Das Klinikum Bayreuth steht vor einer schwierigen finanziellen Zukunft. Steigende Kosten, neue gesetzliche Vorgaben und ein hoher Investitionsbedarf bringen das Krankenhaus und seine Träger zunehmend unter Druck. Besonders die Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes verschärfen die Lage. Stadt und Landkreis Bayreuth wollen deshalb gemeinsam nach Lösungen suchen, um die Zukunft des Klinikums und die Gesundheitsversorgung in der Region zu sichern
Bislang war das Klinikum davon ausgegangen, durch den eingeschlagenen Sanierungskurs bis 2028 ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen zu können. Die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen machen diese Planung jedoch zunichte. „Nach Berechnungen des Klinikums könnten die fehlenden Erlöse im Jahr 2027 zunächst rund acht Millionen Euro betragen. Bis 2030 könnte sich die jährliche Belastung auf rund 20 Millionen Euro erhöhen. Insgesamt rechnet das Krankenhaus bis dahin mit Erlösminderungen von fast 60 Millionen Euro. Besonders betroffen seien unter anderem die Vergütung medizinischer Leistungen, das Pflegebudget und die Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst“, so Dietmar Pawlik, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH.
Gleichzeitig schreitet die geplante bauliche Erneuerung des Klinikums voran. Das Krankenhaus soll in mehreren Bauabschnitten modernisiert und langfristig an einem Standort zusammengeführt werden. Die ersten beiden Bauabschnitte umfassen ein neues OP-Zentrum, eine Notaufnahme, eine Intensivstation und einen Hubschrauberlandeplatz. Sie sollen bis Ende 2030 fertiggestellt werden. Insgesamt wird für das Bauvorhaben mit Kosten von bis zu einer Milliarde Euro gerechnet. Der Abschluss ist für die Jahre 2039 oder 2040 vorgesehen. Die Modernisierung sei notwendig, um die medizinische Versorgung langfristig zu sichern und neue Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen. „Vor 40 Jahren wurde das Klinikum bezogen, es kann somit nicht mehr den Standard“, so Dietmar Pawlik.
Für Stadt und Landkreis wird die Finanzierung damit zu einer erheblichen Herausforderung. Beide Träger müssen bereits ihren Anteil an den Baukosten über Kredite finanzieren. Hinzu kommen nun mögliche Zuschüsse zum laufenden Betrieb des Klinikums. Für 2027 rechnen die Verantwortlichen mit einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von rund acht Millionen Euro, der jeweils zur Hälfte von Stadt und Landkreis getragen werden müsste. In den Folgejahren könnte dieser Betrag weiter steigen.
Die finanziellen Spielräume der Kommunen sind allerdings bereits stark eingeschränkt. „Die Stadt Bayreuth weist für 2026 ein geplantes Defizit von acht Millionen Euro aus. Beim Haushaltsvollzug liegt das Minus bereits bei 17 Millionen Euro“, so Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel. Gleichzeitig stehen zahlreiche weitere Großprojekte an. Auch der Landkreis sieht sich mit erheblichen finanziellen Belastungen konfrontiert. „Zusätzliche Ausgaben für das Klinikum könnten sich zudem auf die Kreisumlage und damit unmittelbar auf die Gemeinden auswirken“, so Landrat Florian Wiedemann.
Nach Einschätzung der Regierung von Oberfranken könnten die zusätzlichen Kreditaufnahmen und Betriebskostenzuschüsse dazu führen, dass die Haushalte von Stadt und Landkreis künftig nicht mehr genehmigungsfähig wären. „Damit stünden auch andere wichtige Aufgaben auf dem Spiel. Schulsanierungen, Kindergärten, Straßen und freiwillige Leistungen könnten dann kaum noch finanziert werden“, so Florian Wiedemann.
Stadt und Landkreis betonen dennoch, dass sie den Gesundheitsstandort Bayreuth erhalten und das Klinikum zukunftsfähig aufstellen wollen. „Eine Einschränkung wichtiger medizinischer Angebote wie der Geburtshilfe oder der Notaufnahme stehe nicht zur Debatte“, so Florian Wiedemann. Stattdessen sollen nun verschiedene Finanzierungsmodelle geprüft werden. Dazu gehören Gespräche mit der Staatsregierung über eine mögliche Weiterentwicklung des Medizincampus Oberfranken und eine mögliche Anerkennung des Klinikums als Universitätsklinikum. Auch höhere staatliche Investitionsmittel sowie eine Beteiligung privater Geldgeber werden geprüft.
Ziel ist es, dem Klinikum zusätzliches Eigenkapital und damit wieder mehr finanziellen Handlungsspielraum zu verschaffen. Gleichzeitig soll die Umsetzung der Medizinstrategie weiter vorangetrieben werden. Für die Verantwortlichen steht fest: Die Gesundheitsversorgung in Bayreuth und der Region soll auf hohem Niveau erhalten bleiben. Dafür müssen jedoch Lösungen gefunden werden, die das Klinikum stärken, ohne die finanziellen Möglichkeiten von Stadt und Landkreis langfristig zu überfordern.