Veröffentlicht am 19.04.2026 12:04

„Dich, teure Halle, grüß ich wieder”!

In violettes Licht getaucht präsentiert sich das Friedrichsforum am Abend: Vor der neu inszenierten Fassade versammelt sich das Publikum. Der neu geschaffene Brunnen belebt den Vorplatz. (Foto: W.Munzert)
In violettes Licht getaucht präsentiert sich das Friedrichsforum am Abend: Vor der neu inszenierten Fassade versammelt sich das Publikum. Der neu geschaffene Brunnen belebt den Vorplatz. (Foto: W.Munzert)
In violettes Licht getaucht präsentiert sich das Friedrichsforum am Abend: Vor der neu inszenierten Fassade versammelt sich das Publikum. Der neu geschaffene Brunnen belebt den Vorplatz. (Foto: W.Munzert)
In violettes Licht getaucht präsentiert sich das Friedrichsforum am Abend: Vor der neu inszenierten Fassade versammelt sich das Publikum. Der neu geschaffene Brunnen belebt den Vorplatz. (Foto: W.Munzert)
In violettes Licht getaucht präsentiert sich das Friedrichsforum am Abend: Vor der neu inszenierten Fassade versammelt sich das Publikum. Der neu geschaffene Brunnen belebt den Vorplatz. (Foto: W.Munzert)

BAYREUTH.Mit Richard Wagner beginnt – und endet – in Bayreuth vieles. So auch die erste Veranstaltung im Friedrichsforum vor Publikum. „Dich, teure Halle, grüß ich wieder. Froh grüß ich dich, geliebter Raum!“ Mit diesen Worten aus der Oper von Richard Wagner „Tannhäuser” eröffnete Oberbürgermeister Thomas Ebersberger die erste, eigentlich noch inoffizielle Veranstaltung. Ein bewusst gewähltes Zitat – und eines wohl mit Ironie. Denn „teuer“ ist hier nicht nur im romantischen Sinne zu verstehen, sondern auch ganz real: Mehr als 100 Millionen Euro hat die Sanierung verschlungen.

An diesem Abend geht es jedoch weniger um Zahlen als um einen Neuanfang. Nach rund zehn Jahren Bau- und Sanierungszeit kehrt das kulturelle Leben in das Haus zurück, das die Bayreuther als Stadthalle kennen. Was nun als Friedrichsforum firmiert, ist mehr als eine Renovierung: Es ist eine Transformation. Historische Bausubstanz trifft auf moderne Infrastruktur, denkmalgeschützte Elemente auf eine vollständig erneuerte technische Ausstattung.

Der Oberbürgermeister spannte in seiner Begrüßungsrede einen weiteren Bogen zu Richard Wagner – und zur Gegenwart. Im zweiten Akt von Tannhäuser, so erinnerte er, singt Elisabeth jene Zeilen. Damals ging es um den Zwiespalt zwischen sakraler und profaner Liebe, um Erlösung. „Hier“, sagte Ebersberger, „ist es vielleicht der Zwiespalt zwischen Finanzen und Bauzeit und die Erfüllung durch die Kunst.“ Ein Satz, der das Projekt wohl treffend zusammenfasst.

Tatsächlich war die Bauphase lang und nicht frei von Reibung: Verzögerungen, Diskussionen, Kostensteigerungen. Alles Themen, die die Stadtgesellschaft über Jahre begleitet haben. „Umso bedeutsamer ist der heutige Moment“, betonte Ebersberger, „an dem dieses Haus wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.“

Und diese Öffentlichkeit darf nun zunächst Zeugin eines besonderen Abschnitts werden: der Probephase. Anders als bei klassischen Eröffnungen beginnt das Friedrichsforum seinen Betrieb bewusst im Modus des Ausprobierens. Technik, Abläufe und Organisation werden unter realen Bedingungen getestet – vor Publikum. Eine Herangehensweise, die in Bayreuth durchaus Tradition hat. „Der Bayreuther geht öfter lieber in die Generalprobe der Festspiele als vielleicht in eine richtige Aufführung am Festspielhügel“, sagte Ebersberger. Entsprechend geehrt dürften sich viele Gäste fühlen, bei diesem Anfang dabei sein zu können.

Was sie erwartet, kann sich sehen lassen: neue Bestuhlung, verbesserte Sichtverhältnisse, eine wandelbare Akustik. Erweiterte Foyers, zusätzliche Räume, moderne Bühnen-, Licht- und Veranstaltungstechnik. Allein die technische Ausstattung, so ließ der Oberbürgermeister wissen, übersteigt die ursprünglich veranschlagten Gesamtkosten der Sanierung deutlich.

Inhaltlich versteht sich das Friedrichsforum als Haus der Gegenwartskultur – offen für Musik, Theater, Tanz, Literatur und Diskurs. Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und kulturellen Initiativen sind ausdrücklich gewünscht. Es soll ein Ort der Begegnung werden, ein Raum für Austausch und neue Impulse.

Dass auch die Bayreuther Festspiele das Haus bereits für sich entdeckt haben, unterstreicht diesen Anspruch. Ebenso wie die ersten Eigenveranstaltungen im Frühjahr, die sich auch dem musikalschen Erbe von Richard Wagner stehen: „Wagner und Mahler im Kammerklang“ im Balkonsaal, das Orchesterprojekt „Der Ring – ein Orchesterabenteuer!“ im Großen Saal oder „Wagner plus“ mit dem Orchester der Dresdner Musikfestspiele und Cellist Jan Vogler und eine konzertante Aufführung der Götterdämmerung unter der künstlerischen Leitung von Vogler und Kent Nagano – ein Signal für das, was dieses Haus künftig leisten will.

Die eigentliche künstlerische Eröffnung ist erst für Anfang Oktober 2026 geplant. Bis dahin wird das Friedrichsforum wachsen, sich einspielen, vielleicht auch noch einmal nachjustieren. Dieses Haus wird mehr sein als die Fortsetzung der alten Stadthalle – ein neuer kultureller Mittelpunkt – für Bayreuth und darüber hinaus.

Und so schließt sich der Kreis wieder bei Richard Wagner. Anfang und Ende gehören ihm. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: „Kinder, macht Neues.“


Von Gabriele Munzert
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