BAYREUTH. Am Internationalen Frauentag, 08. März, richtet sich unser Blick auf Frauen, die diese Stadt geprägt haben – einst auf dem Grünen Hügel, heute in verantwortlichen Positionen im Rathaus.
Ein Mann, vier Frauen – so liest sich derzeit die Führungsstatistik im Bayreuther Rathaus. Finanzreferent Michael Rubenbauer steht vier Kolleginnen gegenüber, die jeweils ein zentrales Referat verantworten. Ein Verhältnis, das in deutschen Stadtverwaltungen noch immer als ungewöhnlich gilt. Während andernorts Zielquoten diskutiert werden, ist man in Bayreuth rechnerisch längst weiter.
Im Rechtsreferat steuert Ruth Fichtner Personal, Ordnungsrecht und Bauaufsicht – sensible Bereiche, in denen juristische Präzision und politisches Fingerspitzengefühl gefragt sind. Manuela Brozat verantwortet Familie, Schule und Soziales, von Integration bis Jugendhilfe. Stadtentwicklung, Hoch- und Tiefbau liegen bei Urte Kelm, Kultur und Wirtschaft bei Eva Christina Bär. Vier Frauen, vier Schaltstellen kommunaler Gestaltungsmacht. Das ist keine Inszenierung, sondern Ergebnis von Personalentscheidungen. Und doch ist es ein Bild mit Symbolkraft – gerade am 08. März.
Der Weltfrauentag erinnert an politische Kämpfe um Teilhabe und Gleichberechtigung. Er geht auf eine Initiative von Clara Zetkin aus dem Jahr 1910 zurück. Als Frauen 1918 in Deutschland das Wahlrecht erhielten, war das keineswegs selbstverständlich. Das gesellschaftliche Rollenbild war klar umrissen: öffentliches Wirken galt als männliche Domäne, Führung als Ausnahmeerscheinung für Frauen.
Umso bemerkenswerter ist der Blick zurück auf den Grünen Hügel. Die Bayreuther Festspiele, 1876 gegründet, waren von Beginn an ein künstlerisches Wagnis – und zugleich ein Spiegel ihrer Zeit. Dass Frauen dort gestaltend eingriffen, war alles andere als selbstverständlich:
Allen voran Cosima Wagner. In einer Epoche, in der Frauen weder politisch mitbestimmen noch eigenständig wirtschaften konnten, übernahm sie nach Richard Wagners Tod faktisch die Leitung der Festspiele. Sie überzeugte Geldgeber, prägte Aufführungsstandards, etablierte das Unternehmen als Familienbetrieb. Autorität musste sie sich erkämpfen – gegen Vorbehalte, gegen tradierte Erwartungen, gegen ein Frauenbild, das Zurückhaltung verlangte.
Auch andere wirkten gegen die Normen ihrer Zeit. Virginia Zucchi brachte 1891 als Choreographin neue Bewegung auf die Bühne des „Tannhäuser“. Isadora Duncan tanzte 1904 barfuß – ein Affront gegen Konventionen, ein Aufbruch in die Moderne. Luise Reuß-Belce übernahm später Spielleitungen. Und mit Malwida von Meysenbug war eine politisch denkende Intellektuelle Teil des geistigen Umfelds Wagners. Sie alle wirkten in einer Zeit, in der weibliche Selbstbestimmung gesellschaftlich begrenzt war.
Öffentlichkeit bedeutete Risiko, Führungsverantwortung erforderte doppelte Rechtfertigung. Gerade deshalb wiegt ihr Beitrag schwer. Heute ist das Frauenbild ein anderes – zumindest dem Anspruch nach. Gleichwohl sind Frauen in Spitzenpositionen vieler Branchen weiterhin unterrepräsentiert. Dass im Bayreuther Rathaus vier von fünf Referaten weiblich geführt werden, ist daher mehr als eine statistische Fußnote. Es ist ein sichtbares Zeichen gewandelter Möglichkeiten.
Der Bogen vom Rathaus zum Grünen Hügel zeigt: Frauen haben diese Stadt immer geprägt. Mal im Schatten großer Namen, mal gegen den Zeitgeist, heute sichtbar an zentraler Stelle – wie aktuell Festspielleiterin Katharina Wagner. Mit Quote oder ohne – entscheidend war und ist die Kompetenz und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn die Umstände es nicht selbstverständlich machen.