BAYREUTH.18 Jahre lang stand Ralph Herrmann an der Spitze der Bayreuther Feuerwehr und ist im Frühjar nicht mehr zur Wahl angetreten. Nun hat Lucas Lauterbach das Amt des Stadtbrandrats übernommen. Im Interview spricht er über seine ersten Monate, die Herausforderungen der neuen Aufgabe und seine Pläne für die Zukunft der Bayreuther Feuerwehr.
Die Feuerwehr muss im Ernstfall schnell genügend Einsatzkräfte vor Ort haben. Wie gut ist Bayreuth personell aufgestellt – und wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Lucas Lauterbach:Im Stadtgebiet Bayreuth sind wir personell grundsätzlich gut aufgestellt. Die Freiwillige Feuerwehr Bayreuth verfügt über rund 400 Feuerwehrdienstleistende, davon
etwa 50 hauptamtlich. Damit sind wir die größte Feuerwehr Oberfrankens. Hinzu kommt die
Freiwillige Feuerwehr Laineck mit knapp 50 Feuerwehrdienstleistenden. Eine besondere Stärke ist das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt. In unserer Abteilung Ständige Wache stehen rund um die Uhr zehn hauptamtliche Feuerwehrbeamte im Schichtdienst zur Verfügung und stellen den schnellen ersten Zugriff sicher. Je nach Einsatzlage werden sie innerhalb kürzester Zeit durch die ehrenamtlichen Feuerwehrdienstleistenden aus unseren neun Standorten ergänzt. Für die Zukunft sehen wir vor allem die demografische Entwicklung als Herausforderung. Diese betrifft die Feuerwehren genauso wie viele andere Bereiche der Gesellschaft. Unsere Aufgabe ist es, unsere Einsatzbereitschaft trotz dieser Rahmenbedingungen zu erhalten.
Brände, Unwetter, Vegetations- und Waldbrände oder Einsätze auf Autobahnen. Die Anforderungen werden vielfältiger. Auf welche Einsatzlagen muss sich die Feuerwehr Bayreuth künftig besonders einstellen?
Lucas Lauterbach:Unsere klassischen Aufgaben im Brandschutz und in der technischen Hilfeleistung bleiben bestehen, gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an die Feuerwehr. Einen wesentlichen Einfluss hat dabei der Klimawandel. Starkregen-
ereignisse, Unwetter sowie Vegetations- und Waldbrände, werden uns dauerhaft beschäftigen. Darauf stellen wir uns sowohl in der Ausbildung als auch bei der Ausrüstung ein. Das ist natürlich auch mit entsprechenden Investitionen verbunden. Gerade im Bereich der Waldbrandbekämpfung verfügen wir bereits über viel Erfahrung. Bei der Waldbrandbekämpfung aus der Luft übernehmen wir eine besondere Aufgabe für den gesamten Regierungsbezirk. Wir waren mit unseren Kräften auch bereits bei größeren Einsatzlagen außerhalb Bayerns, unter anderem in Thüringen und Sachsen, im Einsatz. Gleichzeitig sind wir in das bayernweite System der Katastrophenhilfe eingebunden. Ein weiteres wichtiges Themenfeld sind mögliche Krisenlagen infolge geopolitischer Spannungen. Die Feuerwehr ist auch hier ein zentraler Akteur im Bevölkerungsschutz. Deshalb müssen wir unsere Strukturen und Fähigkeiten so weiterentwickeln, dass wir auch in solchen Lagen handlungsfähig bleiben und die Bevölkerung wirksam unterstützen können.
Sie wollen Ausbildung und Nachwuchsarbeit stärken. Was muss sich konkret verändern, damit die Feuerwehr auch in Zukunft leistungsfähig und attraktiv für Ehrenamtliche bleibt?
Lucas Lauterbach:Eine starke Kinder- und Jugendfeuerwehr ist für unsere Zukunft von großer
Bedeutung. Dort wird bereits heute hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet und damit die Grundlage dafür geschaffen, dass junge Menschen früh an die Feuerwehr herangeführt werden und langfristig dabeibleiben. Gleichzeitig wollen wir den Einstieg in den Feuerwehrdienst auch für Quereinsteiger attraktiver gestalten. Dafür sind kompakte und flexible Ausbildungsangebote wichtig, die sich möglichst gut mit Beruf und Familie vereinbaren lassen. Zugleich wollen wir gezielt mehr Frauen für den Feuerwehrdienst gewinnen und damit unsere personelle Basis weiter verbreitern. Interview Gabriele Munzert
Tag der offenen Tür: 04. Oktober an der Feuerwache:
Am Sonntag, 04. Oktober, öffnet die Feuerwache Bayreuth ihre Türen. Beim Tag der offenen Tür, ab 10 Uhr, können Besucher Fahrzeuge und Technik besichtigen, die Wache kennenlernen und bei Aktionen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Derzeut engagieren sich über 400 ehrenamtliche und hauptamtliche Einsatzkräfte in der Stadt Der Programm-
ablauf sieht unter anderem Einsatzübungen, Wachführungen und ein Kinderprogramm vor.
Die als „Feuerzwerge“ bekannten Nachwuchskräfte zeigen um 11 Uhr eine eigene Schauübung. Die Kinderfeuerwehr feiert zudem ihr zehnjähriges Bestehen.