Mit vielen Neuerungen startet Medikamente per Klick (MpK) Bayreuth am Sonntag, 27. September, um 17 Uhr bei den EPG Baskets Koblenz in die kommende Saison der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA. Neben dem neuen Namenssponsor „Medikamente per Klick“ gibt es einen neuen Headcoach, erstmals einen Sportdirektor für den Bayreuther Basketball und eine in weiten teilen erneuerte Mannschaft.
Neuer Cheftrainer und Nachfolger des bei den Fans durchaus beliebten Lukas Hofer ist Vincent van Sliedregt. Der 38-Jährige bringt einige Erfahrung aus seiner niederländischen Heimat mit – zuletzt war er Headcoach von LWD Basket Leeuwarden in der belgisch-niederländischen BNXT League und bis kurz vor seinem Wechsel in die Wagnerstadt auch Nationaltrainer der niederländischen Damen-Nationalmannschaft. Assistant-Coach bleibt Nils Scheller (27), als weiterer Assistenztrainer wurde van Sliedregts niederländischer Landsmann Cyril Weerkamp (43) verpflichtet.
Eine zentrale Schlüsselfunktion, die alle sportlichen Ebenen – vom Mini- und Breiten- über den Nachwuchsleistungssport der CYBEX Talents bis zum Profibereich – strategisch miteinander verzahnt, übernimmt der neue Sportdirektor Felix Hilgart (35). Die Verpflichtung des gebürtigen Weißenburgers, der über langjährige Erfahrung bei den Brose Baskets Bamberg, Science City Jena und den Fraport Skyliners Frankfurt verfügt, soll einen entscheidenden Impuls für die professionelle Weiterentwicklung aller sportlichen Bereiche liefern.
Aus dem Team, das die vergangene ProA-Saison auf Tabellenplatz zehn abgeschlossen hat, sind Moritz Plescher (25), Leroy Ikejiaku (21) und Noah Wabersich (22) sowie die Nachwuchstalente Leo Friedlein (17), Adoyi Limana (18), Liam Holländer (18) und Yannik Zupfer (17) geblieben. Dazu kommt der 29-jährige Small Forward Chris Würmseher, der wie in der vergangenen Saison bei Bedarf bei den Profis aushilft. Mannschaftskapitän und Shooting Guard Plescher (Fußverletzung), Center Ikejiaku (Knieverletzung) und Point Guard Wabersich (Kreuzbandriss) werden jedoch vorerst und zum Teil längerfristig ausfallen.
Nach einer einjährigen Verletzungspause hat sich Center Taje Kelly (23), der in der kommenden Saison eine neue Chance bei MpK Bayreuth bekommt, in der Saisonvorbereitung als echter Leistungsträger erwiesen. Als neuer Center kam der talentierte 22-jährige, 2,06 Meter große und 108 Kilogramm schwere Deutsch-Amerikaner Collin Metcalf aus der amerikanischen College-Liga NCAA (University of Maryland) nach Bayreuth.
Ein deutsch-kanadischer Power Forward ist der 23-jährige Simon Hildebrandt. Der 2,06 Meter große und 1,07 Kilogramm schwere herausragende Distanzschütze spielte zuletzt in der kanadischen Profiliga bei den Winnipeg Sea Bears und führte sein Team kürzlich mit einem finalen Dreier zur erstmaligen kanadischen Meisterschaft. Ein großes Talent auf den deutschen Positionen ist der von Ligakonkurrent SBB Baskets Wolmirstedt neu gekommene 21-jährige Guard Joshua Bonga, der Bruder von Welt- und Europameister Isaac Bonga. Mit seiner Energie und Vielseitigkeit soll der 1,90 Meter große und 86 Kilogramm schwere Joshua Bonga dem Kader von MpK mehr Tiefe verleihen. Schließlich vervollständigt die deutsche Rotation mit Kevin Wohlrath ein mittlerweile 31-jähriger, sehr erfahrener Flügelspieler, der bereits unter dem damaligen Headcoach Raoul Korner bei medi Bayreuth in der BBL aktiv war. Der 1,97 Meter große und 92 Kilogramm schwere Wohlrath spielte nach seiner ersten Bayreuther Zeit drei Spielzeiten bei den Bamberg Baskets und schließlich zuletzt bei ProA-Ligarivalen SBB Baskets Wolmirstedt. Mit Wohlraths Verpflichtung reagierte MpK Bayreuth auf die langfristige Verletzung von Leroy Ikejiaku.
Ein echter „Scharfschütze“ ist der 29-jährige US-Amerikaner Matt Frierson. Der 1,85 Meter große Shooting Guard kommt wie Headcoach van Sliedregt von den LWD Baskets und war in der vergangenen Saison der beste Shooter der belgisch-niederländischen BNXT League mit durchschnittlich vier Dreiern (insgesamt 13,7 Punkte im Schnitt, Dreierquote 41,5 Prozent). Cheftrainer van Sliedregt bezeichnet Matt Frierson als „absoluten Wunschspieler“.
