BAYREUTH.Die Stadt teilt mit, dass die Festmeile im Rahmen des Festival150 am 25. und 26. Juli aus finanziellen Gründen abgesagt wird – und das nur wenige Wochen vor dem geplanten Termin auf dem Luitpoldplatz. Ausgerechnet jenes Projekt, das zeigen sollte, dass 150 Jahre Bayreuther Festspiele nicht nur im Festspielhaus gefeiert werden.
Wie groß die Deckungslücken tatsächlich sind, ist bislang nicht bekannt.
Zurück bleiben vor allem Fragen. Die wichtigste lautet: Wie kann bei einem Projekt dieser Größenordnung so kurz vor der Veranstaltung plötzlich festgestellt werden, dass das Geld nicht reicht?
Denn mit einer Absage verschwinden die Kosten nicht automatisch. Künstler waren angefragt oder gebucht, Technik bestellt, Leistungen vorbereitet. Es dürften bereits Kosten entstanden sein. Keine Feier, doch ein Teil der Rechnung könnte dennoch bleiben.
Für die gesamte Veranstaltungsreihe Festival150 stehen rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Aus diesem Budget sollten allerdings nicht nur die Veranstaltungen auf dem Luitpoldplatz finanziert werden. Auch andere Programmpunkte, darunter Veranstaltungen im Friedrichsforum, werden daraus bezahlt.
Jetzt spricht Oberbürgermeister Andreas Zippel von „überraschend großen Deckungslücken“, die festgestellt worden seien. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, wann diese Lücken tatsächlich entstanden sind – und wer sie hätte erkennen müssen.
Das Kulturamt verantwortete die Planung. Zusätzlich wurde eigens ein Projektleiter installiert. Es fehlte also weder an Personal noch an fachlicher Begleitung. Man könnte auch sagen: Für die Steuerung des Jubiläumsprogramms standen durchaus erfahrene Kräfte bereit. Ihre Aufgabe bestand schließlich nicht nur darin, ein attraktives Programm auf die Beine zu stellen, sondern auch den vorgegebenen finanziellen Rahmen einzuhalten.
Im Rathaus wurde bereits im April, noch unter der Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Thomas Ebersberger, im Rahmen einer eigens einberufenen Dienstleiterbesprechung festgestellt, dass im Kulturreferat offenbar aufgeräumt werden müsse. Ob dies unmittelbar auch mit dem Festival150 zusammenhängt, ist nicht belegt.
Die zeitliche Nähe zu den aktuellen Entwicklungen sorgt dennoch für Gesprächsstoff. Zumal Kulturreferentin Eva Bär kurze Zeit inzwischen widerruflich freigestellt wurde. Gründe dafür nannte die Stadt bislang nicht.
Die Frage drängt sich dennoch auf: Spielte die Entwicklung des Jubiläumsprogramms bei der Bewertung ihrer Arbeit möglicherweise doch eine Rolle? Schließlich fiel die Verantwortung für das Projekt in ihr Referat.
Auch im Stadtrat sorgt die Absage für Verwunderung. Der Kulturpfleger Stefan Specht zeigte sich auf Nachfrage überrascht. Ihm sei stets signalisiert worden, alles befinde sich „im grünen Bereich“. Noch deutlicher wird er bei seiner Bewertung des Programms. Vielleicht hätte man sich stärker auf das eigentliche Jubiläum konzentrieren sollen, statt einen „Bauchladen der Beliebigkeiten“ zusammenzustellen.
Dabei war das Grundkonzept durchaus nachvollziehbar. Das Festival150 sollte einen Bogen vom Grünen Hügel in die Innenstadt schlagen und das Jubiläumsjahr für möglichst viele Menschen sichtbar machen. Die Festmeile wurde bewusst auf das Wochenende der Festspieleröffnung gelegt, um die Aufmerksamkeit rund um die Bayreuther Festspiele auch in die Innenstadt zu tragen.
Allerdings bindet die Organisation einer solchen Großveranstaltung erhebliche personelle und Ressourcen – erst recht an einem Wochenende, an dem Bayreuth ohnehin im Ausnahmezustand sein wird, wenn am 25. Juli die Jubiläums-Festspiele mit einem Konzert eröffnet werden. Es folgt ein Festakt und der Staatsempfang. Nach Informationen unserer Redaktion ist darüber hinaus als besondere Attraktion eine große Drohnenshow über dem Festspielhaus vorgesehen, die eindrucksvolle Bilder an den Abendhimmel zeichnen soll.
Mit anderen Worten: Schon auf dem Grünen Hügel wird an diesem Wochenende ein erheblicher organisatorischer Aufwand betrieben. Parallel dazu eine weitere Großveranstaltung in der Innenstadt zu stemmen, wäre eine zusätzliche Herausforderung gewesen.
Ob tatsächlich Fehlkalkulationen, mangelnde Kostenkontrolle, ein zu ambitioniertes Programm oder von allem etwas zur heutigen Situation geführt haben, dürfte erst die politische Aufarbeitung zeigen.
Oberbürgermeister Andreas Zippel will den Haupt- und Finanzausschuss sowie den Stadtrat am 17. beziehungsweise 24. Juni ausführlich über die aktuelle finanzielle Situation und die Hintergründe informieren. Außerdem sollen die Gremien über die weitere Durchführung des Jubiläumsprogramms „150 Jahre Bayreuther Festspiele“ beraten.
Denn das Jubiläumsprogramm ist noch längst nicht abgeschlossen. Für den 25. und 26. September steht beispielsweise auch noch die Lange Nacht der Kultur auf dem Plan.