Veröffentlicht am 10.03.2026 16:06

„Manche Orte entstehen aus Träumen“

Foto: jm
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Die TSV-Gaststätte in Bindlach hat eine neue Pächterin: Patrizia Nisio. Sie ist die Tochter von Salvatore Nisio, der viele Jahre eine bekannte Pizzeria in der Region führte. Für die Familie ist der Neustart mehr als nur ein neues Lokal. Es ist eine sehr persönliche Geschichte.

„Manche Orte entstehen aus Träumen“, sagt Patrizia Nisio. Die neue Pizzeria knüpft an den Traum ihres Vaters an. Zehn Jahre nach der Schließung der früheren Pizzeria Italia in Bad Berneck lässt die Familie diese Idee wieder aufleben – nun in der TSV-Gaststätte in Bindlach.

Ein Stück Familiengeschichte
Im Jahr 1989 eröffneten Salvatore und Amelia Nisio die Pizzeria Italia in Bad Berneck. Das Ehepaar stammt aus Neapel. Mit ihrem Restaurant brachten sie italienische Küche nach Oberfranken – Pizza, Pasta und ihre Leidenschaft fürs Kochen. 27 Jahre lang war das Lokal ein fester Treffpunkt. „Für viele war es ein Restaurant. Für uns war es unser Zuhause und der Mittelpunkt unseres Lebens“, erinnert sich Patrizia Nisio. Im April 2016 schlossen ihre Eltern die Pizzeria. Kurz darauf starb ihr Vater. „Die Entscheidung fiel schwer. Wenig später mussten wir Abschied von meinem Vater nehmen“, sagt sie.

Der Traum lebt weiter
Doch der Gedanke an das Restaurant blieb. „Träume verschwinden nicht einfach. Sie werden von der nächsten Generation weitergetragen“, sagt Patrizia Nisio. Genau zehn Jahre nach der Schließung will sie den Traum neu beginnen - am gleichen Tag wie vor 10 Jahren geschlossen wurde, soll heute wieder eröffnet werden. „Ich eröffne die Pizzeria Italia wieder – mit den gleichen Rezepten und der gleichen Liebe zum Kochen. Ich möchte fortführen, was mein Vater begonnen hat.“

Auf der Internetseite des Lokals heißt es: „Jedes Gericht erzählt unsere Geschichte. Von Familie, Heimat und Zusammenhalt. Benvenuti und buon appetito.“

Die Suche nach einem neuen Ort
Der Wunsch, wieder Gastronomie zu machen, begleitete Patrizia Nisio lange. Doch der richtige Ort fehlte. „Als mein Vater in Rente ging und die Pizzeria schloss, konnte niemand von uns übernehmen. Jeder hatte seinen eigenen Beruf“, erzählt sie. Trotzdem blieb die Erinnerung stark. „Die Gastronomie hat mir immer gefehlt. Wir haben dort als Familie jedes Fest gefeiert“. Immer wieder suchte sie nach einer passenden Immobilie. Oft scheiterte es am Preis, an der Lage oder an hohen Renovierungskosten. Eines Abends entdeckte sie dann eine Anzeige vom TSV Bindlach. „Ich saß auf dem Sofa und habe wieder einmal geschaut. Ich dachte: Fragen kostet nichts.“

Sie konnte sich das Gebäude schnell ansehen. Der Verein unterstützte die Idee. „Die Wände waren damals noch gelb und grün. Der TSV hat gesagt: Wir streichen den Hauptraum neu. Damit war für mich klar: Ich mache es.“ Seit Januar arbeitet die Familie an der Vorbereitung der Eröffnung.

Schritt für Schritt
Die Neueröffnung ist für den 3. April geplant – genau zehn Jahre nach der Schließung der alten Pizzeria ihres Vaters. Patrizia Nisio hat dafür ihre Arbeitszeit reduziert. „Das Projekt liegt mir am Herzen. Aber ich muss auch an meine Familie denken. Deshalb gehe ich Schritt für Schritt.“ Sie weiß, wie schwierig Gastronomie sein kann. „Miete, Strom, Gas, Einkauf – alles ist teurer geworden. Da muss man vorsichtig planen. Ich will nicht überstürzt eröffnen und kurz darauf wieder schließen.“

Treffpunkt für Bindlach
Zum Start gelten zunächst begrenzte Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 17 bis 21 Uhr. Änderungen sind möglich. Auf der Karte stehen italienische und deutsche Gerichte. Für den Biergarten sind auch Brotzeiten geplant. Bei Spielen oder Veranstaltungen des TSV sollen die Öffnungszeiten angepasst werden. „Wenn hier am Sonntag Fußball ist, öffne ich auch früher. Die Kinder sollen etwas trinken oder zum Beispiel Pommes essen können“, sagt Nisio.

Ihr Ziel ist klar: „Die Gaststätte soll ein Treffpunkt für alle sein. Ein Ort, an dem man zusammenkommt und die Gemeinschaft in Bindlach spürt.“ Und noch etwas ist ihr wichtig: „Wer bei uns essen geht, soll satt nach Hause gehen.“


Von Jessica Mohr
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