Direkt vom US-College wechselt der 24-jährige US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln Nicolas McClain nach Bayreuth. Der 1,91 Meter große und 92 Kilogramm schwere Guard war zuletzt bei den Belmont Bruins in der NCAA Division I aktiv. Anfang des Jahres zog er sich dort eine Verletzung zu, die er aktuell noch auskuriert. Sportdirektor Felix Hilgart ist jedoch sicher, dass McClain nach der Auskurierung der Verletzung dem Team „mit seiner Größe, Athletik und seinem Playmaking zusätzlich eine große Qualität auf den Guard-Spots geben wird“. Langfristig soll sich der mit einem Zwei-Jahres-Vertrag Ausgestattete zu einem Leistungsträger in der ProA entwickeln.
Der 27-jährige US-Point Guard Glen Abram Jr. aus Chicago hat bereits einige europäische Stationen hinter sich. Vor seinem Transfer nach Bayreuth war der 1,88 Meter große und 88 Kilogramm schwere Aufbauspieler in der mazedonischen Superleague für das Team von KK Gostivar bester Aufbauspieler und zweitbester Scorer der mazedonischen Liga. In der vergangenen Saison wechselte er dann in die stärkere serbische Liga zu KK Vrsac und scorte im Schnitt 12,8 Punkte, 2,8 Rebounds und 4,2 Assists in knapp 27 Minuten Einsatzzeit.
Knapp zwei Wochen vor Beginn der neuen Saison erhielt schließlich noch der 22-Jährige, flexibel einsetzbare Guard Luis Wulff einen Vertrag bis zum Ende des Kalenderjahres 2026. Wulff, der bereits bei Bayern München, den HAKRO Merlins Crailsheim und den Rostock Seawolves BBL-Erfahrung erworben und sogar erste internationale Erfahrungen im FIBA Europe Cup gesammelt hatte, empfahl sich zunächst als Trainingsspieler bei MpK, hatte dabei auch erste Testspieleinsätze und bietet dem Kader angesichts der Verletzungsmisere zu Beginn der Saison mehr Breite im Kader.
“Obwohl es unser erklärtes Ziel war, dem Kader etwas mehr Tiefe zu verleihen, macht uns die aktuelle Situation um unsere verletzten Spieler diesbezüglich noch einen dicken Strich durch die Rechnung. Nachdem wir diesen Umstand zunächst als Chance für unsere Nachwuchsspieler nutzen wollten, um mehr Spielpraxis auf ProA-Niveau zu erhalten, sehen wir zum Ende der Vorbereitung aber die Weiterentwicklung unserer jungen Mannschaft durch die derzeit sehr kurze Rotation gefährdet“, begründete Sportdirektor Felix Hilgart den Umstand, dass MpK nochmals am Transfermarkt tätig wurde.
„Trotz schwieriger Vorbereitung besonnen bleiben“
Äußerst holprig verliefen die Testspiele in der Saisonvorbereitung von Medikamente per Klick Bayreuth. Gebeutelt von Verletzungen und Blessuren im Team stand Headcoach Vincent van Sliedregt oft nur eine kurze Rotation zur Verfügung. Nach dem knappen nichtöffentlichen Auftaktsieg gegen Pro B-Ligist BBC Coburg wurde anschließend teils deutlich gegen den tschechischen Erstligisten BK Armex Decin (87:109), im Rahmen des Medikamente-per-Klick-Cups gegen Ligakonkurrent Nürnberg Falcons (73:84) und gegen den slowakischen Erstligisten Blue Wings Nitra (76:93), gegen Bundesligist Mitteldeutscher BC (56:108) und bei Ligakonkurrent SBB Börde Baskets Wolmirstedt (65:90) verloren. Auf dem Heimweg vom einwöchigen Trainingslager im italienischen Bormio, das erst in der vorletzten Woche vor dem Saisonstart durchgeführt wurde, testete MpK noch bei der „Orange Academy“, dem in die ProA aufgestiegenen Farmteam von ratiopharm Ulm. Hierbei feierten die Bayreuther mit 91:83 einen wichtigen Erfolg für das Selbstbewußtsein acht Tage vor Saisonbeginn.
MpK Bayreuth-Geschäftsführer Friedrich Hartung rät trotz der negativen Tendenz bei den Testspielergebnissen zu Besonnenheit. „Angesichts der Verletztensituation haben wir noch nicht die Breite im Kader, wie sie vonnöten ist, um in der Saison zu bestehen. Es ist natürlich schwierig, wenn man die Testspielergebnisse anschaut, aber man muss wirklich die Spieler für sich anschauen und da auch der sportlichen Abteilung am Ende vertrauen, was sie im täglichen Training sieht“, erklärt Hartung.
