Veröffentlicht am 19.08.2025 08:33

Milliarden für den Truppenübungsplatz Grafenwöhr

Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehen Bundeswehr und US-Army Hand in Hand. (Foto: red)
Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehen Bundeswehr und US-Army Hand in Hand. (Foto: red)
Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehen Bundeswehr und US-Army Hand in Hand. (Foto: red)
Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehen Bundeswehr und US-Army Hand in Hand. (Foto: red)
Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr gehen Bundeswehr und US-Army Hand in Hand. (Foto: red)

Fast könnte man meinen, dass es für den Truppenübungsplatz Grafenwöhr ein eigenes Investitionsprogramm gibt. Mehr als eine Milliarde Euro wollen US-Army und Bundeswehr dort in den nächsten Jahren investieren.

Der symbolische Spatenstich kürzlich markierte den Auftakt eines bedeutenden Projekts auf dem „NATO North Atlantic Treaty Organization-Truppenübungsplatz”. Hier entsteht eine komplett neue Kaserne. Mehr als 180 Millionen Euro investiert die Bundeswehr in den Neubau des Camp Normandie als Ausbildungsbetrieb der deutschen Streitkräfte.

Seit über einem Jahrhundert wird das Gelände des Truppenübungsplatzes militärisch genutzt – seit 1945 in Verantwortung der US-Streitkräfte. Grafenwöhr gehört zu den größten Übungsplätzen Europas, auf denen scharf geschossen wird. Jährlich trainieren hier auf mehr als 23.000 Hektar über 4.000 Soldatinnen und Soldaten unter realitätsnahen Bedingungen.

Die Kooperation zwischen Bundeswehr, US-Streitkräften und weiteren NATO-Partnern macht den Standort zu einem zentralen Pfeiler für Ausbildung und Einsatzbereitschaft – seine Bedeutung nimmt angesichts globaler sicherheitspolitischer Herausforderungen zu. Unter anderem üben seit Kriegsbeginn auch ukrainische Soldaten in Grafenwöhr.

Mit dem Spatenstich für die innere Erschließung wird das bislang ungenutzte Areal technisch ausgebaut: Strom-, Wasser- und Abwassernetze, Straßenbeleuchtung, Trafostation, ein Nahwärmenetz, Glasfaseranbindung sowie Verkehrsflächen entstehen auf der „grünen Wiese“. Ziel ist eine zukunftsfähige Infrastruktur für den Bundeswehrbetrieb. Die geplanten Baukosten für diese erste Phase belaufen sich auf circa 65 Millionen Euro.

Mit dem umfangreichen Bauprojekt werden die in die Jahre gekommenen Gebäude schrittweise ersetzt. Durch die großflächige Modernisierung entstehen auf dem neuen Gelände moderne Unterkünfte für bis zu 1.100 Soldatinnen und Soldaten. Zudem wird ein Wirtschaftsgebäude für bis 600 zu „Verpflegende” und ein weiteres Wirtschaftsgebäude für 300 „hungrige Mäuler” inklusive einer Übungskantine und Stellflächen für mobile Feldküchen gebaut.

Darüber hinaus gehören eine zentrale Waffenkammer, ein Sanitätsbereich sowie technische Ausbildungsanlagen – darunter eine Kfz-Halle mit Waschplatz und ein Stabs- und Verwaltungsgebäude – zu den Neubauten. Insgesamt werden rund 210 Millionen Euro in das gesamte Projekt investiert.

Wenige hundert Meter weiter erneuert auch die US-Armee ein komplettes Camp. Auch hier entsteht auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern eine moderne neue Kaserne für mehrere Millionen US-Dollar. Insgesamt investiert die US-Armee in den kommenden Jahren 1,2 Milliarden US-Dollar in Modernisierungen und Neubauten in Grafenwöhr.

Vor wenigen Tagen folgte der Spatenstich für ein neues Trainingszentrum, das weltweit vernetzt ist und simultane internationale Übungen ermöglicht. 35 Millionen Dollar soll es kosten. Noch vor wenigen Monaten wollte US-Präsident Donald Trump Spekulationen zufolge US-Soldaten aus Europa abziehen. Derartige „Überlegungen” aus dem Weißen Haus lösen regelmäßig Sorgen, Spekulationen und Gerüchte in der Oberpfalz aus.

Der Truppenübungsplatz und damit die US-Army ist ein wichtiger Arbeitgeber nicht nur für die Region. Viele Zivilbeschäftigte kommen auch aus dem Landkreis Bayreuth. Er bietet Arbeitsplätze für circa 3.600 Menschen und ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Neben den Festangestellten profitieren auch zahlreiche regionale Unternehmen und Handwerksbetriebe von Aufträgen im Zusammenhang mit dem Übungsplatz.

13.500 US-Soldaten sind dauerhaft in Grafenwöhr stationiert. Dazu kommen rotierende Einheiten, die das ganze Jahr über kommen und gehen. In großen multinationalen Übungen sind Soldaten aus sämtlichen NATO-Ländern eingebunden. US-Militärs sprechen Kommunalpolitikern gegenüber immer wieder vom Übungsplatz als „Kronjuwelen” der US-Armee.

„Es gibt niemanden in der US-Armee, der über einen Abzug hier nachdenkt”, zitiert der deutsche Militärische Vertreter Florian Rommel aus einem Gespräch mit einem ehemaligen US-General. Auch der stellvertretende Kommandeur des Streitkräfteamtes der Bundeswehr, Brigadegeneral Michael Oberneyer, bestätigt das. In Gesprächen mit amerikanischen Partnern würden die stets unterstreichen, wie wichtig der Truppenübungsplatz für die US-Armee in ganz Europa sei.

Weil die US-Armee in Grafenwöhr ukrainische Soldaten ausbildet und neue Waffensysteme testet, ist der Übungsplatz auch Zielscheibe für Spionage. Erst kürzlich wurden drei Männer, darunter zwei Russlanddeutsche, aus Oberfranken wegen dieses Vergehens festgenommen.

Die US-Armee ist seit 1945 Hausherr in Grafenwöhr. Den Übungsplatz gibt es bereits seit 1910, gegründet von der königlich bayerischen Armee. Die Region muss zwar Lärm und Militärkolonnen in Kauf nehmen, profitiert allerdings auch von der Anwesenheit der Amerikaner. Insgesamt lässt die US-Community mit rund 40.000 Amerikanern pro Jahr etwa 650 Millionen US-Dollar in der Region rund um den Sicherheitszaun – an Mieten, Einkäufen, medizinischen Leistungen oder beim Essengehen.


Von Udo Fürst
Udo Fürst
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