Veröffentlicht am 06.03.2026 10:35

Schluss mit der Oberliga-Illusion

Die Mainkurve Bayreuth fordert einen klaren Schnitt – und setzt auf einen langfristigen Aufbau statt auf die nächste riskante Oberliga-Saison. (Foto: red)
Die Mainkurve Bayreuth fordert einen klaren Schnitt – und setzt auf einen langfristigen Aufbau statt auf die nächste riskante Oberliga-Saison. (Foto: red)
Die Mainkurve Bayreuth fordert einen klaren Schnitt – und setzt auf einen langfristigen Aufbau statt auf die nächste riskante Oberliga-Saison. (Foto: red)
Die Mainkurve Bayreuth fordert einen klaren Schnitt – und setzt auf einen langfristigen Aufbau statt auf die nächste riskante Oberliga-Saison. (Foto: red)
Die Mainkurve Bayreuth fordert einen klaren Schnitt – und setzt auf einen langfristigen Aufbau statt auf die nächste riskante Oberliga-Saison. (Foto: red)

BAYREUTH.Der Rückzug des Hauptsponsors und die Entscheidung, für die kommende Saison keine Oberliga-Lizenz zu beantragen, markieren eine Zäsur. Vieles deutet darauf hin, dass es vorerst kein Profi-Eishockey in Bayreuth mehr geben wird. Der Fanclub Mainkurve, seit 2008 fester Bestandteil der Bayreuther Fanszene und selbst ernannter „7. Mann“ des EHC, hat sich klar positioniert: Die Anhänger plädieren für einen Neustart in der Landesliga. Ein Schritt zurück, um langfristig wieder nach vorne zu kommen – ein Weg, den in anderer Form auch die Fußballer der SpVgg Bayreuth verfolgen.

Die Mainkurve wurde 2008 gegründet, um den EHC-Fans eine gemeinsame Plattform für aktiven Support zu bieten und der wachsenden Fanszene eine feste Anlaufstelle zu geben. Im Gespräch erläutern Vertreter des Fanclubs, warum sie eine Fortführung in der Oberliga kritisch sehen und welche Perspektive sie für das Bayreuther Eishockey erkennen.

Ihr habt euch klar gegen eine Weiterführung der Tigers GmbH ausgesprochen. Warum wäre eine weitere Saison in der Oberliga aus eurer Sicht keine gute Lösung?
Wir haben prinzipiell nichts gegen die Oberliga und auch nichts gegen den Einstieg eines . Investors, doch hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass der Spielbetrieb dort nicht nur unrentabel, sondern existenzbedrohend ist.

Was ist damit gemeint?
Vor zwei Jahren musste die Wendel GmbH Insolvenz anmelden. Anschließend ist onesto eingestiegen und hat in den vergangenen beiden Spielzeiten rund 1,2 Millionen Euro Verlust gemacht – und das trotz eines Zuschauerschnitts von mehr als 1.100 im ersten beziehungsweise rund 1.300 im zweiten Jahr. Ohne einen finanzstarken Geldgeber oder einen Kreis größerer Sponsoren, der bereit ist, langfristig zu investieren, ist ein Oberligabetrieb in Bayreuth unter den derzeitigen Rahmenbedingungen aus unserer Sicht nicht zu finanzieren.

Ihr haltet eine Fortsetzung in der Oberliga für ausgeschlossen?
Natürlich könnte man jetzt einfach in eine weitere Saison starten und hoffen, dass es schon irgendwie funktioniert. Doch wie lange würde das gut gehen? Finanzierbar wäre wohl höchstens eine Low-Budget-Mannschaft, die mit großer Wahrscheinlichkeit am Tabellenende landen würde. Das hätte wiederum deutliche Auswirkungen auf den Zuschauerzuspruch.
Hinzu kommt, dass Trainer Larry Suarez weiterhin einen gut dotierten und nach wie vor gültigen Vertrag besitzt. Er müsste also weiter beschäftigt oder zumindest bezahlt werden. Bei einer Vertragsauflösung wäre zudem eine nicht unerhebliche Abfindung fällig. Darüber hinaus steht im Mai die jährliche Kooperationssumme an den EHC an. Für uns ist nicht nachvollziehbar, wie dieses Geld aufgebracht werden kann und gleichzeitig ein sportlich einigermaßen erfolgreicher Weg in der Oberliga möglich sein soll.

Sollte den Initiatoren einer möglichen Rettung nicht zunächst etwas Zeit gegeben werden, um Sponsoren zu akquirieren und es zumindest zu versuchen?
Wäre es nicht schon Anfang März, würden wir dieser Initiative sicherlich weniger skeptisch gegenüberstehen. Doch die Zeit drängt. Es dürfen jetzt nicht erst Wochen vergehen, bis klar ist, wohin die Reise geht. Deshalb sollte jetzt ein klarer Schnitt erfolgen, damit der EHC die Weichen für die Zukunft stellen und eine starke Mannschaft für die Landesliga aufbauen kann. Ein längeres Tauziehen bis Mitte Mai wäre aus unserer Sicht absolut kontraproduktiv. Stattdessen könnte der Verein durch eigenständige Vermarktung – etwa über Werbeflächen im Stadion – bereits jetzt beginnen, zusätzliche Einnahmen für die kommende Saison zu generieren. Derzeit ist das noch nicht möglich.

Was wären eurer Meinung nach die Auswirkungen einer weiteren Saison in der Oberliga?
Es ist nahezu ausgeschlossen, in Bayreuth in der Oberliga schwarze Zahlen zu schreiben. Eine GmbH unter neuer Führung würde über kurz oder lang vermutlich wieder an dem Punkt stehen, an dem man sich jetzt befindet. Daraus ergibt sich ein erhebliches Gefahrenpotenzial für den EHC insgesamt – einschließlich seiner Nachwuchsarbeit. Nach einem weiteren Aus einer Profimannschaft könnte auch sie langfristig in Gefahr geraten. Deshalb ist es unser Ziel, die Zukunft des EHC Bayreuth dauerhaft zu sichern.

Wie sollte eurer Meinung nach die Zukunft des Bayreuther Eishockeys aussehen?
Ein geordneter Neuaufbau mit einer im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten verstärkten Seniorenmannschaft in der Landesliga. Ziel muss sein, wirtschaftlich auf gesunden Beinen zu stehen, Bayreuther Eigengewächse kontinuierlich in den Kader einzubauen und in zwei bis drei Jahren um den sportlichen Aufstieg in die Bayernliga mitzuspielen. Konsequent gesetzt werden sollte dabei auf die Basis – also auf die so wichtige Jugendarbeit. Uns ist durchaus bewusst, dass mehrere Jahre in der Landesliga eine anspruchsvolle Zeit sein können. Dennoch ist das aus unserer Sicht deutlich besser, als jedes Jahr am Saisonende erneut um die Existenz bangen zu müssen.

Möchtet ihr zum Abschluss noch etwas hinzufügen?
Ein Appell an alle, denen das Bayreuther Eishockey am Herzen liegt: Auch wir wünschen uns keine erneute Spaltung der Fans in Bayreuth. Manchmal muss man jedoch einen Schritt zurückgehen, um anschließend zwei Schritte nach vorne machen zu können.

Wir bedanken uns für das Gespräch.


Von Gabriele Munzert
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