THURNAU.Künstliche Intelligenz wird unsere Unternehmen und unser Alltagsleben weiter verändern“, sagte Harald Hofmann, Vorstandsmitglied des Metall- und Elektroarbeitgeberverbandes VBM für Oberfranken-Ost und Standortverantwortlicher beim Pumpen- und Armaturenspezialisten KSB in Pegnitz. Entscheidend sei, KI als Bereicherung zu begreifen, sich aktiv mit ihr auseinanderzusetzen und die entstehenden Chancen gezielt zu nutzen. Gerade für den Wirtschaftsstandort Oberfranken könne Offenheit gegenüber neuen Technologien ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sein.
Künstliche Intelligenz prägte auch die Diskussionen des Abends. Das Thema reicht längst über industrielle Anwendungen hinaus und ist ebenso in der Medienwelt angekommen. Dort verändert KI Arbeitsprozesse, Inhalte und Geschäftsmodelle spürbar.
Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurde zudem der Johann-Georg-August-Wirth-Preis verliehen. Preisträger 2026 ist Thorsten Schmiege, seit 2021 Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. In seiner Funktion unterstützt er die Akademie für Neue Medien in Kulmbach, unter anderem in der Programmförderung und bei Radioseminaren. Damit setzt er sich seit Jahren für Qualität, Ausbildung und Innovation in der Medienlandschaft ein.
Den fachlichen Höhepunkt des Abends setzte der Gastredner Dr. med. Tobias Gantner, geschäftsführender Gesellschafter der HealthCare Futurists GmbH aus Köln. Der Mediziner, Gesundheitsökonom und Experte für Medizinrecht gilt als ausgewiesener Kenner der digitalen Transformation im Gesundheitswesen.
Wie tiefgreifend diese Veränderungen sein können, zeigte der Gastredner des Abends. Dr. med. Tobias Gantner, geschäftsführender Gesellschafter der HealthCare Futurists GmbH, entwarf in seinem Vortrag „Daten. Können. Heilen.“ ein ebenso provokantes wie differenziertes Bild der Medizin von morgen.
Gantner griff bewusst zugespitzte Schlagzeilen auf – etwa die Behauptung, KI mache „99 Prozent weniger Fehler als der Hausarzt“. Solche Aussagen seien Artefakte aus einer möglichen Zukunft, sagte er. Aber sie berührten ein reales ethisches Dilemma: Medizinische Kompetenz schwanke, wenn sie ausschließlich vom Menschen erbracht werde. Künstliche Intelligenz dagegen lerne kontinuierlich hinzu. Je besser Daten gefiltert und Systeme trainiert würden, desto geringer würden Fehlleistungen. „Irgendwann kreuzen sich diese beiden Linien“, so Gantner. Ab diesem Punkt könne es unethisch werden, Patientinnen und Patienten ausschließlich von Menschen behandeln zu lassen – ohne die Unterstützung intelligenter Systeme.
Gantner griff bewusst zugespitzte Schlagzeilen auf – etwa die Behauptung, KI mache „99 Prozent weniger Fehler als der Hausarzt“. Solche Aussagen seien Artefakte aus einer möglichen Zukunft, sagte er. Aber sie berührten ein reales ethisches Dilemma: Medizinische Kompetenz schwanke, wenn sie ausschließlich vom Menschen erbracht werde. Künstliche Intelligenz dagegen lerne kontinuierlich hinzu. Je besser Daten gefiltert und Systeme trainiert würden, desto geringer würden Fehlleistungen. „Irgendwann kreuzen sich diese beiden Linien“, so Gantner. Ab diesem Punkt könne es unethisch werden, Patientinnen und Patienten ausschließlich von Menschen behandeln zu lassen – ohne die Unterstützung intelligenter Systeme.
Das habe weitreichende Folgen, auch für die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten. Schon heute stehe das Gesundheitswesen vor einem Effizienzproblem, während Ausgaben stiegen und die Lebenserwartung im internationalen Vergleich nur moderat zulege. Gleichzeitig arbeite das System vielfach noch mit überholten Mitteln. Gantner sprach ironisch von den „Erfolgsfaktoren des deutschen Gesundheitswesens“: Faxgerät und Hausnotrufknopf. Selbst diese Modelle gerieten inzwischen unter Druck, weil digitale Lösungen – etwa Apps großer Technologiekonzerne – ähnliche Funktionen übernehmen.
Anhand konkreter Beispiele zeigte Gantner, wie stark branchenfremde Unternehmen bereits in die Medizin vordringen. Automobilhersteller, Sportartikelkonzerne, Onlinehändler oder Technologiekonzerne investierten in Gesundheitsdaten, Sensorik und Diagnostik. Ein Beispiel: Systeme, die mithilfe künstlicher Intelligenz aus Augenhintergrundbildern Hinweise auf Parkinson, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Alzheimer erkennen können – veröffentlicht in renommierten Fachzeitschriften, nicht als Zukunftsvision. Das Augenbild, so Gantner, könne zum „EKG der Zukunft“ werden.
Zentral sei dabei das Zusammenspiel von Arzt, Patient und KI. Die Medizin entwickle sich weg von einer erfahrungsgetriebenen Einzelmeinung hin zu einer daten- und musterorientierten, emergenzbasierten Wissenschaft. Möglich werde das erst jetzt – durch die enorme Menge an Gesundheitsdaten aus Sensoren, Apps, Apotheken, Kliniken und dem Alltag.
Trotz aller technologischen Dynamik warnte Gantner vor reiner Dystopie. „Gesundheit ist gestaltbar“, sagte er. Die Zukunft sei kein starres Ziel, sondern formbar – abhängig von Bildung, Verantwortung und gesellschaftlichen Entscheidungen. Dazu gehöre auch mehr Gesundheitskompetenz für alle. Prävention, Verständnis für den eigenen Körper und ein bewusster Umgang mit Daten seien entscheidend.
Der Neujahrsempfang machte deutlich: Künstliche Intelligenz ist längst Realität – und sie stellt zentrale Fragen an Ethik, Ausbildung und Verantwortung. Antworten darauf werden nicht allein in Laboren oder Unternehmen gefunden. Sie müssen gesellschaftlich verhandelt werden – auch in Regionen wie Oberfranken.