Veröffentlicht am 15.04.2026 22:49

Duell gegen das „Maß aller Dinge“

Rayshawn Mart (rechts, am Ball) war im Hinspiel bei Phoenix Hagen Bayreuther Topscorer. (Foto: Phoenix Hagen/Jörg Laube)
Rayshawn Mart (rechts, am Ball) war im Hinspiel bei Phoenix Hagen Bayreuther Topscorer. (Foto: Phoenix Hagen/Jörg Laube)
Rayshawn Mart (rechts, am Ball) war im Hinspiel bei Phoenix Hagen Bayreuther Topscorer. (Foto: Phoenix Hagen/Jörg Laube)
Rayshawn Mart (rechts, am Ball) war im Hinspiel bei Phoenix Hagen Bayreuther Topscorer. (Foto: Phoenix Hagen/Jörg Laube)
Rayshawn Mart (rechts, am Ball) war im Hinspiel bei Phoenix Hagen Bayreuther Topscorer. (Foto: Phoenix Hagen/Jörg Laube)

Eine absolute Herkulesaufgabe wartet im Rahmen des 32. Spieltages der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA mit dem Heimspiel am Samstag, 18. April, um 19 Uhr gegen Tabellenführer und BBL-Aufstiegskandidaten Phoenix Hagen auf den BBC Bayreuth.

Hinzu kommt, dass, wenn man nach dem jetzt feststehenden Klassenerhalt noch Richtung Playoff-Platz acht schielen will, ein Sieg gegen Hagen wohl unabdingbar wäre. Aktuell stehen die Bayreuther mit 13 Siegen aus 31 Partien auf Tabellenplatz 13, punktgleich mit den Teams auf den Rängen zehn bis zwölf. Einen Sieg mehr hat der Tabellenneunte VfL SparkassenStars Bochum auf dem Konto und der aktuelle Tabellenachte, die PS Karlsruhe Lions, hat zwei Siege mehr zu Buche stehen. Um noch ernsthaft ins Rennen um Platz acht eingreifen zu können, wären für den BBC wohl drei Siege aus den restlichen drei Saisonspielen – zu Hause gegen Hagen, in Koblenz und am letzten Spieltag gegen Bochum – der einzig gangbare Weg, zumal man wenigstens den Vorteil des besseren direkten Vergleichs gegen Karlsruhe auf der Habenseite hat.

Gegner Phoenix Hagen im Portrait

Dass ein Heimsieg gegen Phoenix Hagen mit der frenetischen Unterstützung der Fans in der „Oberfrankenhölle“ kein Ding der Unmöglichkeit wäre, hat gerade der Tabellenachte Karlsruhe am vorletzten Spieltag gezeigt, der Hagen in heimischer Halle mit 116:109 nach Verlängerung niederrang. Die Niederlage in Karlsruhe war für die Hagener jedoch der einzige Ausrutscher seit Anfang März, ansonsten wurden seitdem sechs Siege eingefahren. Insgesamt zeigten die Feuervögel mit 25 Siegen und nur sechs Niederlagen in den bisherigen 31 Saisonspielen eine sehr konstante Leistung. Zuletzt gab es am vergangenen Sonntag einen klaren 96:75-Heimsieg gegen die Bozic Estriche Knights Kirchheim.

Beim Start-Ziel-Sieg gegen Kirchheim mussten Bjarne Kraushaar und Ryan Schwieger aufgrund eines grippalen Infektes aussetzen. Der Sieg war nie gefährdet, auch wenn die Kirchheimer wahrhaft ritterlich nie aufgaben und das Schlussviertel mit 19:16 für sich entschieden. Überragender Hagener Akteur war Marcus Graves mit 14 Punkten und zwölf Assists – einem überzeugenden „Double-Double“. Phoenix-Headcoach Chris Harris bilanzierte nach der Partie: „Hut ab vor Coach Igor Perovic und dieser Kirchheimer Mannschaft. Wir wissen, wie viel Qualität und Herz sie haben, weswegen wir uns wirklich erst kurz vor Ende des Sieges sicher sein konnten. Ich muss unseren Jungs auch ein Lob aussprechen, das sie heute oft in eher ungewohnten Formationen auf dem Feld waren und wir gleichzeitig auch Marcus Graves nicht zu viele Minuten gehen lassen wollten.“ Da Hagen natürlich als Tabellenerster in die Playoffs gehen möchte – aktuell beträgt der Vorsprung auf den Zweiten HAKRO Merlins Crailsheim einen Sieg – ist nicht damit zu rechnen, dass man in Bayreuth etwas zu verschenken haben wird.

