Veröffentlicht am 02.04.2026 21:29

Eishockey-Oberliga Süd droht weiter auszudünnen

In der vergangenen Saison in der Oberliga Süd lieferten sich die Bayreuth Tigers und die EHF Passau Black Hawks noch insgesamt vier Duelle in der Hauptrunde (Bild, hier ein Bayreuther Torerfolg bei einem der Spiele im „Tigerkäfig”), jetzt ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich beide Teams aus dem Spielbetrieb zurückziehen. (Foto: Archiv/Dirk Ellmer)
In der vergangenen Saison in der Oberliga Süd lieferten sich die Bayreuth Tigers und die EHF Passau Black Hawks noch insgesamt vier Duelle in der Hauptrunde (Bild, hier ein Bayreuther Torerfolg bei einem der Spiele im „Tigerkäfig”), jetzt ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich beide Teams aus dem Spielbetrieb zurückziehen. (Foto: Archiv/Dirk Ellmer)
In der vergangenen Saison in der Oberliga Süd lieferten sich die Bayreuth Tigers und die EHF Passau Black Hawks noch insgesamt vier Duelle in der Hauptrunde (Bild, hier ein Bayreuther Torerfolg bei einem der Spiele im „Tigerkäfig”), jetzt ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich beide Teams aus dem Spielbetrieb zurückziehen. (Foto: Archiv/Dirk Ellmer)
In der vergangenen Saison in der Oberliga Süd lieferten sich die Bayreuth Tigers und die EHF Passau Black Hawks noch insgesamt vier Duelle in der Hauptrunde (Bild, hier ein Bayreuther Torerfolg bei einem der Spiele im „Tigerkäfig”), jetzt ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich beide Teams aus dem Spielbetrieb zurückziehen. (Foto: Archiv/Dirk Ellmer)
In der vergangenen Saison in der Oberliga Süd lieferten sich die Bayreuth Tigers und die EHF Passau Black Hawks noch insgesamt vier Duelle in der Hauptrunde (Bild, hier ein Bayreuther Torerfolg bei einem der Spiele im „Tigerkäfig”), jetzt ist es durchaus wahrscheinlich, dass sich beide Teams aus dem Spielbetrieb zurückziehen. (Foto: Archiv/Dirk Ellmer)

Die Zahl der Vereine, die künftig noch in der Eishockey-Oberliga Süd antreten, dünnt sich zunehmend aus: Nachdem es mit hoher Wahrscheinlichkeit so ausschaut, dass die Bayreuth Tigers keine Zukunft mehr im drittklassigen Profieishockey haben, kündigen jetzt auch die Passau Black Hawks an, den Spielbetrieb in der Oberliga Süd einstellen zu wollen.

Am heutigen Gründonnerstag veröffentlichten die Niederbayern eine kurze Pressemitteilung, nach der sich „die Gesellschafter der Passau Black Hawks Spielbetriebs GmbH aus wirtschaftlichen Gründen entschieden haben, dass in der Saison 2026/2027 kein Spielbetrieb in der Eishockey-Oberliga mehr stattfinden wird.“

Man sehe sich aktuell „nicht in der Lage, auch vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Situation, eine tragfähige Basis für einen Oberliga-Spielbetrieb mit einer soliden finanziellen Grundlage zu schaffen.“ Allerdings lässt man sich noch eine Hintertüre offen, nach der man diese Konsequenz erst zu ziehen gezwungen sei, wenn sich „in den kommenden 14 Tagen keine neuen Sponsoren und Gesellschafter finden”. In gewisser Weise ist die Ankündigung also wohl auch als so etwas wie ein letzter Hilferuf an die örtliche Wirtschaft zu verstehen. Sollte die 14-tägige „Galgenfrist” keine neuen greifbaren Ergebnisse bringen, würde ein weiterer traditioneller Standort in der Oberliga Süd wegfallen.

