BAYREUTH.Der Bayreuther Volksfestzug zeigte in diesem Jahr vor allem eines: Sicherheit ist inzwischen überall. Statt nur Musik, Trachten und geschmückter Wagen prägten diesmal auch Müllfahrzeuge, Transporter und schwere Lastwagen das Bild. Fahrzeuge des Bauhofs und der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH sperrten Querstraßen, Hofeinfahrten und Tiefgaragen ab. Ironisch gesagt dürfte der Bauhof kaum noch Fahrzeuge in seinen Hallen gehabt haben – fast alles stand irgendwo als Schutzbarriere in der Innenstadt.
Der Hintergrund ist ernst. Nach Anschlägen und Amokfahrten gelten große Menschenansammlungen als besonders gefährdet. Städte müssen deshalb heute umfangreiche Sicherheitskonzepte vorlegen. Zufahrtssperren, Poller und schwere Fahrzeuge gehören inzwischen fast selbstverständlich dazu.
Das verändert auch Traditionen. Der Volksfestzug wirkte stellenweise wie eine Hochsicherheitszone. Aus Sicherheitsgründen durfte der geschmückte Wagen mit Schaustellern und Organisatoren diesmal nicht mehr mitfahren
Nicht dabei beim Festzug war auch diesmal nicht das geschmückte Pferdegespann mit den Holzbierfässern der Brauerei Maisel. In diesem Fall lag es allerdings nicht an den Sicherheitsvorgaben. Weil es auf dem Volksfest kein großes Festzelt mehr gibt, vereinbarten Brauerei und Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH gemeinsam, auch auf den festlich geschmückten Bierwagen zu verzichten. Der damalige Oberbürgermeister Michael Hohl hatte diese Tradition 2006 wiederbelebt.
Die Sicherheitsdebatte reicht inzwischen weit über Festzüge hinaus. In Bayreuth wird derzeit sogar diskutiert, ob und wie Public Viewing zur Fußball-WM möglich ist. Veranstaltungen außerhalb geschützter Bereiche wie dem Luitpoldplatz gelten als schwierig. Manche Ideen werden vorsorglich gar nicht weiter verfolgt.
Natürlich erwartet jeder Besucher Schutz. Niemand möchte unbeschwert feiern und gleichzeitig Angst haben müssen. Doch viele fragen inzwischen auch: Wann wird Sicherheit zu viel Sicherheit?
Stadtfeste leben eigentlich von Offenheit, Begegnung und einer gewissen Leichtigkeit. Genau diese Unbeschwertheit geht vielerorts langsam verloren – zwischen Pollern, Absperrgittern und Einsatzfahrzeugen.