Veröffentlicht am 29.10.2026 14:43

Spinalkanalstenose: Wenn Nerven unter Druck geraten

Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Linsler (Foto: red )
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Forum Gesundheit aus der Neurochirurgie: Spinalkanalstenose – Ursachen und Behandlungsalternativen.

Ungeschickte Hände, die kaum noch einen Knopf schließen können, Schmerzen beim Gehen, sodass man immer wieder Pausen machen muss – das sind nur zwei mögliche Beschwerdebilder, die auf eine Spinalkanalstenose hinweisen. Auch, wenn die Symptome auf den ersten Blick ähnlich wirken, im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall handelt es sich bei der Spinalkanalstenose um eine degenerative Verschleißerkrankung, die vor allem älteren Menschen zu schaffe macht. Das muss nicht sein, sagt Prof. Dr. Stefan Linsler, Direktor der Klinik für Neurochirurgie. Operativ lassen sich die Beschwerden gut behandeln – und das bis ins hohe Alter. Am kommenden Mittwoch, 04. November, stellt er um 18 Uhr Krankheitsbild und Behandlungsalterativen beim Forum Gesundheit in der Klinik Hohe Warte vor.

Was versteht man unter einer Spinalkanalstenose?
Prof. Linsler: Dabei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, in dem das Rückenmark beziehungsweise die Nerven verlaufen. Meist sind Verschleißerscheinungen dafür verantwortlich: Bandscheiben verlieren an Höhe, Knochenanbauten entstehen und Bänder verdicken sich – meist im Bereich der Lenden- oder der Halswirbelsäule. An der Halswirbelsäule kann dadurch das Rückenmark selbst unter Druck geraten, im Bereich der Lendenwirbel sind vor allem die Nervenwurzeln betroffen.

Was unterscheidet eine Stenose von einem Bandscheibenvorfall?
Prof. Linsler: Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Bandscheibengewebe nach außen und reizt oder bedrängt einzelne Nerven. Bei einer Spinalkanalstenose ist dagegen der Wirbelkanal verengt – häufig durch altersbedingte Veränderungen – es ist eine Verschleißerkrankung, die eher im Alter auftritt. Während ein Bandscheibenvorfall oft plötzlich Beschwerden auslöst, entwickelt sich eine Stenose meist schleichend. Unbehandelt kann sie zu anhaltenden Schmerzen, Einschränkungen der Beweglichkeit und im ungünstigen Fall zu dauerhaften Nervenschäden führen.

Welche Symptome sollten hellhörig machen?
Prof. Linsler: Bei einer Stenose im Lendenwirbelbereich sind Rückenschmerzen, ausstrahlende Schmerzen in Gesäß und Beine, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schwäche typisch. Viele Betroffene können nur kurze Strecken gehen und laufen zunehmend unsicher; beim Sitzen oder Vorbeugen lassen die Beschwerden häufig nach. Auch Fahrradfahren oder Bergaufgehen bereitet meist keine Probleme. Bei einer Stenose im Bereich der Halswirbelsäule berichten Betroffene meist über feinmotorische Probleme in den Händen. Sie werden ungeschickter, haben Schwierigkeiten beim Schreiben oder beim Schließen von Knöpfen. Treten plötzlich Lähmungen, Taubheit im Schritt oder neuen Blasen- und Darmentleerungsstörungen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.

Wie läuft die Diagnostik ab?
Prof. Linsler: Natürlich fragen wir die Beschwerden ab, untersuchen Kraft, Gefühl und Reflexe. Weisen die Beschwerden auf eine Stenose hin, gibt ein MRT Aufschluss. Es zeigt uns exakt, wo der Spinalkanal verengt ist und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und ob Nerven oder Rückenmark bedrängt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Prof. Linsler: Bei leichteren Beschwerden helfen häufig Physiotherapie, gezielter Muskelaufbau, angepasste Bewegung und Schmerzmittel. Das hilft aber nur gegen die Symptome, also die Schmerzen. Es behebt die Ursache nicht. Bei anhaltenden Beschwerden oder neurologischen Ausfällen ist daher meist eine Operation notwendig, um knöcherne Anbauten abzutragen oder verdickte Bandanteile zu entfernen und den Kanal zu weiten, sodass nichts mehr auf die Nerven drückt. Auf die Möglichkeiten, die wir hier haben, gehe ich im Rahmen des Vortrags genauer ein.

Wann sollte man operieren – und ist das auch im Alter noch ratsam?
Prof. Linsler: Wenn Beschwerden trotz Behandlung bestehen bleiben, die Gehfähigkeit deutlich eingeschränkt ist oder neurologische Ausfälle zunehmen, sollte eine Operation zumindest in Betracht gezogen werden. Entscheidend ist dabei immer das persönliche Empfinden: Wie stark schränkt mich die Erkrankung ein? Wie stark sind die Schmerzen? Grundsätzlich rate ich durchaus auch in höherem Alter zu einer Operation, vor allem im Bereich der Halswirbelsäule. Ein verengter Spinalkanal macht die Wirbelsäule im Falle eines Traumas, also beispielsweise eines Sturzes oder Unfalls, anfälliger für eine Querschnittlähmung. Ein Risiko, das man durch eine Operation umgehen kann. Zudem sind viele Menschen heute auch im Alter sehr mobil und unternehmen viel. Darauf sollten Sie nicht verzichten müssen. Dank moderner Narkoseverfahren und schonender Operationstechniken sind derartige Eingriffe heute auch für ältere Menschen relativ risikoarm. Meist operieren wir minimalinvasiv und die Patienten können oft schon am Tag der Operation wieder aufstehen. Die meisten verlassen bereits nach zwei Tagen die Klinik wieder und sind nach rund zwei bis drei Wochen wieder weitestgehend normal belastbar. Ob eine OP sinnvoll ist, entscheiden daher neben den Beschwerden auch der allgemeine Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen und das individuelle Operationsrisiko – keinesfalls allein das Lebensalter.

Worauf können Patienten nach einer Operation hoffen?
Prof. Linsler: Die meisten Patientinnen und Patienten erleben ein deutliches Mehr an Lebensqualität. Sie können nach dem Eingriff wieder längere Strecken gehen ohne stehenzubleiben, leiden weniger unter Schmerzen und gewinnen Selbstständigkeit zurück. Im Idealfall hält das ein Leben lang. Doch auch, wenn die Stenose behoben ist: bereits bestehende Ausfälle bilden sich leider nicht immer vollständig zurück. Aber es wird nicht zu weiteren Schädigungen kommen.

Forum Gesundheit:
Spinalkanalstenose – Krankheitsbild und Therapieoptionen


Prof. Dr. Stefan Linsler, Direktor der Klinik für Neurochirurgie
Mittwoch, 04. November, 18 Uhr
Speisesaal im Therapiegebäude, Klinik Hohe Warte
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich

Weitere Informationen: klinikum-bayreuth.de/neurochirurgie

Ihr Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. med. Stefan Linsler
Direktor der Klinik für Neurochirurgie



    Von red
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