Acht Jahre lang stand sie an der Spitze der Stadt Bayreuth, setzte große Projekte um und musste auch heftige Kritik einstecken. Nun wurde Brigitte Merk-Erbe zur Altoberbürgermeisterin ernannt. Sie war von 2012 bis 2020 im Amt und die erste Frau an der Spitze der Stadt. Im Interview blickt sie auf politische Entscheidungen und ihr Leben nach dem Rathaus zurück.
Was bedeutet Ihnen die Ernennung zur Altoberbürgermeisterin, und worauf sind Sie aus Ihrer Amtszeit besonders stolz? Brigitte Merk-Erbe: Mir bedeutet diese Ehrung viel, auch sehe ich in dieser Ehrung alle eingeschlossen, die mich - sei es im Stadtrat, sei es in der Verwaltung – loyal unterstützt haben.
Das Friedrichsforum war eines Ihrer großen Projekte und damals durchaus umstritten. Heute findet dort Ihre Ehrung statt. Welches Gefühl ist das?
Brigitte Merk-Erbe: Das ist schon noch einmal etwas Besonderes. Die Diskussionen, die es um die Sanierung des Friedrichsforums damals gegeben hat, waren ja alles andere als milde. Aber bei Größe und Bedeutung des Projekts für die Stadt und das kulturelle Leben sind diese Diskussionen eben auch Zeugnis der „Berührtheit“ der Menschen. Bausubstanz, Technik, Akustik, was das Friedrichsforum heute „kann“, das ist ein wirklich sehr gutes Ergebnis. Dass die Ehrung im Friedrichsforum stattfand, war eine schöne Geste des Oberbürgermeisters Dr. Andreas Zippel, fand doch im Balkonsaal der Stadthalle im Jahr 2012 meine Amtseinführung statt. In gewisser Weise schließt sich da ein Kreis.
Die Landesgartenschau 2016 ist ein besonderes Ereigniss Ihrer Amtszeit. Was geht Ihnen, wenn Sie heute dort spazieren gehen?
Brigitte Merk-Erbe: Zunächst einmal sei daran erinnert, dass der Zuschlag zur Landesgartenschau in die Amtszeit meines Vorgängers fiel. In meine Amtszeit fiel die gesamte Organisation, Vorbereitung sowie die Durch-führung. Wir wollten mehr als nur für ein paar Monate eine Schau haben. Heute können wir sagen: Wir haben einen Park mit den schönsten Sonnenuntergängen am Kulturkiosk und einem Freizeitangebot, das es so in anderen Städten nicht gibt. Daran haben viele Menschen in unserer Stadt und Region einen großen Anteil. Gehe ich dort – gleich ob mit Freunden oder mit Familie - spazieren, treffe ich immer auf Menschen, die sich für die Wilhelminenaue begeistern, oftmals auch von Anfang sich für diesen Park engagiert haben.
2020 verloren Sie die Stichwahl gegen Thomas Ebersberger und zogen sich anschließend aus der Kommunalpolitik zurück. Welche Entscheidung aus Ihrer Amtszeit würden Sie heute anders treffen, und was hätten Sie gerne noch umgesetzt?
Brigitte Merk-Erbe: Im Rückblick kann man immer Entscheidungen finden, die aus gegenwärtiger Sicht anders ausfallen könnten. Entscheidend für mich ist, dass die Summe aller Entscheidungen Bayreuth deutlich weiterentwickelt haben: das Stadtarchiv, der Medizincampus, das neue Wohngebiet Untere Rotmainaue. Auch der neue Standort der Reha-Klinik der Deutschen Rentenversicherung und natürlich das Friedrichsforum. Für all diese Projekte und andere mehr, wurden die Grundlagen in meiner Amtszeit gelegt.
Wie genießen Sie den Ruhestand, und was vermissen Sie aus Ihrer Zeit als Oberbürgermeisterin?
Brigitte Merk-Erbe: Die ehemalige Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat bei meiner Verabschiedung im Oktober 2020 in ihrer Rede gesagt: „Vorbei die Zeit, als wir immer ran mussten, immer – egal wie man so drauf war. Freuen Sie sich darauf. Es gibt ein Leben nach der Politik.“ Ich versuche, diesen Rat zu beherzigen.