Die Wirtschaft in Oberfranken startet verhalten ins neue Jahr. „Die Wirtschaft spürt kaum Rückenwind, sie tritt auf der Stelle”, so Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Der IHK-Konjunkturklimaindex steigt nur minimal auf 95 Punkte und liegt damit weiter unter der entscheidenden 100er-Marke. „Die aktuellen Rahmenbedingungen sind für unsere Unternehmen echte Bremsklötze. Es ist, als müssten die Unternehmen gegen einen eisigen Gegenwind ankämpfen”, so der IHK-Präsident.
Nur der Dienstleistungssektor zeigt Frühlingslaune
Von den befragten Unternehmen im Kammerbezirk bewerten 25 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage positiv, 27 Prozent negativ. Damit verharren die Ergebnisse auf dem Niveau der Herbstumfrage 2025. Besonders schlecht ist die Stimmung in Industrie, Handel und Tourismus. Nur der Dienstleistungssektor zeigt sich in Frühlingslaune.
Die Inlandsnachfrage bleibt schwach. Ähnlich verhalten ist die Auslandsnachfrage, und zwar über alle Märkte hinweg. Lediglich im Raum Asien/Pazifik fällt die Einschätzung nicht ganz so negativ aus.
Im Saldo halten sich Unternehmen mit voller und unzureichender Auslastung die Waage. „Wirft man aber einen Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige, fällt die Einschätzung sehr unterschiedlich aus”, verdeutlicht IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm. Während Bau, Dienstleistungen und Tourismus im Saldo mit ihrer Auslastung eher zufrieden sind, hadert die Industrie mit dem Status Quo. Gerade einmal 17 Prozent verzeichnen eine gute, 48 Prozent dagegen eine unzureichende Auslastung.
Verhaltener Ausblick
„Hoffnungen auf einen Aufschwung haben weiterhin nur wenige Unternehmen”, macht Brehm deutlich. Nur 16 Prozent der Befragten rechnen mit einem Aufwärtstrend, 24 Prozent dagegen mit einem Abwärtstrend. „Die Dauer der Krise ist dabei noch gravierender als die Tiefe der Krise. Die Durststrecke dauert schon viel zu lange”, so der IHK-Präsident Dr. Waasner. Zuletzt überwogen im Herbst 2018 die Positivantworten. Besonders schlecht fallen die Erwartungen im Einzelhandel aus. Lediglich das Baugewerbe hofft im Saldo auf einen Aufwärtstrend. Hier spielt sicherlich auch das Infrastrukturpaket der Bundesregierung eine Rolle.
Die Ursache für den verhaltenen Blick ist in erster Linie die pessimistische Einschätzung des Auftragsvolumens aus dem Inland. Vor allem der Handel fällt durch eine sehr negative Einschätzung auf. Ebenfalls negativ, aber nicht ganz so pessimistisch ist der Blick auf die Auslandsnachfrage: Befeuert werden die Hoffnungen durch die Nachfrage aus dem Raum Asien/Pazifik, aber auch aus Nordamerika und dem Raum Afrika/Naher Osten. Weiterhin im Saldo spürbar negativ dagegen sind die Erwartungen an das Chinageschäft, aber auch die weitere Entwicklung im Euroraum wird zurückhaltend beurteilt.
Unveränderte Investitionsschwäche
Die Investitionsbereitschaft im Inland bleibt niedrig - nur 17 Prozent planen wachsende, 26 Prozent dagegen nachlassende Investitionen. Jedes fünfte Unternehmen plant keinerlei Investitionen. „Ohne Investitionen aber kein Wachstum”, warnt Dr. Waasner. Es überwiegen weiterhin Ersatzbeschaffungen und Rationalisierungen. „Unsere Unternehmen brauchen endlich klare Signale, dass sich Investitionen wieder lohnen.”
An vorderster Stelle als Ursache für den erneuten Investitionsrückgang nennen Unternehmen die allgemeine Wirtschaftspolitik: 80 Prozent der Unternehmen sehen darin ein erhebliches oder gewisses Hemmnis für Inlandsinvestitionen. Es folgen Arbeitskosten (72 Prozent) und die Steuerlast (70 Prozent). Weitere wichtige Hemmnisse stellen die fehlende Nachfrage und die Energiepreise dar (je 65 Prozent). Auffällig ist, dass sich vier dieser Top fünf Hemmnisse direkt durch politische Maßnahmen verändern ließen. Brehm: „Dies macht die Richtung des dringenden Handlungsbedarfs aus Sicht der Unternehmen offensichtlich.”
Anders als in den Vorjahren rechnen die Unternehmen bei den Auslandsinvestitionen im Saldo ebenfalls mit einem Rückgang. Auch hier stehen Ersatzbeschaffungen inzwischen an erster Stelle, in den vergangenen Jahren investierten die Unternehmen im Ausland dagegen vorrangig in Kapazitätserweiterungen und Produktinnovationen.
„Die lange Konjunkturflaute macht sich zusehends auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar”, so Brehm. 21 Prozent der Unternehmen planen einen Personalabbau, nur 10 Prozent einen Beschäftigtenzuwachs. Besonders negativ sind die Aussichten in der Industrie, im Groß- und im Einzelhandel.
„Die Herausforderungen für die Unternehmen sind groß, gerade in weiten Teilen der Industrie. Doch es gibt von Forschungsinstituten für das neue Jahr auch vorsichtig positive Szenarien. Wenn die Politik die Weichen für tiefgreifende Reformen jetzt endlich stellt, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft grundlegend verbessert und das Vertrauen im Land zurückkehrt, dann kann 2026 für die oberfränkische Wirtschaft durchaus besser werden als heute von vielen befürchtet.”, so Brehm.
Klare Forderungen an die Politik
„Die oberfränkischen Unternehmen befinden sich vor den schwierigsten wirtschaftlichen Herausforderungen seit vielen Jahrzehnten, sie warten auf den versprochenen 'Wachstumsbooster'. Die Unternehmen vermissen zu Recht entschlossene Schritte seitens der Politik „, mahnt Dr. Waasner an. Er fordert ein mutiges Reformprogramm, in erster Linie weniger Bürokratie und Überregulierung, niedrigere Arbeitskosten und eine verlässliche Wirtschaftspolitik. „Unser Land und unsere Gesellschaft müssen einfach wieder wirtschaftsfreundlicher werden! Die Politik steht in der Pflicht, Leitplanken für eine wachstums- und innovationsorientierte Wirtschaftspolitik zu setzen. Diskussionen wie zuletzt über eine Verschärfung der Erbschaftssteuer auf Betriebsvermögen und die Ablehnung des Mercosur-Abkommens durch das Europäische Parlament sind dabei absolut kontraproduktiv und für den Standort äußerst schädlich.”
Die IHK für Oberfranken Bayreuth befragt dreimal im Jahr ihre Mitgliedsunternehmen zur Einschätzung von Lage und Erwartungen. Erstmals wurde eine Konjunkturbefragung bereits in den 1950er Jahren durchgeführt. Der Konjunkturklimaindex berechnet sich aus den Salden der aktuellen Geschäftslage und der Erwartungen und gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Wert von über 100 Punkten spiegelt dabei eine positive Stimmungslage wider.