Die Stadtverwaltung Bayreuth ist mit rund 1.500 Mitarbeitenden von ihrer Größe her mit einem größeren Unternehmen vergleichbar. Eine Verwaltung dieser Größenordnung benötigt eine klare Struktur mit unterschiedlichen Schwerpunkt- und Geschäftsbereichen.
„In der Vergangenheit wurde die Stadtverwaltung immer wieder unterschiedlich organisiert. Dabei haben sich sowohl die Zuständigkeiten der einzelnen Referate als auch die darunter angesiedelten Dienststellen und Organisationseinheiten verändert”, so Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel.
Bereits in der vergangenen Wahlperiode gab es wiederholt den Appell, die historisch und teilweise durch die jeweiligen Personen gewachsene Verwaltungsstruktur zu überprüfen und zu konsolidieren. Dabei sollte grundsätzlich geklärt werden:
• Wie soll sich die Stadtverwaltung künftig aufstellen?
• Welche Perspektiven sollen geschaffen werden?
• Wie lässt sich die Verwaltung sinnvoller und effizienter strukturieren?
Anlass für die erneute Überprüfung
Aus Sicht des Oberbürgermeisters gibt es aktuell zwei personelle Anlässe, die genutzt werden sollen, um die zukünftige Organisation der Stadtverwaltung grundsätzlich zu überdenken.
Zum einen ist das bisherige Referat 5 - Kultur und Wirtschaft derzeit vakant.
Zum anderen wird sich im Referat Planung und Bauen ebenfalls eine gravierende, personelle Änderunge ergeben. Die jeweilige Nachfolge auf solchen Führungspositionen müsse rechtzeitig und vernünftig geplant werden.
Die personellen Veränderungen sollen deshalb als Gelegenheit genutzt werden, die gesamte Verwaltungsstruktur zu überprüfen und neu auszurichten.
Grundsätzlicher Reformbedarf
Der Oberbürgermeister ist der Überzeugung, dass zusammenhängende Aufgabenbereiche künftig stärker gebündelt werden müssen.
In der Stadtverwaltung gibt es insgesamt 52 Dienststellen beziehungsweise Einheiten, wenn die entsprechenden Untereinheiten mitgerechnet werden. Das sei eine erhebliche Anzahl. „Die Vielzahl der Aufgaben müssen besser zusammen organisiert und sinnvoller auf die einzelnen Referate verteilt werden. Ziel ist es, die Zuständigkeiten ausgewogener zu gestalten und besonders große Belastungsspitzen einzelner Referate zu vermeiden”, so Andreas Zippel.
Dabei gehe es nicht nur um einzelne Personalentscheidungen, sondern um eine grundsätzliche Neuordnung der Verwaltungsorganisation.
Rolle des Oberbürgermeisters: Weg von der Doppelzuständigkeit
Ein weiterer wichtiger Punkt ist aus Sicht des Oberbürgermeisters die bisherige Doppelrolle des Stadtoberhaupts. „Der Oberbürgermeister ist derzeit gleichzeitig für ein eigenes Fachreferat zuständig. Ein Beispiel dafür ist seine Funktion als Sportreferent. In dieser Rolle soll er sich ausdrücklich für den Sport und dessen Interessen einsetzen”, so Zippel.
„Gleichzeitig bin ich als Oberbürgermeister jedoch der gesamten Stadt und der gesamten Verwaltung verpflichtet. Ich muss unterschiedliche Interessen abwägen und dabei unter anderem Personal, Finanzen, politische Schwerpunkte und organisatorische Fragen berücksichtigen.”
Diese beiden Aufgabenbereiche seien nur schwer miteinander zu vereinbaren.
Der Oberbürgermeister sieht seine wichtigere Aufgabe darin,
• die Gesamtverwaltung zu führen und zu moderieren,
• strategische Ziele und Richtungen vorzugeben,
• Entscheidungen innerhalb der Verwaltung auszuhandeln,
• mit den politischen Fraktionen zusammenzuarbeiten,
• die Interessen der Gesamtstadt zu vertreten und
• den Austausch mit der Öffentlichkeit zu führen.
Hinzu komme der zeitliche Aufwand. Die Referate seien teilweise sehr groß. Als Beispiel nannte er das Sozialreferat (Referat III), in dem mehr als 400 Mitarbeitende beschäftigt sind. Die Dienststellen benötigten eine Führungsperson, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehe, kurzfristig Probleme lösen könne und sich um fachliche Themen sowie die Vernetzung mit anderen Referaten kümmere.
Zippel hat dafür aufgrund seines Terminkalenders deutlich weniger zeitliche Möglichkeiten. Selbst eine kurzfristig benötigte halbe Stunde sei häufig nur schwer einzurichten.
Deshalb sei er überzeugt, dass er sich künftig stärker auf seine Führungsaufgaben konzentrieren müsse und weniger eine klassische Fachreferentenposition ausfüllen sollte. Das sei auch in vielen anderen Städten vergleichbarer Größe üblich.
