Wer Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt wird, braucht schnelle Hilfe und Schutz. Doch nicht alle Betroffenen möchten unmittelbar Anzeige erstatten. Das Klinikum Bayreuth bietet deshalb ab sofort eine vertrauliche Spurensicherung an. Opfer können sich medizinisch versorgen und Beweise sichern lassen, ohne dass automatisch die Polizei eingeschaltet wird. Auch gegenüber der Krankenkasse bleibt ihre Identität geschützt. Die Beweise werden für 2 Jahre sicher verwahrt, so können sich die Opfer innerhalb der zwei Jahre entscheiden, ob sie sich für eine Anzeige entscheiden”, so Prof. Dr. Christoph Mundhenke, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Nach einer Gewalterfahrung stehen Betroffene häufig unter Schock. Angst, Scham und Unsicherheit erschweren es, Hilfe zu suchen oder über rechtliche Schritte zu entscheiden. Das Klinikum Bayreuth ermöglicht deshalb als einziger Anbieter in Oberfranken eine vertrauliche Spurensicherung rund um die Uhr – in der Zentralen Notaufnahme und der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.
„Wir dürfen von Menschen, die gerade Gewalt erfahren haben, nicht erwarten, dass sie in diesem Moment bereits alle Entscheidungen treffen können. Wir müssen ihnen vielmehr Möglichkeiten eröffnen und ihnen Zeit geben“, betont Landrat Florian Wiedemann, Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum Bayreuth GmbH.
Vertraulichkeit und Selbstbestimmung stehen im Mittelpunkt
Betroffene können Verletzungen behandeln und mögliche Tatspuren dokumentieren lassen, ohne Anzeige erstatten zu müssen. Die gesicherten Beweise werden an das Institut für Rechtsmedizin Würzburg übermittelt. Eine frühere Vernichtung oder Verlängerung der Frist ist auf Wunsch möglich.
Die persönlichen Daten bleiben geschützt. Zwar benötigen die behandelnden Ärzte Namen und Kontaktdaten, diese werden jedoch vertraulich behandelt. Auch die Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenkasse erfolgt anonymisiert. Eine Weitergabe der Beweismittel an Polizei oder Staatsanwaltschaft erfolgt im Rahmen des Angebots nur mit ausdrücklicher Zustimmung.
„Wir geben den Menschen die Kontrolle über das weitere Vorgehen zurück. Sie entscheiden selbst, was mit den gesicherten Spuren geschehen soll und ob sie zu einem späteren Zeitpunkt weitere Schritte gehen möchten“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel.
Schnelle Hilfe kann entscheidend sein
Bei der Untersuchung werden Verletzungen dokumentiert und mögliche Tatspuren gesichert. Auch Kleidung und persönliche Gegenstände können wichtige Beweismittel sein. Auch welche Untersuchungen durchgeführt werden entscheidet das Opfer selbst.
„Wenn ein Mensch Gewalt erlebt hat, braucht es zunächst vor allem Sicherheit und medizinische Versorgung. Gleichzeitig wissen wir, dass eine schnelle und professionelle Spurensicherung später von großer Bedeutung sein kann“, sagt Prof. Dr. Mundhenke.
Betroffene sollten möglichst zeitnah medizinische Hilfe aufsuchen und nach Möglichkeit vorher weder duschen noch die Kleidung wechseln. Auch nach dem Duschen oder Umziehen ist eine Untersuchung weiterhin sinnvoll. HIV- und Hepatitis-Tests sind nicht Bestandteil der vertraulichen Spurensicherung.
Neben der medizinischen Versorgung arbeitet das Klinikum mit regionalen Beratungsstellen zusammen, darunter Avalon e. V., das Frauenhaus Bayreuth sowie Beratungsstellen des Landratsamts und der Diakonie.
„Wer nach einer Gewalterfahrung zu uns kommt, soll spüren: Ich werde ernst genommen. Mir wird geglaubt. Ich bekomme die Hilfe, die ich jetzt brauche. Und meine Entscheidung darüber, wie es weitergeht, wird respektiert“, betont Klinikum-Geschäftsführer Dietmar Pawlik.
Hilfe rund um die Uhr
Die vertrauliche Spurensicherung ist jederzeit an folgenden Stellen möglich:
Zentrale Notaufnahme: 0921 / 400-3111
Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe: 0921 / 400-5599
Betroffene erhalten dort medizinische Hilfe und können Beweise sichern lassen, ohne sich sofort für eine Strafanzeige entscheiden zu müssen.