Veröffentlicht am 16.04.2026 12:39

Hightech gegen den Mähtod: Wie Drohnen Rehkitze retten

Versteckt im hohen Gras – und in Lebensgefahr: Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze bei Mäharbeiten. (Foto: red )
Versteckt im hohen Gras – und in Lebensgefahr: Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze bei Mäharbeiten. (Foto: red )
Versteckt im hohen Gras – und in Lebensgefahr: Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze bei Mäharbeiten. (Foto: red )
Versteckt im hohen Gras – und in Lebensgefahr: Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze bei Mäharbeiten. (Foto: red )
Versteckt im hohen Gras – und in Lebensgefahr: Jedes Jahr sterben unzählige Rehkitze bei Mäharbeiten. (Foto: red )

Rehkitze sind jedes Jahr in großer Gefahr, weil die Rehmutter sie nach der Geburt im hohen Gras ablegt. Dieses natürliche Verhalten schützt die Tiere zwar vor Fressfeinden wie Füchsen, nicht jedoch vor landwirtschaftlichen Maschinen. Genau hier setzt die Arbeit des Vereins Kitzrettung Oberfranken e.V. an, der aktuell wieder Freiwillige sucht, um Wiesen vor dem Mähen abzusuchen und Tiere zu retten. Besonders kritisch ist die Zeit zwischen Mai und Juni, wenn die Rehe ihre Jungen bekommen.

Die Arbeit der Tierrettung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Während früher viele Helfer die Felder in langen Ketten zu Fuß durchkämmten – eine zeitintensive und körperlich anstrengende Methode – setzt der Verein heute konsequent auf digitale Systeme und moderne Drohnentechnik. Ausgestattet mit Wärmebildkameras ermöglichen die Drohnen eine deutlich schnellere und präzisere Suche. So können Rehkitze frühzeitig entdeckt und gesichert werden, bevor Mähmaschinen zum Einsatz kommen.

Der Verein arbeitet ehrenamtlich und unterstützt Landwirte und Jäger kostenlos. „Die Einsätze erfolgen in enger Abstimmung. Häufig meldet sich ein Landwirt am Vortag und kündigt an, dass er am nächsten Morgen mähen will. Dann sind wir oft schon gegen fünf Uhr vor Ort“, erklärt Roland Kubitzky. Ein Einsatzteam besteht in der Regel aus einem Drohnenpiloten – darunter auch Einsteiger – sowie zwei bis drei Helfern am Boden, die per Funk koordiniert werden. Während die Drohne die Fläche systematisch abfliegt und Wärmequellen sichtbar macht, werden mögliche Fundstellen überprüft. Die Helfer bergen die Tiere vorsichtig, tragen Handschuhe und verwenden Gras, um den menschlichen Geruch nicht auf das Kitz zu übertragen. Anschließend bringen sie die Kitze an einen geschützten Ort am Rand der Wiese.

Entscheidend ist, dass die Mahd unmittelbar im Anschluss erfolgt. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Mutter ihr Jungtier schnell wiederfindet. Die Befürchtung, die Tiere würden anschließend verstoßen, bestätigt sich in der Praxis kaum. Häufig hält sich die Mutter bereits in der Nähe auf und holt ihr Kitz nach kurzer Zeit zurück. Trotz verbleibender Risiken haben die geretteten Tiere so eine reale Überlebenschance. Auch für Landwirte ist die Kitzrettung relevant, da Kadaverreste im Futter gesundheitliche Folgen für die Nutztiere haben können.

Die Organisation der Einsätze ist inzwischen stark digitalisiert. „Viele Helfer sind regelmäßig dabei, andere unterstützen, wenn es ihre Zeit zulässt“, sagt Kubitzky. Die Koordination erfolgt über WhatsApp-Gruppen, in denen kurzfristig Piloten und Helfer angefragt werden. Gesucht werden sowohl erfahrene Kräfte als auch Interessierte ohne Vorkenntnisse.

Ein zentraler Fortschritt liegt in der Effizienz der Drohnentechnik. Große Flächen können in kurzer Zeit abgesucht werden, ohne dass Wiesen betreten und beschädigt werden müssen. Gleichzeitig sind die Investitionen erheblich: Eine Drohne mit entsprechender Ausrüstung kostet mehrere tausend Euro. Der Verein ist daher auf Spenden angewiesen und dankbar für jede Unterstützung.

Die Dimension der Einsätze verdeutlicht die Entwicklung: „Im vergangenen Jahr haben wir Flächen in der Größenordnung von rund 7000 Fußballfeldern abgesucht, etwa 380 Einsätze durchgeführt und dabei 589 Rehkitze gerettet“, berichtet Kubitzky. Mit wachsender Bekanntheit steigt auch die Nachfrage. „Ein Landwirt erzählt es dem nächsten – so verbreitet sich unser Angebot. Das freut uns, bedeutet aber auch, dass wir immer mehr Helfer und Piloten brauchen.“ Gerade in Stoßzeiten, wenn viele Flächen gleichzeitig gemäht werden, sind die Teams stark gefordert. Die erfahrenen Piloten sind dann oft dutzende Male im Einsatz und beginnen ihre Arbeit regelmäßig in den frühen Morgenstunden.

Die technische Entwicklung geht dabei noch weiter: Wiesen werden inzwischen vorab digital erfasst. Landwirte können ihre Flächen einfach einzeichnen, die Drohnen fliegen die programmierten Routen anschließend weitgehend autonom ab. Der Pilot überwacht die Aufnahmen und koordiniert die Helfer am Boden. „Viele stellen fest, dass der Umgang mit der Technik einfacher ist, als sie zunächst denken“, so Kubitzky. Deshalb bietet der Verein regelmäßig Schulungen und Schnupperkurse an, in denen Interessierte den Umgang mit Drohnen praktisch erlernen können.

Gleichzeitig gelten klare Regeln: Jeder Flug wird angemeldet, und die Piloten müssen eine entsprechende Prüfung ablegen. Damit stellt der Verein sicher, dass die Einsätze professionell und verantwortungsvoll durchgeführt werden.

Die Mitarbeit bleibt dennoch flexibel. Jeder kann selbst entscheiden, wie oft und in welchem Umfang er sich engagieren möchte. Trotz aller technischen Unterstützung bleibt der Kern der Arbeit unverändert: Es sind die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und dafür sorgen, dass Rehkitze eine Chance auf ein Leben bekommen.

Mehr Infos und das Kontaktformular unter:

https://www.kitzrettung-oberfranken.com/


Von Jessica Mohr
jm
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