Vor 30 Jahren Deutscher Meister

BAYREUTH. „Es war das fünfte und entscheidende Playoff-Finalspiel gegen Bayer Leverkusen. Unser Team hatte vor knapp 5.000 Zuschauern einen schlechten Beginn, lag zehn Punkte zurück. Mitte der zweiten Halbzeit ging Bayreuth dann 13 Punkte in Front, Leverkusen kam kurz vor Schluss aber wieder auf 78:77 heran. Letztlich entschied ein Dreier von Calvin Oldham das Spiel, Steiner Bayreuth gewann 83:77 gegen Bayer Leverkusen und war Deutscher Meister 1989. Es war Wahnsinn, einfach genial“.

Dr. Peter-Michael Habermann, Fan des Bayreuther Basketballs seit 1979, seit 1983 Dauerkarteninhaber der jeweiligen Teams und heute Eigentümer eines selbst aufgebauten Archives über den Bayreuther Basketball, wie es kein Zweites gibt, kommt heute noch ins Schwärmen, wenn er an jenes Spiel vom 19. April 1989 denkt: „Die Deutsche Meisterschaft zu erreichen ist natürlich das, was sich jeder Sportler wünscht, und vor 30 Jahren hat einfach alles gepasst“.
Headcoach der Bayreuther war seit der Saison 1987/88 Lester Habegger, der 1979 als Co-Trainer der Seattle Supersonics den NBA-Titel geholt hatte. Das Team um Calvin Oldham, Richard „Buzz“ Harnett und Georg Kämpf wurde 1987 um den 21-jährigen Mike Koch verstärkt, der zu jener Zeit einer der begehrtesten deutschen Spieler war. 1988 holte das Team, damals noch als BG Steiner Optik Bayreuth, den Deutschen Basketballpokal, in der Ludwigsburger Rundsporthalle gab es einen 105:88-Sieg gegen Saturn Köln. In den Playoffs zur Deutschen Meisterschaft scheiterte Bayreuth hingegen im Halbfinale an den Kölnern.

1988/89 gab es dann kein Halten mehr für das jetzt nur noch „Steiner Bayreuth“ benannte Team. Neuer, zusätzlicher Star im Team war der nur 1,68 Meter große Point Guard Alvin „Bo“ Dukes, der in der Regel die Zwei-Meter-Hünen durch seine Zaubereien mit dem Ball alt aussehen ließ. „Mit 40:4 Punkten ist Steiner Bayreuth damals durch die Hauptrunde der Bundesliga gestürmt. Ein wichtiger Meilenstein war dabei, dass seit dem 5. November 1988 die neu erbaute Oberfrankenhalle zur Verfügung stand und das Sportzentrum mit seinen 918 Zuschauerplätzen als Heimspielstätte ablöste. Im ersten Heimspiel gegen Braunschweig gewann Steiner Bayreuth vor fast 4.000 Zuschauern mit 110:39, dies war der bis heute höchste Sieg in der Bayreuther Basketballgeschichte“, erinnert sich Dr. Habermann.
Auch das Pokalfinale wurde wieder erreicht, Gegner war diesmal Bayer Leverkusen. Das Spiel fand nach Losentscheid in Leverkusen statt. „Noch nie hatte Bayreuth in Leverkusen gewonnen, doch diesmal war alles anders. Nach 27 Punkten durch Mike Koch und 14 Zählern durch Calvin Oldham verteidigte Bayreuth souverän mit einem 89:67-Sieg den Pokal“.

In den Meisterschafts-Playoffs wurden im Viertelfinale Gießen mit 2:0 und im Halbfinale Saturn Köln mit 3:0 „gesweept“. „Dann kam die Finalserie gegen Leverkusen und alles begann ernüchternd: Mit 66:67 und 57:68 gingen die ersten beiden Finalspiele verloren, der Traum von der Meisterschaft schien schon fast ausgeträumt. Dann gab es einen 83:75-Heimsieg in Spiel drei, der Rückstand in der Serie wurde auf 1:2 verkürzt. Bei Spiel vier in Leverkusen war ich damals im Fanbus mit dabei. Steiner musste gewinnen und wir hatten ja beim Pokalsieg gesehen, dass dies nicht unmöglich war. Letztlich durften wir einen 79:76-Auswärtssieg bejubeln, ein Korb von Calvin Oldham 15 Sekunden vor Schluss brachte die Entscheidung“, so Dr. Habermann.
Am nächsten Tag stand schon frühmorgens eine Riesenschlange von Basketball-Fans am Steiner-Firmengebäude, um im Vorverkauf eine der Karten für das fünfte Finale zu ergattern und am 19. April 1989 beim letztlich größten Tag der Bayreuther Basketballgeschichte live dabei sein zu dürfen. rs

Zum Bild: Das Meisterteam von Steiner Bayreuth nach dem Sieg im 5. Finalspiel gegen Bayer Leverkusen am 19. April 1989. In der Mitte, mit Anzug, Meistertrainer Lester Habegger. Foto: Klaus-Peter Volke