Zuständigkeiten bei der Neuorganisation
Andreas Zippel erläuterte auch die Zuständigkeiten bei der Umsetzung der Reform. Die Organisationsstruktur der Stadtverwaltung fällt in seinen Zuständigkeitsbereich. Änderungen am Stellenplan und entsprechende Anpassungen müssen dagegen vom Stadtrat beschlossen werden. Der Stadtrat hatte in seiner Sitzung Ende Oktober mehrheitlich grünes Licht für die geplanten Veränderungen gegeben.
Konkrete Änderungen bereits ab November
Die ersten organisatorischen Veränderungen sollen bereits im November umgesetzt werden. Zum Beispiel: Bisher gab es eine Stabsstelle, die sich unter anderem mit Digitalisierung beschäftigt hat. Diese soll künftig in ein eigenständiges Amt für Digitalisierung umgewandelt werden. Das neue Amt wird direkt dem Referat des Oberbürgermeisters zugeordnet. Andreas Zippel begründet diesen Schritt mit der wachsenden Bedeutung der Digitalisierung und den zahlreichen Umstrukturierungsprozessen innerhalb der Verwaltung. Die Themen Digitalisierung, Automatisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz sollen deshalb unmittelbar bei ihm angesiedelt bleiben. Dabei gehe es nicht allein um technische Digitalisierung. Vielmehr müsse Digitalisierung vor allem als Prozessoptimierung verstanden werden.
Neuausrichtung des bisherigen Referats 5
Das bisherige Referat 5 trägt die Bezeichnung Kultur und Wirtschaft. Aus Zippels Sicht hat sich diese Kombination nicht als sinnvoll erwiesen. Insbesondere zwischen den Bereichen Kultur und Wirtschaft gebe es zu wenige inhaltliche Schnittmengen. Deshalb soll das Referat künftig neu ausgerichtet werden. Vorgesehen ist ein Referat für Kultur, Tourismus und Sport.
Die Zusammenführung von Kultur und Tourismus knüpft an eine frühere Organisationsstruktur an. Neu hinzukommen soll der Bereich Sport. Zippel sieht zwischen den Bereichen Kultur und Sport zahlreiche Gemeinsamkeiten. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Vernetzung mit der Stadtgesellschaft. Auch im Sportbereich soll künftig ein Sportentwicklungsplan betreut werden, der die langfristige Entwicklung des Sports in Bayreuth in den Blick nimmt. Die Bereiche Kultur und Sport hätten insbesondere bei der Organisation und Nutzung von Räumen sowie bei der Durchführung von Veranstaltungen viele Gemeinsamkeiten.
In beiden Bereichen gehe es darum, städtische Einrichtungen und Veranstaltungsorte mit Leben zu füllen, Sport- und Kulturstätten sinnvoll zu nutzen, ehrenamtliche und hauptamtliche Strukturen einzubinden, Veranstaltungen zu organisieren, Vereine und Institutionen zu vernetzen und Projekte und Entwicklungen voranzutreiben.
All diese Aufgaben seien weniger klassische Ordnungs- und Leistungsverwaltung, sondern vielmehr durch Projektarbeit, Kreativität, Organisation und Management geprägt. Auch der Tourismus passe gut in die neue Struktur. Hier gehe es vor allem darum, die städtischen Einrichtungen, Veranstaltungen und Angebote sowie die Stadt Bayreuth insgesamt nach außen zu vermarkten. Durch die Zusammenlegung von Kultur, Tourismus und Sport sollen künftig sämtliche Aufgaben rund um Veranstaltungen, Vermarktung, Organisation und die Vernetzung mit der Stadtgesellschaft unter einem Dach zusammengeführt werden.
Das neue Referat soll damit maßgeblich dazu beitragen, Bayreuth als lebendige und lebenswerte Stadt weiterzuentwickeln.
Nachbesetzung des Referats 5
Das neue Referat V soll zeitnah ausgeschrieben werden, am liebsten noch in diesem Jahr, sodass im Laufe des Jahres 2027 eine geeignete Nachfolge gefunden werden kann.
Gesucht werde insbesondere eine Person mit ausgeprägten Management- und Organisationsfähigkeiten. Wichtig sei außerdem ein Verständnis dafür, wie die unterschiedlichen Einrichtungen und Aufgabenbereiche zusammengeführt und weiterentwickelt werden können.
Der Oberbürgermeister äußerte ausdrücklich den Wunsch, dass sich Menschen mit diesen Fähigkeiten bewerben und die Stadt Bayreuth bei der Weiterentwicklung unterstützen.
Weitere anstehende Veränderung im Jahr 2027
Neben der Neuausrichtung des Referats 5 muss sich die Stadtverwaltung auch mit der Nachbesetzung des derzeitigen Bau- und Planungsreferats beschäftigen.
Die bisherige Referentin, die leitende Baudirektorin Frau Kelm, wird im Juni 2027 in den Ruhestand gehen. Damit steht eine weitere personelle Veränderung in einer wichtigen Führungsposition an. Zippel sieht darin einen weiteren Anlass, die zukünftige Organisation der Verwaltung rechtzeitig zu planen.