Die Lichter wohl endgültig in Sachen Oberliga aus sind mittlerweile in Bayreuth. Am 14. Februar hatten die Geschäftsführung und Gesellschafter der onesto Tigers GmbH angekündigt, dass sie für die kommende Oberliga-Saison keine neue Lizenz mehr beantragen werden, da man mit den vorhandenen Mitteln und Gegebenheiten keine Chance sehe, die Erwartungshaltung der Bayreuther Fans zu erfüllen. Die Mannschaft spielte die Hauptrunde der laufenden Saison in der Oberliga Süd zu Ende und verpasste am letzten Spieltag knapp das Saisonziel, nämlich die Qualifikation für die Pre-Playoffs.

Nachdem der EHC Bayreuth als Stammverein es abgelehnt hatte, die Spielbetriebs-GmbH zum symbolischen Preis von einem Euro und schuldenfrei zu übernehmen, entwickelte sich ab dem 11. März eine Provinzposse mit Zügen einer Tragödie. An diesem Tag gab die onesto Gruppe zunächst bekannt, dass sie die Geschäftsanteile an der onesto Tigers Bayreuth Eishockey GmbH veräußert habe und Thomas Lünenborg nicht mehr Geschäftsführer sei. Wer der Käufer sei, wurde dabei zunächst nicht genannt.

Kurz darauf stellte sich nach Medienberichten heraus, dass Mikael Agateljan als Vermittler für eine amerikanische Investorengruppe, die angeblich zwei bis drei Millionen Euro in den Standort investieren und die Tigers mittelfristig in die DEL2 bringen wolle, die Anteile erworben hat und als Geschäftsführer fungiert. Nur einen Tag später zog der neue Eigentümer allerdings wieder zurück, da seine amerikanischen Geschäftspartner nach den Reaktionen auf die Geschehnisse und vielfach geäußerten Zweifeln an der Seriosität des Deals ihr angekündigtes Engagement wieder zurückgezogen hätten.

Kurz darauf stellte Agateljan fest, dass ein Weiterbetrieb der GmbH wegen zu großer offener Verpflichtungen aus der Onesto-Zeit unmöglich sei und er daher beim zuständigen Amtsgericht postalisch die Insolvenz der GmbH angemeldet habe. Der rechtmäßige Verkauf der GmbH an Agateljan ist mittlerweile vom Amtsgericht bestätigt, eine Insolvenzanmeldung ist jedoch bis einschließlich Gründonnerstag, 2. April, noch nicht veröffentlicht worden.

Eine Fortführung von Oberliga-Eishockey in Bayreuth ist damit äußerst unwahrscheinlich und auch viele Auswirkungen auf den Stammverein und dessen umfangreiche Jugendarbeit sind immer noch unklar. Aktuell läuft wohl alles darauf hinaus, dass das Bayreuther Eishockey mit dem Team des EHC in der Landesliga einen Neustart wagen will. Allerdings sind hinsichtlich der Planungen für die neue Saison noch einige Fragezeichen offen.

Während in Bayreuth also das Fallbeil am seidenen Faden hängt und in Passau eine Galgenfrist von 14 Tagen gilt, hat man am dritten „Problemstandort” der Oberliga Süd, in Heilbronn, mittlerweile die Kurve gekriegt. Die Heilbronner Falken meldeten noch während der laufenden Hauptrunde Insolvenz an und wurden daher ohne Recht auf Teilnahme an den Playoffs zum Ende der Hauptrunde auf den letzten Tabellenplatz gesetzt.

Die Lizenz der Heilbronner Falken übernehmen aber jetzt die Eisbären Heilbronn, die aus der Regionalliga Südwest ihr Interesse an einem Oberligaaufstieg bekundet haben und jetzt die Profi-Eishockeytradition in Heilbronn fortsetzen.

Die Zusammensetzung der Oberliga Süd in der kommenden Saison wird also noch interessant werden. Dafür sind aber weniger sportliche Kriterien - einen sportlichen Absteiger aus der Oberliga Süd gab es in der laufenden Saison sowieso nicht und so wurde auch auf die Durchführung von Playdowns verzichtet - sondern vielmehr wirtschaftliche Themenstellungen und vor allem die Frage, wer überhaupt Interesse hat, in der Oberliga zu spielen, maßgebend. Bezeichnend ist hier auch, dass aus der viertklassigen Bayernliga kein einziges Team Interesse an einer Lizenzbeantragung und einem Aufstieg in die Oberliga Süd bekundet hat.


Von Roland Schmidt
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