Veröffentlicht am 27.05.2026 08:19

Der Fall Eva Christina Bär

Eva Maria Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. (Foto: red )
Eva Maria Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. (Foto: red )
Eva Maria Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. (Foto: red )
Eva Maria Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. (Foto: red )
Eva Maria Bär vor dem Bayreuther Festspielhaus. (Foto: red )

BAYREUTH.Als am 8. Mai diesen Jahres der neu gewählte Bayreuther Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentrat, fiel im Sitzungssaal auf: Der Platz von Kultur- und Wirtschaftsreferentin Eva Christina Bär blieb leer. Auf Nachfrage hieß es damals knapp: krankheitsbedingt verhindert. Mehr war offiziell nicht zu erfahren.

Heute ist zumindest eines offiziell bestätigt: Die Stadt Bayreuth hat ihre Kultur- und Wirtschaftsreferentin widerruflich freigestellt. Was genau hinter dieser Entscheidung steckt, darüber schweigt das Rathaus bislang weitgehend. Doch nach Informationen aus dem Umfeld der Stadtverwaltung soll es intern bereits seit Wochen erhebliche Spannungen gegeben haben.

Dabei war die Personalentscheidung mit großen Erwartungen verbunden gewesen. Im April 2024 hatte der Stadtrat in einer Sondersitzung die Leitung des neu geschaffenen Kultur- und Wirtschaftsreferats vergeben. Die damals 48-jährige Eva Christina Bär, zuvor bei der Stadt Erlangen tätig, war als starke Besetzung präsentiert worden. Zuvor hatte der Stadtrat das bisherige Kultur- und Tourismusreferat um den Bereich Wirtschaft erweitert – ein Schritt, mit dem Bayreuth Kulturpolitik und Standortentwicklung enger verzahnen wollte.

Doch offenbar entwickelte sich das Verhältnis zwischen Referentin und Rathausspitze schwieriger als zunächst erwartet. Man hört, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben haben soll, wie die neue Führungsposition auszufüllen sei. Kritisch gesehen worden sei demnach unter anderem der Umfang von Homeoffice-Tätigkeiten. Gerade in einer Leitungsfunktion hätten nach Auffassung der Stadt stärkere Präsenzzeiten in Bayreuth erwartet werden können.

Auch der Umstand, dass sich der Lebensmittelpunkt von Eva Christina Bär offenbar weiterhin überwiegend im Raum Nürnberg befunden habe, soll intern Thema gewesen sein. Zwar habe sie in Bayreuth eine Wohnung bezogen, dennoch sei in Gesprächen immer wieder die Frage aufgekommen, wie stark die Referentin tatsächlich vor Ort eingebunden gewesen sei.

Hinzu kommen nach Informationen unserer Redaktion weitere Vorwürfe, die intern diskutiert worden sein sollen. Dabei soll es unter anderem um Arbeitszeiten, Terminwahrnehmungen sowie mögliche Unregelmäßigkeiten bei Rechnungen und Auftragsvergaben gegangen sein. Ob und in welchem Umfang sich diese Vorwürfe erhärten lassen, ist bislang offen.

Kritik an der Amtsführung soll offenbar überwiegend mündlich geäußert worden sei. Schriftliche Abmahnungen oder dokumentierte Beanstandungen habe es demnach wohl kaum gegeben. Genau das könnte juristisch eine wichtige Rolle spielen.

Es soll wohl sogar eine fristlose Kündigung diskutiert worden sein. Letztlich sei man jedoch offenbar zu der Einschätzung gelangt, dass ein solcher Schritt rechtlich kaum belastbar wäre. Sollte dokumentiertes Fehlverhalten nicht ausreichend nachweisbar sein, hätte dies eine sofortige Trennung erheblich erschwert.

Derzeit sollen Gespräche zwischen Anwälten und der Stadtspitze laufen. Wie die Personalie am Ende gelöst wird, ist offen. Nach Informationen aus dem Umfeld der Verwaltung soll es bereits nach der Stichwahl, aber noch vor dem Amtsantritt des neuen Oberbürgermeisters, ein Gespräch mit Dienststellenleitern gegeben haben. An diesem Treffen sollen sowohl der damalige Oberbürgermeister Thomas Ebersberger als auch sein bereits gewählter Nachfolger Andreas Zippel teilgenommen haben. Dabei soll intern bereits über eine mögliche Trennung von der Referentin gesprochen worden sein.

Die offizielle Mitteilung an Eva Christina Bär soll allerdings erst nach dem Amtswechsel durch den neuen Oberbürgermeister erfolgt sein. Bis auf Weiteres übernimmt er die Leitung des Kultur- und Wirtschaftsreferats kommissarisch selbst.

Das neu geschaffene Referat sollte eigentlich Aufbruchsstimmung symbolisieren – nun steht es bereits im Zentrum einer personellen Krise. Und viele Fragen bleiben offen: Was genau ist intern dokumentiert? Welche Vorwürfe halten einer juristischen Prüfung stand?

Spätestens seit jener Stadtratssitzung Anfang Mai dürfte jedenfalls klar gewesen sein: Die leere Referentenbank war mehr als nur ein kurzfristiger Krankheitsfall.


Von Jessica Mohr
jm
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