Die Gemeinde Speichersdorf ist seit vielen Jahren bekannt für ihren aufgeschlossenen Umgang mit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Seit 1945 hat die Kommune mehr als 500 Geflüchteten aus 41 Ländern eine neue Heimat und ein Leben in Frieden und Freiheit geboten.
Diese Empathie und Unterstützung ist jetzt wieder gefragt, nachdem einige der in Speichersdorf lebenden 84 syrischen Flüchtlinge abgeschoben werden sollen. Es handelt sich dabei laut Bürgermeister Christian Porsch um etwa die Hälfte der 24 in einer Containerunterkunft lebenden allein reisenden Syrer. „Tendenz steigend”, bedauert Porsch.
Von diesen 24 Männern hätten bereits 16 eine Arbeitsstelle gefunden. In Speichersdorf arbeiten sieben Personen in Vollzeit und eine als Mini-Jobber. Aufnehmende Firmen sind Reifen-Deubzer, das Luise-Elsässer-Haus (LEH), die Firma Rosenthal und der Gasthof Imhof. „Diese Leute sind super integriert, haben Deutsch gelernt und werden gebraucht”, betont der Bürgermeister.
Insgesamt leben in der Gemeinde 83 Syrer, meist Familien, sowie die 24 Männer, die seit zwei Jahren in der Containerunterkunft untergebracht sind.
Christian Porsch weiß, dass der Kommune bezüglich der geplanten Abschiebungen die Hände gebunden sind. „Die politische Entscheidung träfen die Verantwortlichen in Bund und Land, der Vollzug erfolge durch das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). „Wir können das Thema als Gemeinde nur an die Öffentlichkeit bringen und mit Veranstaltungen Zeichen der Solidarität setzen.”
Ein solches Zeichen ist die Veranstaltung der Gemeinde gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde am Sonntag, 25. Januar. Unter dem Motto „Zeichen für Nächstenliebe, Humanität und Mitmenschlichkeit“ beginnt sie um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Christuskirche.
Danach werden am Brunnen Hoffnungslichter „als Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit“ entzündet. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, mit den jungen Geflüchteten ins Gespräch zu kommen.
So lobens- und nachahmenswert diese Geste auch sein mag: An der Abschiebung der jungen Leute wird das kaum etwas ändern. Nach Zugang des Asyl-Ablehnungsbescheids haben die Betroffenen vier Wochen Widerspruchsfrist, die laut Porsch von einigen Männern mittels Klage auch wahrgenommen worden sei. „Danach müssen sie leider das Land verlassen.”