Veröffentlicht am 05.11.2026 09:32

Paukenschlag: Klinikum Bayreuth vor dem (Teil-)Verkauf?

Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren.  (Foto: gmu)
Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren. (Foto: gmu)
Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren. (Foto: gmu)
Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren. (Foto: gmu)
Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren. (Foto: gmu)

BAYREUTH. Die Ankündigung von Oberbürgermeister Andreas Zippel und Landrat Florian Wiedemann gleicht einem Paukenschlag: Stadt und Landkreis Bayreuth prüfen einen teilweise oder sogar den vollständigen Verkauf des Klinikum. Steigende Kosten, drohende Einnahmeausfälle und eine millionenschwere Sanierung setzen Stadt und Landkreis massiv unter Druck. Seit Jahren wird über die Zukunft des Klinikums Bayreuth diskutiert. Baupläne wurden entwickelt, überarbeitet und neue Zeitpläne aufgestellt. Plötzlich steht nicht mehr nur die Sanierung des Krankenhauses zur Debatte, sondern auch die Frage, wem das Klinikum künftig gehören soll.

Dabei schien zuletzt zumindest für den laufenden Betrieb ein Weg gefunden. Bis 2028 wollte das Klinikum durch seinen Sanierungskurs wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Doch neue gesetzliche Vorgaben machen diese Rechnung wohl zunichte. Geschäftsführer Dietmar Pawlik beziffert die drohenden Erlösausfälle für 2027 auf rund acht Millionen Euro. Bis 2030 könnten sie auf jährlich 20 Millionen Euro steigen. Insgesamt stehen bis dahin nahezu 60 Millionen Euro im Raum.

Für die ohnehin angespannten Haushalte von Stadt und Landkreis sind das bedrohliche Zahlen. Oberbürgermeister Andreas Zippel verweist auf die schwierige Haushaltslage der Stadt. Landrat Florian Wiedemann warnt vor den Folgen für die Kreisumlage und damit für die Gemeinden.

Eine Sanierung mit Vorgeschichte
Die „Baustelle“ Klinikum beschäftigt die Bayreuther Kommunalpolitik seit vielen Jahren. Anfang 2020 berichtete die Bayreuther Sonntagszeitung, dass die Sanierungsplanungen seit längerer Zeit auf Eis lagen. Im damaligen Kommunalwahlkampf forderten gleich drei Oberbürgermeisterkandidaten einen Neubau.

Die örtlichen Landtagsabgeordneten Franc Dierl (CSU) und Tim Pargent (Grüne) sowie der frühere Oberbürgermeister Thomas Ebersberger sehen unterschiedliche Wege aus der Krise.

Thomas Ebersberger:Noch ist der Verkauf nicht beschlossen
Bis April 2026 war Thomas Ebersberger Oberbürgermeister, und von einer Privatisierung war keine Rede. Was hat sich in den vergangenen sechs Monaten verändert? „Grundsätzlich wäre die Finanzierung zu schaffen gewesen“, sagt er auf Anfrage dieser Redaktion. Allein durch die Zusammenlegung der beiden Klinikstandorte am Roten Hügel und der Hohen Warte seien jährliche Verbesserungen des Betriebsergebnisses um acht bis zwölf Millionen Euro zu erwarten gewesen. Gleichzeitig habe sich jedoch die Haushaltslage der Stadt innerhalb weniger Monate erheblich verschlechtert. „Wir müssen alles unternehmen, dass es nicht zu einer großen Privatisierung kommt.“ Noch sei ohnehin kein Verkauf beschlossen, sondern lediglich die Prüfung verschiedener Möglichkeiten. Als wichtigen Zukunftsfaktor sieht Thomas Ebersberger den Medizincampus Oberfranken und ein mögliches stärkeres Engagement des Freistaats. Sein Wunsch bleibt die kommunale Trägerschaft.

MdL Franc Dierl befürwortet Teilverkauf
Für den Bayreuther CSU-Landtagsabgeordneten Franc Dierl ist die Entwicklung keine Überraschung. Die finanziellen Probleme hätten sich seit Langem abgezeichnet. Einen privaten Partner hält Franc Dierl inzwischen für einen gangbaren Weg.

„Hinter einem Teilverkauf stehe ich. Wir können ein Krankenhaus der Maximalversorgung auf kommunaler Ebene in Zukunft nicht halten“, sagt Franc Dierl. „Einen Notverkauf, so wie es aktuell kommuniziert worden ist, würde ich absolut ablehnen.“ Franc Dierl verweist auf seine Erfahrungen in den zuständigen Landtagsausschüssen und auf die angespannte Finanzlage der öffentlichen Haushalte.

Wenig Hoffnung macht Franc Dierl auf eine Umwandlung des Klinikums in ein Universitätsklinikum. Die Chancen dafür gingen aus seiner Sicht „gleich null“. Gespräche in München wolle er dennoch führen.

Zugleich betont Franc Dierl die Bedeutung des Klinikums für die Region. „Ich stehe hinter der Klinik. Hier wird sehr gute Arbeit geleistet. Ich stehe hinter den Mitarbeitern.“ Die rund 3.700 Arbeitsplätze müssten erhalten bleiben. Auch den Medizincampus Oberfranken, also die Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum und der Universität Erlangen, bewertet Franc Dierl positiv. Diese Verbindung werde sich langfristig auszahlen.

Tim Pargent setzt auf den Freistaat
Anders sieht der Bayreuther Grünen-Landtagsabgeordnete und finanzpolitische Sprecher seiner Fraktion, Tim Pargent, die Zukunft des Klinikums. Zwar seien die finanziellen Schwierigkeiten bekannt gewesen, die Ankündigung einer möglichen Privatisierung sei zu diesem Zeitpunkt aber auch für ihn überraschend gekommen.

Einen privaten Investor hält Tim Pargent für den falschen Weg. Medizinische Versorgung und medizinische Ausbildung gehörten für ihn in öffentliche Hand. Statt eines Verkaufs an einen privaten Krankenhauskonzern setzt Tim Pargent auf eine stärkere Verantwortung des Freistaats.

In der Verbindung mit dem Universitätsklinikum Erlangen und der Friedrich-Alexander-Universität sieht Tim Pargent eine Chance für Bayreuth. Der Medizincampus Oberfranken könne zum Ausgangspunkt für ein eigenständiges Universitätsklinikum in Oberfranken werden. Als Krankenhaus der Maximalversorgung bringe Bayreuth dafür wichtige medizinische Voraussetzungen mit. Stadt und Landkreis könnten die finanziellen Herausforderungen auf Dauer kaum allein bewältigen. Deshalb müsse über eine schrittweise Beteiligung des Freistaats gesprochen werden, die langfristig auch in eine vollständige Übernahme münden könnte.

Entsprechende Gespräche in München will Tim Pargent anstoßen. Dass eine solche Lösung ein langer Weg wäre, ist ihm bewusst.

Die Entscheidung ist noch offen
Wie es mit dem Klinikum weitergeht, bleibt zunächst offen. Nach den Überlegungen der Verantwortlichen könnte ein privater Investor bis zu 49 Prozent der Gesellschaftsanteile übernehmen. Auch ein weitergehender Verkauf wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Ein künftiger Investor würde jedoch bei wichtigen Entscheidungen mitreden wollen. Die Gewerkschaft ver.di fordert deshalb bereits jetzt verbindliche Tarif- und Beschäftigungsgarantien.

In den kommenden Monaten sollen verschiedene Modelle geprüft werden.


Von Gabriele Munzert
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