BAYREUTH. Fast ein Jahr lang trotzten sie dem Alltag in der Innenstadt: fantasievolle Monster und bunte Comicfiguren, gestaltet von rund 60 Viertklässlern der Grundschule Bayreuth-
Herzoghöhe. An den Schaufenstern von Galeria, auf dem Markt/Ecke Schulstraße, waren ihre Werke weithin sichtbar. Niemand beschmierte oder beschädigte sie. Offenbar wurde die Kunst, die Kinder mit viel Begeisterung geschaffen hatten, respektiert.
Nun ist ein Teil der bunten Bilder hinter großformatigen Werbeplakaten verschwunden. Anlass war die Freiwilligenmesse im Friedrichsforum, am Samstag, 10. Oktober, von 14 bis 17 Uhr, die über die Vielfalt des Ehrenamts informieren und neue Engagierte gewinnen sollte. Veranstalter waren das Seniorenamt der Stadt Bayreuth und das Freiwilligen Zentrum Bayreuth.
Die Organisatoren hatten bei der Galeria-Geschäftsführung angefragt, ob sie die Schaufenster für ihre Werbung nutzen dürften. Die Genehmigung wurde erteilt, die Kinderbilder teilweise überklebt.
Dass die Geschäftsführung über ihre Schaufenster verfügen darf, steht außer Frage. Bei einer Neuvermietung der Ladenflächen hätten die Kunstwerke vermutlich ebenfalls weichen müssen. Doch unsensibel war es allemal.
Doch wie kommt man auf den Gedanken, für eine gerade einmal dreistündige Veranstaltung die Kunstwerke von Kindern überkleben zu lassen? Bereits die Anfrage lässt jenes Fingerspitzen-gefühl und jene Wertschätzung für das Engagement anderer vermissen, die gerade bei den Organisatoren einer Freiwilligenmesse selbstverständlich sein sollten.
Schließlich waren die bunten Schaufensterbilder nicht einfach irgendeine Dekoration. Der gemeinnützige Verein „Wir helfen in Bayreuth e.V.“ der Bayreuther Sonntagszeitung hatte das Projekt gemeinsam mit der Künstlerkolonie Fichtelgebirge e.V. (KÜKO) künstlerisch und finanziell unterstützt. Unter Anleitung der Künstlerinnen Sabine Gollner und Sarah Pfaffenberger entwickelten die Kinder in mehreren Workshops ihre fantasievollen Monster-Comics im Manga-Stil. Anschließend wurden die Motive großformatig auf Folien gedruckt und an den Schaufenstern angebracht.
Zur Eröffnung der „Fenster voller Fantasie“ im vergangenen November kam der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, der das Projekt als Beitrag zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt würdigte. Von der Galeria-Geschäftsführung gab es für die jungen Künstler Geschenktüten als Anerkennung.
Ehrenamt lebt von Anerkennung, Rücksichtnahme und Wertschätzung. Gerade wer diese Werte öffentlich vermitteln möchte, sollte sie auch im Umgang mit dem Engagement anderer erkennen lassen.