Seit 16. April ist Lorenz Röthlingshöfer neuer Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth. Der 31-Jährige folgt auf Dr. Nicole Kalemba, die seit 1. Mai eine neue Aufgabe beim Deutschen Fussballbund (DFB) übernommen hat. Röthlingshöfer, der bis Ende Februar noch bei den onesto Tigers im Bereich Sponsoring und Marketing tätig war, zog nach den ersten Wochen im Amt im Gespräch mit der BTSZ eine Bilanz der vergangenen Saison und blickte insbesondere auf die kommende Saison in der Regionalliga Bayern, in die die Altstadt nicht mehr auf Profi-, sondern auf ambitionierter Amateurbasis gehen will, voraus.
BTSZ: Wie bilanzierst Du die vergangene Saison im Rückblick?
Lorenz Röthlingshöfer: Wenn man anschaut, mit wie vielen Verletzungsproblemen das Team über die gesamte Saison zu kämpfen hatte und den recht großen personellen Umbruch in der Winterpause einbezieht, kann man unfassbar stolz darauf sein, was die Mannschaft geleistet hat, und am Ende einfach eine positive Bilanz ziehen. Nach dem Umbruch im Winter haben alle stets das Herz auf dem Platz gelassen und das Ziel Klassenerhalt schon vor dem letzten Spieltag sichergestellt. Nicole Kalemba und Cheftrainer Lukas Kling haben den Verein angesichts der anstehenden Reamateurisierung gut aufgestellt, so dass alle weiterhin trotzdem professionell arbeiten können.
BTSZ: Was bedeutet die angekündigte Umstellung auf ambitionierte Amateurbasis in der Praxis – sportlich und wirtschaftlich?
Lorenz Röthlingshöfer: Unter sportlichen Gesichtspunkten bieten wir den Spielern weiterhin professionelle Rahmenbedingungen. Dank der Partnerschaft mit einem Fitnessstudio kann jeder am Vormittag, wenn er will und kann, individuell trainieren, das Mannschaftstraining findet dann am Nachmittag oder Abends statt. Wir haben gegenüber der vergangenen Saison eigentlich nur zeitliche Verschiebungen. Das Spielerbudget sinkt im Vergleich zur vergangenen Saison aber um 30 bis 40 Prozent. Einige Spieler werden sich parallel zum Fußball auch eine berufliche Zukunft aufbauen, was aber auch ein Argument sein kann, um bei der Altstadt zu bleiben. Im wirtschaftlichen Bereich haben wir einen klaren und sauberen Plan, um die noch vorhandenen Altlasten abbauen zu können. Durch Nicole Kalemba wurden alle Altlasten klar und sauber aufgearbeitet und durch Sachen wie das Crowdfunding und andere Spendenaktionen auch so weit als möglich reduziert. Jeder Beteiligte weiß von Anfang an klar, was Sache ist, irgendwelche unliebsamen Überraschungen sind nicht zu erwarten. Wir blicken positiv in die Zukunft. Die Pflege der bestehenden Sponsoren und die Akquise neuer Unterstützer zählt zu meinem Aufgabenbereich. Ich hoffe beispielsweise, auch den ein oder anderen Sponsor vom in Bayreuth leider nicht mehr existierenden Profi-Eishockey mit zur Altstadt herüberzuholen. Am Ende des Tages liegt es am Produkt, also Fußball, und an den Personen, die es so attraktiv wie möglich gestalten und verkaufen.
BTSZ: Wie gestaltet sich Deine Geschäftsführertätigkeit?
Lorenz Röthlingshöfer: Im Gegensatz zu Nicole Kalemba, die die Geschäftsführertätigkeit nebenberuflich versah, bin ich in Vollzeit tätig. Es sind einfach sehr viele Bereiche, die man verantwortet. Ich werde ein paar Sachen ändern, aber natürlich auch auf vielem Bewährtem aufbauen. Grundsätzlich sollen die Leute auf mich zukommen können, beispielsweise werde ich auch beim Dauerkartenverkauf für die neue Saison vor Ort sein. Besonders liegt mir der Nachwuchs am Herzen und hier vor allem die Verbesserung der Durchlässigkeit zur ersten Mannschaft. Hierbei kooperiere ich auch eng mit Christoph Wächter, der als Leiter unseres Nachwuchs-Leistungszentrums einen Super-Job macht. Lukas Kling hat als Cheftrainer und sportlicher Leiter ein festes Budget, in dessen Rahmen er Spielerverpflichtungen tätigen kann.