Aktueller Topscorer der Feuervögel ist der 31-jährige Shooting Guard Devin Schmidt, der vor der Saison von den Movistar Estudiantes aus Spanien kam und im Schnitt 15,6 Punkte, drei Rebounds und 3,1 Assists auf dem Scoreboard stehen hat. Der von BBL-Aufsteiger Gladiators Trier nach Hagen gewechselte US-Point Guard Marcus Graves (29) hat im Schnitt 14 Zähler, 5,4 Assists und 3,4 abgegriffene Bälle zu Buche stehen. Small Forward Jeffrey Carroll hatte in der vergangenen Saison eine Verletzungspause, zählte aber zuvor zu den Leistungsträgern bei BBL-Club MLP Academics Heidelberg. In Hagen startete der 31-jährige US-Amerikaner jetzt mit durchschnittlich 12,2 Punkten und vier Rebounds wieder voll durch.

Der 2,13 Meter großen niederländischen Nationalmannschaftscenters Lucas N´Guessan (28), der zuletzt beim spanischen Zweitligisten Palma Basquet Mallorca auflief, wurde am 20. Oktober 2025 nachverpflichtet, in 21 absolvierten Partien hat er elf Zähler und 4,6 abgegriffene Bälle im Schnitt zum Hagener Erfolg beigetragen. Die Verpflichtung des Niederländers erfolgte ursprünglich aufgrund einer Verletzung des 25-jährigen neuseeländischen Centers Anzac Rissetto, Neuzugang von Ligakonkurrent Eisbären Bremerhaven, der aber mittlerweile auch schon 20 Spiele (6,1 Punkte/3,4 Rebounds) absolviert hat.

Powerforward Tim Uhlemann (27, 10,6 Zähler/4,5 abgegriffene Bälle) ist ebenso wie Shooting Guard Dennis Nawrocki (33, 8,8 Punkte/2,2 Rebounds) bereits seit Jahren ein Leistungsträger der Feuervögel. Am 22. Januar nachverpflichtet wurde der 26-jährige US-Shooting Guard Ryan Schwieger, der von den Fitness First Würzburg Baskets aus der BBL nach Hagen wechselte und in seinen bisherigen acht Partien 7,3 Zähler und drei Rebounds im Schnitt scorte.

Nach zehn Jahren in der BBL in Bremerhaven, Crailsheim und zuletzt Würzburg kam der 33-jährige Power Forward Fabian Bleck nach Hagen zurück. 5,4 Punkte und 4,7 Rebounds hat er bislang im Schnitt eingebracht. Der 26-jährige Pointguard Bjarne Kraushaar (8,1 Punkte/6,5 Assists/2,9 Rebounds), Shooting Guard Dominick von Waaden (26, kam von den Paderborn Baskets, 3,5 Punkte/1,1 Rebounds) und der 28-jährige Power Forward Marvin Omuvwie (5,4 Punkte/4,1 Rebounds) komplettieren den Stammkader der Feuervögel.

Das Hinspiel am 25. Oktober 2025 in der Hagener Ischelandhalle verloren die Bayreuther mit 74:88 (33:53). Der BBC zeigte dabei zwei verschiedene Halbzeiten mit einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte, so dass man sich letztlich noch ehrenhaft schlug. Bayreuther Topscorer im Hinspiel war Mannschaftskapitän Rayshawn Mart mit 18 Punkten.

Am vergangenen Samstag hatte es für die Bayreuther eine deutliche 70:93 (26:48)-Niederlage beim BBL-Absteiger und aktuellen Tabellendritten BG Göttingen gegeben. Entscheidend war dabei ein schwaches zweites Viertel, das die Niedersachsen mit 27:10 dominierten. In der guten zweiten Halbzeit gelang es dem BBC nicht, noch einmal näher als 13 Punkte und damit auf Schlagdistanz an die Göttinger heranzukommen. „Leider war unter dem Strich heute nicht unser Tag. Mund abwischen und weiter geht´s!“, formulierte es BBC-Headcoach Lukas Hofer nach der Partie.

