Mit dem Auftritt von DJ Alle Farben schlagen die Bayreuther Festspiele im Jubiläumsjahr ein neues Kapitel auf. Am Sonntag, 02. August, ab 20 Uhr, verwandelt der international erfolgreiche DJ und Produzent, das Festspielhaus in eine außergewöhnliche Konzertkulisse. Unter dem Titel „FABRIK präsentiert – 150 Jahre Bayreuther Festspiele“ entsteht ein Format, das klassische Festspieltradition und elektronische Musik miteinander verbindet.
Für das Konzert wird die Hauptbühne nach hinten geöffnet. Der DJ steht im Bühnenhaus und spielt in Richtung des überdachten Vorplatzes und der technischen Betriebsbereiche hinter dem Festspielhaus. Im Rücken des Künstlers liegen die historischen Sitzreihen des Zuschauerraums – ein Perspektivwechsel, den es im Festspielhaus bislang nicht gegeben hat.
Der Abend steht beispielhaft für das Jubiläumsprogramm, das bewusst neue Wege geht. Seit gut einer Woche laufen die Bayreuther Festspiele. Den Auftakt bildete am Freitag, 24. Juli, ein Open-Air-Konzert des Fest-spielorchesters, das zahlreiche Besucher in den Festspielpark lockte.
Auch die offizielle Eröffnung am Samstag, 25. Juli, setzte ein Zeichen. Nicht eine Oper, sondern Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung von Christian Thielemann eröffnete den Festspielsommer. Kaum ein Werk passt besser zum Jubiläumsjahr: Richard Wagner dirigierte die Neunte bereits 1872 im Markgräflichen Opernhaus zur Grundsteinlegung des Festspielhauses. In diesem Jahr knüpfen die Festspiele bewusst an diesen historischen Moment an.
Am Sonntag hob sich schließlich der Vorhang für „Rienzi“. Wagners frühes Bühnenwerk ist erstmals überhaupt im Bayreuther Festspielhaus zu erleben.
Mit insgesamt 29 Opernaufführungen bleibt das Festspielhaus zwar das Zentrum des Festivals. Zugleich öffnen sich die Festspiele stärker denn je der Stadt. Erstmals gehört das Friedrichsforum zu den offiziellen Spielstätten. Hinzu kommen Veranstaltungen im Markgräflichen Opernhaus, in der Oberfrankenhalle und an weiteren Orten. Das Jubiläumsprogramm versteht sich damit als Fest für die gesamte Stadt.
150 Jahre nach den ersten Bayreuther Festspielen 1876, blickt man nicht nur auf die Geschichte zurück. Im Jubiläumsjahr stellen sich die Festspiele auch den dunklen Kapiteln. Mit der sanierten Installation „Verstummte Stimmen“ im Festspielpark und einer neuen digitalen Plattform, erinnern sie an Ensemblemitglieder, die während der NS-Zeit verfolgt und ermordet wurden. In seiner Gedenkrede betonte Publizist Michel Friedman, die Auseinandersetzung mit Richard Wagners Antisemitismus und der Geschichte der Festspiele, sei Voraussetzung für eine glaubwürdige Erinnerungskultur. Die Festspiele verschweigen das antisemitische Erbe ihres Gründers nicht, sondern ordnen es kritisch ein, ohne es zu relativieren oder zu billigen.
Auch das Richard-Wagner-Museum feiert Jubiläum. Vor 150 Jahren fanden nicht nur die ersten Bayreuther Festspiele statt, vor 50 Jahren öffnete das Museum im Haus Wahnfried seine Türen. Unter dem Titel „50/150 – Utopie und Echo“ wirft die Ausstellung neue Perspektiven auf Richard Wagner, die Festspiele und ihre Wirkungsgeschichte.
Besonders eindrucksvoll ist die Videoinstallation „Wahnfried leuchtet!“ des international tätigen Medienkunststudios Urbanscreen. Allabendlich, bis 26. August, nach Einbruch der Dunkelheit wird die wechselvolle Geschichte des Hauses Wahnfried auf dessen Fassade projiziert. Die Projektionen stoßen seit Beginn der Festspiele auf sehr große Resonanz.
Ebenfalls ein Blickfang ist Georg Nussbaumers Installation „Hundehaus | Wahnhall | Schaumfried“ im Vorgarten von Wahnfried. Mechanische Puppen, bellende Hundehütten und die Frage nach der Verbindung zwischen Richard Wagner und der russischen Söldnergruppe Wagner, eröffnen einen ungewohnten Blick auf den Komponisten und seine bis heute kontrovers diskutierte Wirkungsgeschichte.