BAYREUTH.In der Friedrichstraße steht eine auffällige Reihe neuer Fahrradständer direkt vor einer historischen Fassade. Das wirft Fragen auf: Warum unmittelbar vor einem Baudenkmal und wie hoch ist an diesem Ort tatsächlich der Bedarf?
Die Friedrichstraße gehört zu den schönsten Straßenzügen Bayreuths. Die Hausnummer 14, dort sind die Fahrradständer aufgebaut, wurde von Markgraf Georg Friedrich Karl (1688/1726-1735, dem Schwiegervater von Markgräfin Wilhelmine), errichtet. Zunächst diente das Gebäude als Waisenhaus. 1804 verlegte man das Gymnasium Christian Ernestinum dorthin, aktuell dient es als Verwaltungsgebäude für die Polizei.
Die Friedrichstraße mit ihren einheitlich gestalteten Sandsteinbauten ist eine Prachtstraße. Die einheitlichen Fassaden prägen den Straßenzug und verleihen der Straße. Der Anblick einer Reihe von Fahrradständern, an dieser Stelle, ist zumindest gewöhnungsbedürftig.
Eine fahrradfreundliche Stadt benötigt ausreichend Abstellmöglichkeiten – das steht außer Frage. Doch warum ausgerechnet hier? Unmittelbar an diesem Straßenabschnitt gibt es weder Einkaufsmöglichkeiten noch eine Kneipe, deren Besucher ihre Fahrräder abstellen möchten. Polizeimitarbeiter scheinen kein großes Interesse zu haben, wenn man die Belegung anschaut. Gegenüber allerdings liegt das Friedrichsforum, das als Veranstaltungsort durchaus Bedarf schaffen kann.
Wie groß dieser jedoch ausfällt, dürfte vor allem von den Veranstaltungen abhängen. Das Friedrichsforum verfügt über mehrere Säle. Allein der Große Saal bietet bis zu 792 Plätze. Doch wie viele Besucher kommen tatsächlich mit dem Fahrrad? Und passt die Zahl der Stellplätze dann zur tatsächlichen Nachfrage?
Die Fahrradständer vor dem Baudenkmal stehen zudem auf einer gepflasterten Fläche, auf der Fußgänger und Radfahrer ohnehin mit wenig auffälligen Abgrenzungen zurechtkommen müssen. Wer versehentlich auf den Radweg gerät, kann schnell in eine gefährliche Situation geraten. Werden Fahrräder hier abgestellt oder herausgeschoben, entstehen weitere Konfliktpunkte.
Bei der Gestaltung des Jean-Paul-Platzes wurde 2024 ausdrücklich diskutiert, besonders, dass geplante Abstellanlagen das Erscheinungsbild beeinträchtigen könnten. Nach welchen Kriterien wurde also die Metallreihe in der Friedrichstraße 14 geplant? Gab es eine Bedarfsermittlung und eine formelle denkmalrechtliche Genehmigung in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege? Welche Alternativstandorte wurden geprüft?
Fahrradständer sind zweifellos notwendig. Doch auch gut gemeinte Verkehrspolitik sollte sich die Frage gefallen lassen, ob jeder Standort wirklich sinnvoll ist.