BAYREUTH.Die Tage vor der Stichwahl am kommenden Sonntag, 22. März, sind für Oberbürgermeister Thomas Ebersberger auch eine Zeit der Einordnung. Mit 28,2 Prozent der Stimmen liegt der Amtsinhaber nach dem ersten Wahlgang hinter seinem Herausforderer und Zweiten Bürgermeister Andreas Zippel, der 34,9 Prozent erreicht hat. Im Gespräch zeigt sich Ebersberger selbstkritisch – betont aber, dass in den vergangenen sechs Jahren vieles auf den Weg gebracht worden sei.
Investitionen und Projekte
Ebersberger hebt die hohe Investitionstätigkeit der Stadt hervor. Bayreuth habe in dieser Zeit etwa doppelt so viel investiert wie in früheren Jahren. Schulen und Kindertagesstätten seien ausgebaut worden. So habe die Stadt die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium räumlich bewältigt und gleichzeitig wieder eine flächendeckende Versorgung mit Kita-Plätzen erreicht.
Auch beim Klinikum seien wichtige Schritte gelungen. Das Haus sei inzwischen als leistungs-
fähiger Versorger ausgezeichnet worden. Zugleich sei der geplante Neubau weiter vorangetrieben worden. Ein zentrales Projekt der kommenden Jahre sei die sogenannte Einhäusigkeit, also die Zusammenführung der Klinik-standorte.
Neben dem Klinikum nennt Ebersberger weitere Vorhaben: die Sanierung des Festspielhauses, das Naherholungsprojekt „Lebendiger Süden“ sowie neue Wohnbauflächen. In den vergangenen sechs Jahren seien Planungen für rund 2.800 Wohneinheiten ermöglicht worden.
Auch das Regionale Innovationszentrum Bayreuth (RIZ) könne nun realisiert werden. Start-ups seien ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts. „Mit dem RIZ setzen wir ein klares Zeichen für eine neue Gründungskultur und für kreative, innovative Köpfe“, sagt Ebersberger. Entscheidend sei nun, Fördermittel zu sichern und die Belastung für den städtischen Haushalt möglichst gering zu halten. „Dafür sind gute Kontakte nach München wichtig.“
Schwierige Projekte übernommen
Einige Vorhaben hätten sich allerdings als kompliziert erwiesen. Als Beispiele nennt der Oberbürgermeister das Friedrichsforum, das denkmalgeschützte ehemalige Bürgerspital sowie die Sanierung der traditionsreichen Graserschule. Diese Projekte seien bereits in schwieriger Lage übernommen worden und hätten sich nur noch begrenzt beeinflussen lassen.
Andere Vorhaben, die bereits ins Stocken geraten waren, habe man jedoch wieder vorangebracht. Dazu zählt Ebersberger etwa die Frank-Sachsen-Magistrale, deren Umsetzung lange als unsicher galt.
Kritik an der Wahrnehmung
Dass seine Amtszeit im Wahlkampf teilweise kritischer bewertet worden sei, führt der Oberbürgermeister auch auf eine aus seiner Sicht verzerrte Darstellung zurück. Manche Vorwürfe beruhten auf falschen Annahmen, sagt er. Verzögerungen bei einzelnen Projekten hätten ihre Ursachen oft in früheren Planungen gehabt.
Große Aufgaben bleiben
Unabhängig vom Ausgang der Stichwahl sieht Ebersberger für die kommenden Jahre mehrere große Aufgaben. Neben dem Klinikneubau nennt er die weitere Sanierung von Schulen sowie Investitionen in Umwelt- und Infrastrukturprojekte. Auch Freizeit- und Sportanlagen müssten modernisiert werden.
Die finanziellen Spielräume der Stadt seien dabei begrenzt. Deshalb setzt Ebersberger auch auf Kooperationen mit privaten Partnern. „Ohne Investitionen von außen wird es in manchen Bereichen schwierig“, sagt er.
Mehr Gespräche im Stadtrat
Mit Blick auf die kommende Amtsperiode rechnet der Oberbürgermeister zudem mit mehr Abstimmungsbedarf im Stadtrat. Durch neue Gruppierungen sei das politische Spektrum breiter geworden. Zuversichtlich sei er dennoch: In den vergangenen Jahren seien viele Entscheidungen sachorientiert und häufig einstimmig getroffen worden.
Trotz der Enttäuschung über das Wahlergebnis, zeigt sich Ebersberger entschlossen, die Bürger weiter von seiner Politik zu überzeugen.