Juni 1836 wurde das Leers’sche Waisenhaus eröffnet, der Vorgängerbau der heutigen Leers’schen Villa. In dem historischen Gebäude befindet sich heute die Verwaltung des Stadtarchivs.
Am Samstag, 13. Juni, öffnet das Archiv von 11 bis 15 Uhr seine Türen. Besucher erhalten Einblicke in die Geschichte des alten und neuen Stadtarchivs, können mit den Mitarbeiterinnen ins Gespräch kommen und an Führungen durch die sonst nicht zugänglichen Magazinräume teilnehmen.
Das neue Stadtarchiv zählt zu den bedeutendsten Bauprojekten der vergangenen Jahre in Bayreuth. Der Neubau bietet auf rund 2.300 Quadratmetern Nutzfläche Platz für mehr als zehn Kilometer Archivgut. In den Magazinen befinden sich 259 Rollregale für Akten und historische Unterlagen, zusätzlich gibt es spezielle Bereiche für Fotografien und großformatige Pläne.
Im Erdgeschoss stehen ein lichtdurchflutetes Foyer, ein moderner Lesesaal und ein Seminarraum zur Verfügung. Der Lesesaal bietet acht Arbeitsplätze mit Blick auf die Ordenskirche in St. Georgen. Auch das Foyer soll künftig mit wechselnden Ausstellungen zur Stadtgeschichte Besucher anziehen. Im Garten der ehemaligen Villa laden Sitzgelegenheiten und ein offener Bücherschrank zum Verweilen ein.
Parallel zum Neubau wurde auch die Leers’sche Villa aus dem Jahr 1901 umfassend saniert. Dort befinden sich heute die Büros der Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie weitere Arbeitsräume. Ein verglaster Verbindungsgang verbindet Alt- und Neubau barrierefrei miteinander.
Für Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel markiert die Fertigstellung einen wichtigen Meilenstein. Die Gesamtkosten für Neubau und Sanierung belaufen sich auf rund 21,5 Millionen Euro. Fördermittel in Höhe von knapp 3,5 Millionen Euro kamen unter anderem vom Kulturfonds, der Oberfrankenstiftung und der Städtebauförderung.
Welche Schätze im neuen Stadtarchiv lagern, lässt sich nicht mit einem einzelnen Dokument beantworten. Archivleiterin Carolin Baumann betont, dass jedes Archivstück ein Unikat sei. Der Wert liege vor allem in den enthaltenen Informationen. Selbst unscheinbare Unterlagen könnten für Familienforschung oder historische Recherchen von großer Bedeutung sein.
Die Bestände reichen vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Das älteste Dokument ist eine Kaufurkunde aus dem Jahr 1391. Besonders schmerzlich sei dagegen der Verlust vieler Verwaltungsunterlagen beim Bombentreffer auf das Bayreuther Rathaus im Jahr 1945. So ging unter anderem die Meldekartei verloren. Dadurch lasse sich heute vielfach nicht mehr nachvollziehen, wer vor dem Zweiten Weltkrieg in Bayreuth gelebt habe. Diese Informationen seien für Familienforschende ebenso wichtig wie für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Stadtgeschichte.
Nicht jede Akte landet dauerhaft im Archiv. Vor der Übernahme prüfen die Fachleute sorgfältig, welche Unterlagen archivwürdig sind. Entscheidend sei, ob sie Verwaltungshandeln dokumentieren, rechtliche Bedeutung besitzen oder wichtige Einblicke in das Leben der Stadtgesellschaft ermöglichen. Was einmal als archivwürdig eingestuft werde, bleibe dauerhaft erhalten und könne auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen.