Für viele Bayreuther Familien wird die Kinderbetreuung ab dem kommenden Jahr deutlich teurer. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Eltern für einen Kindergartenplatz monatlich 100 Euro mehr bezahlen. Auf das Jahr gerechnet sind das 1.200 Euro zusätzlich pro Kind. Dabei erhöhen die Bayreuther Kita-Träger ihre regulären Beiträge nicht. Verantwortlich ist eine Reform der staatlichen Finanzierung. Die Stadt kann die Mehrkosten nicht auffangen, der Gesamtelternbeirat übt deutliche Kritik.
Hintergrund ist die Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzes (BayKiBiG). Der Freistaat stellt die Finanzierung der Kindertagesstätten zum Jahreswechsel um. Der bisherige staatliche Beitragszuschuss von 100 Euro pro Kindergartenkind und Monat, der unmittelbar die Eltern entlastete, fließt künftig in die allgemeine Betriebskostenförderung der Einrichtungen.
Die Staatsregierung will damit die wirtschaftliche Situation der Kitas verbessern. Für Eltern, die ihre Beiträge selbst bezahlen, hat die Neuregelung allerdings unmittelbare Folgen: Obwohl die Beitragstabellen unverändert bleiben, steigt ihre monatliche Rechnung um 100 Euro. Der Gesamtelternbeirat (GEB) der Bayreuther Kitas und Horte spricht deshalb von einer „Beitragserhöhung durch die Hintertür“.
Stadt Bayreuth kann die Mehrkosten nicht übernehmen
Oberbürgermeister Dr. Andreas Zippel macht deutlich, dass die Stadt die zusätzliche Belastung der Familien nicht ausgleichen kann. Die Verwaltung habe geprüft, ob Bayreuth den wegfallenden staatlichen Zuschuss aus eigenen Mitteln ersetzen könnte. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei das jedoch nicht finanzierbar.
„Diese 100 Euro pro Kindergartenkind können wir nicht übernehmen. Das ist ein Betrag in Millionenhöhe und das können wir in unserem Haushalt im Moment leider nicht abbilden“, erklärt Zippel.
Bereits für 2026 verzeichnet die Stadt nach seinen Angaben ein Defizit. Für 2027 zeichne sich eine noch schwierigere Situation ab.
Aus Sicht des Oberbürgermeisters verlagert der Freistaat mit der Reform einen Teil der finanziellen Verantwortung auf Städte und Gemeinden, obwohl diese selbst kaum noch Handlungsspielräume hätten. Das Problem betreffe nahezu alle oberfränkischen Kommunen.
Besonders deutlich kritisiert Zippel die Erwartung, Städte und Gemeinden könnten die wegfallende Entlastung ersetzen. In einer Situation, in der zahlreiche Kommunen mit Haushaltssperren und nicht genehmigungsfähigen Haushalten kämpften, sei diese Haltung aus kommunaler Sicht „schlicht und einfach eine Frechheit“.
Bayreuther Modell soll erhalten bleiben
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten wollen Stadt und Träger am einheitlichen Bayreuther Elternbeitrag festhalten. Seit Jahren verständigen sich die verschiedenen Einrichtungen auf eine gemeinsame Beitragsstruktur. Dadurch sollen Eltern ihre Kindertagesstätte unabhängig von deren Kosten auswählen können.
„Es soll nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, welche Kita und welches Kita-Konzept man sich aussucht“, betont Zippel.
Allerdings wird es durch die neue staatliche Förderung schwieriger, die unterschiedlichen Kostenstrukturen der Einrichtungen auszugleichen. Denn nicht jede Kita profitiert gleichermaßen von den Änderungen.
Mehr staatliches Geld, aber auch wegfallende Förderungen
Das erläutert Daniel Rupprecht, Leiter der Kindertagesbetreuung der Diakonie Bayreuth, aus Sicht der Kita-Träger. Zwar stelle der Freistaat mit seiner Reform insgesamt zusätzliche Mittel bereit. Diese würden jedoch schrittweise bis 2029 eingeführt und stünden nicht sofort vollständig zur Verfügung.
Gleichzeitig entfallen bisherige Förderprogramme, darunter die Assistenzkraftförderung, der Personalbonus und die Sprachförderung. Gerade Bayreuther Einrichtungen hätten diese Mittel intensiv genutzt, um zusätzliches Personal zu beschäftigen und ihre pädagogischen Angebote zu stärken.
Die Folge: Während manche Kitas künftig mehr Geld erhalten, stehen andere trotz der Reform finanziell schlechter da.
Die Träger stünden damit vor der Entscheidung, Personalstunden abzubauen oder die bestehenden Angebote trotz finanzieller Unsicherheiten aufrechtzuerhalten. Sie hätten sich bewusst für Letzteres entschieden. Zusätzliche Personalstunden seien wichtig, um Öffnungszeiten auch bei Krankheitsausfällen möglichst zuverlässig anbieten zu können.
Die bisherigen Beiträge seien unter diesen Voraussetzungen für 2027 gerade noch auskömmlich kalkuliert. Eine zusätzliche Weitergabe des bisherigen 100-Euro-Zuschusses an die Eltern sei deshalb nicht möglich. Die Einrichtungen arbeiteten nicht gewinnorientiert und verfügten über keine größeren finanziellen Rücklagen.
Stadt unterstützt Träger weiterhin mit Millionenbeträgen
Um die Einrichtungen zu entlasten, will die Stadt Bayreuth seine bisherigen freiwilligen Unterstützungsleistungen fortführen und teilweise ausbauen.
Fast jedes dritte Kind benötigt finanzielle Unterstützung
Besonders besorgt zeigt sich Zippel über die soziale Dimension der Kinderbetreuung. Schon heute übernimmt die Stadt Bayreuth für zahlreiche Familien die Kita-Gebühren, weil sie sich diese aufgrund ihrer Einkommenssituation nicht leisten können.
Im Durchschnitt betrifft das rund 870 Kinder. Das entspricht etwa 28,5 Prozent aller Kinder in Bayreuther Kindertageseinrichtungen. Die Stadt wendet dafür jährlich rund 1,5 Millionen Euro auf.
Für Zippel zeigen diese Zahlen, wie stark das Betreuungssystem unterfinanziert ist. Mit dem Wegfall des staatlichen Zuschusses könnte die Zahl der Familien, die auf eine Kostenübernahme angewiesen sind, weiter steigen. Damit würden auch die Ausgaben der Stadt wachsen.
Höhere Geschwisterermäßigung soll Familien entlasten
Zumindest für Familien mit mehreren Kindern haben sich die Bayreuther Kita-Träger auf eine zusätzliche Entlastung verständigt.
„Ich weiß, dass das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist für die Haushaltskasse der Familien“, räumt Rupprecht ein. Mehr könnten die Träger derzeit jedoch kaum leisten.
Für 2027 wollen die Einrichtungen die regulären Elternbeiträge auf dem bisherigen Niveau belassen. Für 2028 zeigt sich Rupprecht vorsichtig optimistisch, da weitere staatliche Fördermittel hinzukommen sollen.
Elternbeirat kritisiert Entscheidung deutlich
Für den Gesamtelternbeirat der Bayreuther Kitas und Horte geht die Entlastung nicht weit genug. Markus Feulner kritisiert im Namen der Elternvertretung die Entscheidung der Trägerversammlung von Oktober 2026, den bisherigen Zuschuss nicht mehr an die Eltern weiterzugeben.
„Der Gesamtelternbeirat der Bayreuther Kitas und Horte stimmt dieser Entscheidung der Trägerversammlung nicht zu“, erklärt Feulner. Der Elternbeirat verweist darauf, dass die Betreuungskosten für Bayreuther Familien bereits seit 2024 gestiegen seien. Nun kämen weitere 100 Euro monatlich hinzu.
Zugleich stellt der GEB die Entscheidung der Träger angesichts der zusätzlichen staatlichen Förderung infrage. Besonders problematisch sei die Mehrbelastung für Familien, die keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung hätten, aber dennoch mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen müssten.
Feulner befürchtet, dass manche Eltern künftig abwägen müssen, ob sie sich einen Kindergartenplatz überhaupt noch leisten können. Insbesondere Frauen könnten dadurch gezwungen sein, ihre Berufstätigkeit einzuschränken. Auch Kinder könnten wichtige Möglichkeiten der frühkindlichen Bildung verlieren.
Familien tragen die unmittelbaren Folgen
Die Reform macht deutlich, wie angespannt die Finanzierung der Kinderbetreuung inzwischen ist. Während die Träger zusätzliche Mittel benötigen, um Personal und pädagogische Qualität zu sichern, fehlt der Stadt das Geld, um den wegfallenden Zuschuss auszugleichen.
Für selbstzahlende Bayreuther Kindergarteneltern steht das Ergebnis bereits fest: Ab Januar 2027 müssen sie monatlich 100 Euro mehr bezahlen. Ob die weiteren staatlichen Förderstufen ab 2028 für Entspannung sorgen, bleibt abzuwarten.