Trainerstimme BBC-Headcoach Lukas Hofer vor dem Spiel gegen Hagen

„Die Hagener sind in dieser Saison das Maß aller Dinge in der ProA. Sie haben offensiv unfassbar viel Talent, egal ob auf den deutschen Positionen oder den Import-Spots. In den vergangenen Monaten haben sie bewiesen, wieso sie an erster Stelle stehen. Neben viel Tiefe im Kader haben die Feuervögel auch wahnsinnig viel Basketball-IQ. Die Hagener Offense ist super-schwierig zu stoppen, weil jeder von denen gefühlt in Millisekunden gute Entscheidungen treffen kann und so die gegnerische Defense vor Herausforderungen stellt. Für uns ist das irgendwo schon ein Special-Game, weil einmal Co-Trainer Nils Scheller vor seinem Engagement in Bayreuth einige Jahre für Phoenix Hagen tätig war und wir zudem im Hinspiel das Gefühl hatten, dass wir über weite Strecken mitspielen konnten – und das wird auch dieses Mal das Ziel sein: Wir wollen so lange wie möglich das Spiel eng gestalten. Wir haben in dieser Saison schon einige richtig coole Partien in der Oberfrankenhalle erlebt und ich hoffe, dass uns die Fans am Samstag noch einmal einen Extra-Push geben und wir zusammen irgendwie die Überraschung schaffen können.

Aus der Historie

Hagen ist in der Geschichte des Bayreuther Basketballs der häufigste Gegner. Das liegt daran, dass es zeitweise (1980/81, 1985/86, 1988/89, 1989/90) zwei Hagener Mannschaften in der 1. Bundesliga gab, arbeitete BBC-Vereinshistoriker Dr. Peter-Michael Habermann heraus. Insgesamt gab es 97 Begegnungen zwischen Bayreuth und Hagen, davon 80 in der 1. Bundesliga, neun in der 2. Bundesliga/Pro A, sechs im DBB-Pokal und zwei im 1998/99 separat ausgetragenen Ligapokal. 46 Siegen stehen dabei aus Bayreuther Sicht 51 Niederlagen gegenüber.

In der 1. Liga (40 Siege, 40 Niederlagen), dem DBB-Pokal (3 Siege, 3 Niederlagen) und dem Ligapokal (1 Sieg, 1 Niederlage) ist die Bilanz ausgeglichen. In der 2. Liga/ProA stehen zwei Bayreuther Siegen (2007, 2023) sieben Niederlagen gegenüber. In den letzten drei Spielzeiten seit 2023/24 gelang den Bayreuthern bislang nur ein Heimsieg am 26. November 2023. In den Jahren 1981/82 und 1982/83 traf man in der Meisterschaftsendrunde aufeinander. 1990/91, 1993/94 und 1995/96 stand man sich jeweils im Play-Off-Viertelfinale gegenüber. Legendär sind die sieben Begegnungen 1995/96 in der Best-of-Seven-Playoff-Serie, von denen Steiner Bayreuth vier gewinnen konnte. Im damit erreichten Halbfinale scheiterte man dann aber gegen Alba Berlin. Im Pokal standen sich beide Mannschaften sechsmal gegenüber: dreimal im Achtelfinale, einmal im Viertelfinale und zweimal im Halbfinale des DBB-Pokals.

Im Zeitalter von BBC und medi bayreuth gab es nur fünf Bayreuther Heimsiege und einen Auswärtssieg, dafür aber fünf Heim- und neun Auswärtsniederlagen. Darunter war auch jenes legendäre Zweitligaspiel in der Oberfrankenhalle am 5. April 2009, das bei einem Sieg für Bayreuth im direkten Vergleich zu Platz zwei und somit zum Aufstieg in die BBL gereicht hätte, aber leider mit 66:67 vor heimischem Publikum verloren wurde. In der Saison 2012/13 gab es am 26. Januar 2013 einen Heimsieg (103:96), bei dem das vierte Viertel mit der höchsten erzielten Punktzahl (34:41) beider Teams seinerzeit (und vielleicht noch bis heute) einen BBL-Rekord darstellte. Die Begegnung in der Hinrunde der laufenden Saison verlor der BBC am 25. Oktober 2025 auswärts mit 74:88 (33:53)

Info

Das Spiel zwischen dem BBC Bayreuth und Phoenix Hagen wird live auf sporteurope.tv übertragen.


Von Roland Schmidt
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