Veröffentlicht am 12.06.2026 11:17

Gesamtkunstwerk bekommt Risse

Bei der Präsentation des Festival-Programmes Anfang des Jahres: v.l.: Florian André Unterburger, Eva Bär, der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Regierungspräsident Florian Luderschmid. (Foto: Mohr)
Bei der Präsentation des Festival-Programmes Anfang des Jahres: v.l.: Florian André Unterburger, Eva Bär, der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Regierungspräsident Florian Luderschmid. (Foto: Mohr)
Bei der Präsentation des Festival-Programmes Anfang des Jahres: v.l.: Florian André Unterburger, Eva Bär, der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Regierungspräsident Florian Luderschmid. (Foto: Mohr)
Bei der Präsentation des Festival-Programmes Anfang des Jahres: v.l.: Florian André Unterburger, Eva Bär, der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Regierungspräsident Florian Luderschmid. (Foto: Mohr)
Bei der Präsentation des Festival-Programmes Anfang des Jahres: v.l.: Florian André Unterburger, Eva Bär, der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Regierungspräsident Florian Luderschmid. (Foto: Mohr)

BAYREUTH.Die Absage der Festmeile auf dem Luitpoldplatz beschäftigt Bayreuth inzwischen weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus. Bundesweit berichteten Medien über die Entscheidung der Stadt, das für den 25. und 26. Juli geplante Großevent aus finanziellen Gründen zu streichen.

Dabei sollte die Festmeile sichtbar machen, wofür das offizielle Jubiläumsprogramm zum 150. Geburtstag der Bayreuther Festspiele steht. Unter dem Leitmotiv „Bayreuth wird zum Gesamtkunstwerk“ sollten nicht nur die Festspiele auf dem Grünen Hügel gefeiert werden. Zahlreiche Veranstaltungen in der Innenstadt sollten das Jubiläumsjahr begleiten und die Festspiele flankieren.Anfang des Jahres hatte die inzwischen widerruflich freigestellte Kulturreferentin Eva Bär von intensiver Vorarbeit gesprochen. Ein Jahr Planung liege hinter dem Team. Viele Hürden seien zu überwinden gewesen. Entscheidend für das Gelingen sei die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das „Gesamtkunstwerk“ sollte nicht nur auf den Bühnen entstehen, sondern in der ganzen Stadt sichtbar werden.

Inzwischen hat sich die Oberfrankenstiftung zu Wort gemeldet und erstmals konkrete Förderzahlen veröffentlicht. Demnach unterstützt die Stiftung das Jubiläumsjahr mit insgesamt 1,5 Millionen Euro. Davon entfallen 1,02 Millionen Euro auf das städtische Programm, 400.000 Euro auf die „Rienzi“-Neuproduktion der Festspiele und weitere 80.000 Euro auf das Richard-Wagner-Museum.

Bemerkenswert ist dabei ein anderer Wert: Für die Festmeile selbst waren im Förderantrag lediglich 70.000 Euro vorgesehen. Das entspricht weniger als sieben Prozent der städtischen Gesamtförderung. Die Stiftung weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass diese Mittel nach der Absage für andere Projekte des Jubiläumsprogramms verwendet werden können.
Damit stellt sich eine neue Frage: Warum musste ausgerechnet die Festmeile gestrichen werden, wenn ihr Förderanteil vergleichsweise überschaubar war?

Das Wochenende wäre eines der dichtesten des gesamten Jubiläumsjahres geworden. Auf dem Grünen Hügel stehen am 25. Juli die Premiere der Kinderoper, das Eröffnungskonzert der Festspiele mit Beethovens Neunter sowie ein Festakt auf dem Programm. Einen Tag später folgt die Premiere von Richard Wagners „Rienzi“.

Über die „überraschend großen Deckungslücken“ wird Oberbürgermeister Andreas Zippel am 17. Juni im Haupt- und Finanzausschuss sowie am 24. Juni im Stadtrat ausführlich informieren.

Damit rückt eine Personalie in den Fokus, die bislang kaum diskutiert wurde. Denn mit Florian André Unterburger wurde für das Festival-Jahr eigens ein Festivalmanager eingesetzt.

Er ist jedoch nicht nur Projektleiter des Festival150, seit der Kommunalwahl gehört er auch dem Bayreuther Stadtrat an und sitzt für die Fraktion Grüne/Linke ausgerechnet im Haupt- und Finanzausschuss – jenem Gremium, das sich in wenigen Tagen mit den finanziellen Problemen des Jubiläumsprogramms befassen wird.

Die Frage nach einer möglichen Befangenheit dürfte deshalb kaum ausbleiben.

Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadtgesellschaft wochenlang über mögliche Interessenkonflikte von Stadträten bei Abstimmungen diskutiert. Nun könnte sich die Frage stellen, ob ein Stadtrat über ein Defizit beraten und abstimmen sollte, das ein Projekt betrifft, für dessen Umsetzung er selbst verantwortlich war.


Von Gabriele Munzert
north