BTSZ: Welche Prioritäten werden bei der Kaderzusammenstellung gesetzt?
Lorenz Röthlingshöfer: Sehr wichtig ist zunächst einmal der Charakter der Spieler. Dann sollte bei jungen Spielern ein entsprechendes Entwicklungspotenzial vorhanden sein und sie sollten unseren Weg mitgehen und bei der Altstadt den nächsten Schritt machen wollen. Auch die regionale Identifikation spielt eine besondere Rolle. Daneben soll es eine gute Mischung zwischen älteren, erfahrenen Spielern und den jungen Wilden geben. Mit allen Spielern der Mannschaft der vergangenen Saison wurden gute und offene Gespräche geführt. Einige Spieler haben signalisiert, dass Sie unter Profibedingungen weiterarbeiten wollen. Sollte dort eine passende Offerte auf sie zukommen, würden die Spieler dieses Angebot auch annehmen, was ihr gutes Recht ist. Wir werden alles tun, um diese Spieler trotzdem zu halten. Die Gespräche mit den Spielern des bisherigen Teams laufen jedoch vielfach sehr gut und es gibt auch schon einige Vertragsverlängerungen, zudem haben wir auch schon Neuverpflichtungen getätigt. Trainingsauftakt zur neuen Saison ist am 18. Juni, bis dorthin soll der Kader möglichst vollständig stehen.
BTSZ: Mit welcher Zielsetzung geht die SpVgg in die kommende Regionalligasaison?
Lorenz Röthlingshöfer: Das Team soll attraktiven Fußball zeigen und die Fans sollen spüren, dass sich alle in jedem Spiel auf dem Platz für den Verein zerreißen. Es muss nicht jedes Spiel gewonnen werden, aber Einstellung und Kampfgeist müssen immer stimmen. Eine direkte Platzierung als Saisonziel werden wir nicht ausgeben, aber mit dem Abstieg wollen wir nichts zu tun haben. Zudem blicken wir auch schon voraus im Hinblick auf die angestrebte Einführung der neuen viergleisigen Regionalliga, die es ermöglichen soll, dass künftig alle Meister auch direkt in die Dritte Liga aufsteigen können. Unabhängig vom exakten Qualifikationsmodus wollen wir da auf jeden Fall dabei sein. Wir haben uns im Hinblick auf die Neugestaltung der Regionalligen für das Kompassmodell ausgesprochen und sind der entsprechenden Initiative auch beigetreten. Demnach sollen vier Regionalligen Süd, West, Ost und Nord mit jeweils 20 Mannschaften gebildet werden, die nach regionalen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Als Qualifikations-Saison wird von der Initiative die Spielzeit 2027/28 angestrebt, die viergleisige Regionalliga soll dann 2028/29 starten. Da die nordbayerischen Vereine der Regionalliga Ost zugeordnet werden könnten, würden sich eventuell etliche neue und interessante Gegner ergeben, die oft viel Tradition aufweisen und zahlreiche Fans mitbringen. Dies würde die Liga auch für unsere Fans interessant machen, könnte den Zuschauerschnitt heben und der Stadt Bayreuth und auch der örtlichen Wirtschaft Vorteile bringen. Für die kommende Saison wollen wir auf jeden Fall durch attraktiven Fußball zumindest den Zuschauerschnitt der vergangenen Saison, der bei 1.613 lag und den dritten Platz in der Zuschauerstatistik der Regionalliga Bayern hinter Kickers Würzburg und der SpVgg Unterhaching bedeutet, halten. Auch ein mittlerweile schon fast zur Tradition gewordener Aktionsspieltag unter dem Motto „Die Oldschdod für alle“ soll in der neuen Saison mit Unterstützung von Sponsoren wieder durchgeführt werden.