Seitens des Vereins sei es klar gewesen, dass die Weiter- bzw. Neuverpflichtung der rekonvaleszenten Taje Kelly und Nic McClain ein gewisses Risiko bedeute. Bei Taje Kelly laufe es deutlich besser als erwartet, die Entwicklung bei Nic McClain liege im Bereich der Erwartungen. „Ein echter Rückschlag, der uns an den Rand brachte, waren dann jedoch die Verletzungen von Leroy Ikejiaku und Moritz Plescher, als schon ein Großteil des Kaders zusammengestellt war“, so der Geschäftsführer. Insgesamt hat Hartung grundsätzlich angesichts der Kaderzusammenstellung „ein etwas besseres Gefühl als in den vergangenen Jahren, weil die Entscheidungen jetzt auf mehreren Meinungen basieren“. Neben Headcoach Vincent van Sliedregt hatte auch das Wort des neuen Sportdirektors Felix Hilgart großes Gewicht, der insbesondere auch die langfristige Entwicklung des Vereins im Auge haben soll. Auch die Rahmenbedingungen wie die Verfügbarkeit der Oberfrankenhalle hatten einen nicht optimalen Einfluss auf die Gestaltung und die Terminierung der Saisonvorbereitung. So hätte man gerne eine Woche länger Zeit zur Vorbereitung gehabt und das wichtige Vorbereitungsturnier um den „Medikamente-per-Klick-Cup eine Woche später gespielt. Dies sei allerdings hinsichtlich der Möglichkeiten zur Hallennutzung nicht machbar gewesen.
Trotz der aktuellen Lage hält der Verein laut Hartung an der Zielsetzung fest, „jedes Jahr ein Stückchen besser“ werden zu wollen. „Es ist ganz, ganz früh in der Saison, wir nehmen die Probleme ernst, arbeiten dran, und dann steht noch ein lange Saison bevor.“ Wichtig sei, „dass man nicht so ganz lange Strecken hat in der Saison, wo man Punkte liegen lässt. Dafür ist die zweite Liga einfach zu umkämpft und ausgeglichen. Man sieht das etwa daran, dass vergangene Saison plötzlich Kirchheim im Playoff-Finale stand, gegen die wir in der Hauptrunde der Pro A zweimal gewonnen hatten. Wir wollen uns Stück für Stück sportlich und wirtschaftlich so verbessern, um dahin zu kommen, dass MpK Bayreuth mit einer gewissen Selbstverständlichkeit als Playoff-Mannschaft gesehen wird“. Dabei sei die Verletztensituation immer ein Riesenfaktor. Weitere Verstärkungen seien in der neuen Saison nicht ausgeschlossen, man beobachte die Situation und werde gegebenenfalls tätig.
Von der wirtschaftlichen Situation her sei man in der laufenden Saison, auch angesichts des Namenssponsors Medikamente per Klick, erstmals seit dem Abstieg aus der BBL in der Lage, schon zu Saisonbeginn einen ausgeglichenen Etat vorlegen zu können. Der Anteil des reinen Spieleretats ohne Wohnungen und Autos belaufe sich auf rund 35 Prozent des Gesamtbudgets. „Alles, was zusätzlich erwirtschaftet wird, kann in die sportliche Qualität gehen und dient nicht wie in den vergangenen Jahren zunächst einmal dazu, Löcher zu stopfen“. Man müsse aber auch sehen, dass sich Medikamente per Klick schon in der Vergangenheit beim früheren BBC Bayreuth engagierte und daher durch das Namenssponsoring nicht vom ersten bis zum letzten Euro neues Geld zur Verfügung steht, das man jetzt in die sportliche Qualität reinstecken kann, um dann wesentlich stärker als in den vergangenen Spielzeiten dazustehen, so der Geschäftsführer. Beim Dauerkartenverkauf wird laut Hartung auf jeden Fall das Niveau der vergangenen Saison erreicht.
Die Heimspiele von MpK Bayreuth in der Hinrunde der ProA:
02. Spieltag Fr., 02.10.26, 19.00 Uhr PS Karlsruhe Lions
04. Spieltag Mi., 14.10.26, 19.00 Uhr Orange Academy Ulm
05. Spieltag Sa., 17.10.26, 19.00 Uhr Artland Dragons
07. Spieltag Fr., 30.10.26, 19.00 Uhr VfL SparkassenStars Bochum
09. Spieltag Fr., 13.11.26, 19.00 Uhr MLP Academics Heidelberg
12. Spieltag Sa., 05.12.26, 19.00 Uhr GIESSEN 46ers
14. Spieltag Sa., 19.12.26, 19.00 Uhr Eisbären Bremerhaven
16. Spieltag So., 27.12.26, 15.00 Uhr ETB Miners Essen