BAYREUTH.Ein Maibaum, der plötzlich verschwindet – und zunächst niemand bemerkt es: Was wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, ist in Bayreuth tatsächlich passiert. Der frisch geschlagene Maibaum, der auf dem Gelände des Stadtbauhofs gelagert war, wurde gestohlen. Und das so unauffällig, dass Bauhof-Leiter Bernd Sellheim und sein Team davon erst erfuhren, als sich die Diebe selbst meldeten.
Die Täter riefen an – und stellten ihre Forderung. In Absprache mit Oberbürgermeister Ebesberger wurden 100 Liter Bier und ein Spanferkel vereinbart. Erst durch diesen Anruf wurde klar: Der Maibaum war längst nicht mehr dort, wo er sein sollte. Nach der Übergabe des „Lösegelds“ kehrte das gute Stück schließlich wieder auf den Bauhof zurück.
Wie der Diebstahl gelingen konnte, zeigte sich erst im Nachhinein. Eine Gruppe aus dem Kirchenpingartner Ortsteil Tressau hatte ein Loch im Zaun entdeckt und sich so Zugang zum Gelände verschafft. Von innen öffneten sie ein Tor und transportierten den Baum mit einem Traktor ab. Das Loch im Zaun wurde sogar über mehrere Tage hinweg bewacht – offenbar, um sicherzugehen, dass keine anderen Maibaumdiebe zuvor zugreifen.
Dabei hatte es die Gruppe nicht gerade leicht: Der Bayreuther Maibaum ist über 23 Meter lang und bringt rund drei Tonnen auf die Waage. Entsprechend aufwändig war die Aktion – und offenbar lange geplant.
Dass die Sache am Ende eher für Schmunzeln als für Ärger sorgt, liegt an einer alten Tradition: Maibäume dürfen gestohlen werden, solange sie noch nicht aufgestellt sind. Die Tressauer hielten sich dabei an den Ehrenkodex – ohne Gewalt, ohne Beschädigungen.
Für die Gruppe ist es nach eigenen Angaben der bislang größte Coup. Im vergangenen Jahr waren sie bereits in Kemnath erfolgreich. Diesmal wollte man noch eine Schippe drauflegen. „Wir können doch mal richtig übertreiben“, soll die Idee gewesen sein. Eine kurze Internetrecherche führte sie schließlich zum Bayreuther Bauhof.
Nach dem Diebstahl ging es quer durchs Umland: über Cottenbach, Ramsenthal, Bindlach und Weidenberg bis nach Tressau. Ein Video der Aktion ist inzwischen auf der Instagram-Seite des Radiosenders Antenne Bayern zu sehen, der die Gruppe später auch bei der Rückfahrt begleitete.
Am Ende hat die Geschichte ein gutes Ende – ganz im Sinne der Tradition. Der Maibaum ist zurück, und er kann wie geplant am Donnerstag in der Fußgängerzone aufgestellt werden: mit Kranz, bunten Bändern und Zunftzeichen. Und vermutlich auch mit der ein oder anderen Geschichte mehr, die man sich in Bayreuth künftig rund um den Maibaum erzählen wird.